EZB-Test

Meisten Banken kommen glimpflich davon

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Von den 25 Geldinstituten, die per Ende 2013 eine Kapitallücke von insgesamt 25 Milliarden Euro aufwiesen, haben nur acht im bisherigen Jahresverlauf die Lücke nicht gefüllt, beziehungsweise keine aus EZB-Sicht nachvollziehbaren Pläne für ihre Schrumpfung vorgelegt. Damit klafft bei den Banken nur noch eine Kapitallücke von 6,35 Milliarden Euro - die Hälfte davon in Italien. Die EZB, die am Sonntag in Frankfurt die Ergebnisse ihrer vor einem Jahr begonnenen Untersuchung bekanntgab, empfahl Investoren, sich auf die gewonnenen Einblicke in die Bücher der Banken zu konzentrieren.

Etwas mehr als eine Woche bevor die EZB die Aufsicht über die Banken des Euroraums übernimmt, versuchen die Währungshüter, ein halbes Jahrzehnt finanzieller Turbulenzen zu beenden, indem sie schonungslos über die verbliebenen Bestände an faulen Krediten und falsch gepreisten Aktiva informieren.

Mit dem ganzen Gewicht ihres guten Rufs setzt sich die Notenbank dafür ein, bei den Investoren die Überzeugung zu fördern, dass die Banken wieder eine Rolle bei der Wiederbelebung einer lahmenden Konjunktur spielen können.

“Einige Leute wollen vielleicht den Schluss ziehen, dass die Bewertung nicht glaubwürdig ist, weil ’kein Blut geflossen ist’”, sagte Eli Haroush, Fondsmanager bei APG Asset Management in Amsterdam. “Ich halte sie für glaubwürdig. Es war eine sehr seriöse Angelegenheit und 2014 ist in erheblichem Umfang Kapital beschafft worden.”

Zwar zeigt der EZB-Bericht, dass 13 Banken nach den in diesem Jahr ergriffenen Maßnahmen noch Kapitallücken aufweisen. In Fußnoten wird allerdings auch erklärt, dass fünf davon - zwei in Griechenland, zwei in Slowenien sowie die belgische Dexia - über die bereits vorgenommenen Kapitalaufstockungen hinaus keine weiteren Mittel benötigen beziehungsweise ihre Bilanzen ausreichend geschrumpft haben oder aber abgewickelt werden.

Größte Lücke bei der Banca Monte dei Paschi di Siena


Von den acht Instituten, die noch Kapital beschaffen müssen, kommen laut EZB-Daten vier aus Italien. Die größte Lücke klaffte bei der Banca Monte dei Paschi di Siena. Die Bank muss 2,11 Milliarden Euro auftreiben. Sie hat die UBS und Citigroup damit beauftragt, bei der Suche nach strategischen Optionen zu helfen.

“Nach meinem Bauchgefühl ist genug Glaubwürdigkeit entstanden”, sagte Barney Reynolds von Shearman & Sterling in London. “Sie haben die Banken eine ganze Strecke weit geschleift um sie dahin zu bringen, wo sie sie haben wollten. Es müsste reichen, um die Dinge am Laufen zu halten.”

Um die Bilanzprüfung zu bestehen mussten die Banken hartes Kernkapital Tier 1 im Umfang von mindestens 8 Prozent der risikogewichteten Aktiva nachweisen. Im strengeren Szenario lag die Mindestquote bei 5,5 Prozent.

Keine Bank aus Deutschland, Frankreich oder Spanien wurde verpflichtet, ihre Kapitalbasis aufzustocken.


“Wir haben mit größeren Kapitallücken gerechnet und erwarteten, dass Banken aus mehr Ländern Lücken aufweisen würden”, sagte Elisabeth Rudman, Leiterin des Teams für europäische Finanzinstitutionen bei DBRS in London. “Gerade in Spanien und Deutschland waren wir auf mehr Kapitallücken eingestellt.”

Die Rezession, die im Stresstest-Szenario simuliert wurde, würde die harte Kernkapitalquote Tier 1 der Banken um 263 Milliarden Euro oder 4 Prozentpunkte verringern. Damit würde die CET1-Quote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent fallen, teilte die EZB mit.

“Bei dieser Untersuchung ging es nicht um die Zahl der Banken, die nicht bestehen würden”, sagte Danièle Nouy, die Vorsitzende des Aufsichtsgremiums des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus, auf einer Pressekonferenz nach Veröffentlichung der Ergebnisse. Nouy wird die oberste Aufseherin der EZB, wenn die Notenbank am 4. November ihre neue Aufgabe der bankenaufsicht übernimmt. “Es ging um Transparenz und den vollen Einblick der Investoren in die Bilanzen der Banken.”Nouy betonte, frisches Kapital solle in erster Linie aus privaten Quellen kommen.

Die Untersuchung hat zwar bei den wichtigsten Kennziffern keine negativen Überraschungen gebracht, doch die Summe der notleidenden Kredite ist gestiegen - eine Folge der Vereinheitlichung bei der Klassifizierung von Krediten, die von der EZB angestrebt wird. Die als notleidend eingestuften Darlehen belaufen sich laut EZB-Bericht jetzt auf 879 Milliarden Euro - das sind 136 Milliarden Euro mehr als zuvor.

“Die ganze Bewertung hilft Investoren, weil sie jetzt Äpfel mit Äpfeln vergleichen können”, sagte Julia Lu, Partnerin bei Richards Kibbe & Orbe in New York. “Der Markt empfand genau dieses Problem als frustrierend - nämlich die Anwendung unterschiedlicher Definitionen durch verschiedene Länder und Institutionen.”

Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener Ifo- Instituts, bemängelte, dass die EZB in ihr Stresstest-Szenario nicht die Möglichkeit einer Deflation einbezog.

Selbst Banken, die ohne Wenn und Aber durchgefallen sind, machten geltend, dass sie Kapitalmaßnahmen ergriffen haben, die die EZB bei ihrer Bewertung noch nicht gewürdigt habe. Banco Comercial Portugues hat nach eigener Darstellung bereits dafür gesorgt, dass die in der Untersuchung festgestellte Kapitallücke von 1,15 Milliarden Euro geschlossen wird.

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