EZB vor Dilemma Was tun, wenn der Bond-Markt austrocknet?

Sollte die EZB ihr gegenwärtiges Tempo beibehalten, wird sie bis März das gesamte Angebot geeigneter Anleihen von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und vergleichbaren Emittenten aufgesaugt haben, hat Barclays errechnet. Die Euroländer geben immer weniger Staatspapiere aus, wodurch das Angebot leidet, und die Zentralbank erklärte erst kürzlich, dass der Kauf von Covered Bonds zunehmend eine Herausforderung darstelle.

EZB-Chef Mario Draghi will das quantitative Lockerung (QE) genannte Programm bis September 2016 laufen lassen. In einer Umfrage von Bloomberg rechnen 85 Prozent der befragten Volkswirte damit, dass die EZB ihr Ziel, monatlich Bonds im Volumen von 60 Milliarden Euro aufzukaufen, weiterhin erreichen wird. Wenn die zur Verfügung stehenden Bonds allerdings knapp werden, könnte dies zur Folge haben, dass die EZB ihre Herangehensweise anpassen muss.

„Die Stunde hat geschlagen“, für die EZB, sagt Jussi Harju, Stratege bei Barclays in Frankfurt. „Der Engpass bei bestimmten Vermögenswerten wird die EZB wahrscheinlich zu einer Reaktion zwingen. Es könnte bedeuten, dass sie die Liste der geeigneten Anleihen ausweiten.“

Die Notenbank hat sich bei ihrem Programm bereits flexibel gezeigt. Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré kündigte am 18. Mai eine Beschleunigung der Käufe an, um die für Juli und August erwartete geringere Liquidität auszugleichen.

Bislang haben die Käufe ihren Zweck erfüllt und den Bondmarkt angekurbelt. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen sackte am 12. März auf das Rekordtief von 1,05 Prozent ab. Zwar rentieren die Papiere mittlerweile wieder bei 1,95 Prozent, dies ist jedoch weniger als ein Drittel des Höchststandes seit Einführung des Euros von 7,75 Prozent.

Um ihr QE-Ziel zu erfüllen, könnte die EZB das Volumen bestimmter Bonds, die sie halten kann, erhöhen. So könnte entweder die Begrenzung auf maximal 25 Prozent einer Bond- Emission von supranationalen Emittenten wie der EIB aufgehoben werden oder die Einschränkung wegfallen, dass diese Papiere höchstens zwölf Prozent der Gesamtkäufe aus dem öffentlichen Sektor ausmachen dürfen, erwartet Barclays.

Ein EZB-Sprecher in Frankfurt wollte zu dem Thema gegenüber Bloomberg nicht Stellung nehmen.

Im Markt für Covered Bonds, wo sich die EZB auf maximal 70 Prozent einer Emission begrenzt hat, fällt es der Notenbank eigenen Aussagen von diesem Monat zufolge immer schwerer, ein ausreichendes Angebot zu finden. Zwar wurden seit Oktober entsprechende Papiere im Volumen von 108,1 Milliarden Euro übernommen, seit Juni nehmen die Käufe jedoch kontinuierlich ab.

Covered Bonds verfügen gewöhnlich über eine bessere Bonitätsnote und niedrigere Renditen als unbesicherte Papiere, da sie mit Garantien der Emittenten ausgestattet sind. Zudem könnten im Bedarfsfall die ihnen zugrundeliegenden Hypotheken oder öffentlichen Anleihen herangezogen werden, um Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Der EZB könnte auch ein Engpass bei Staatspapieren Probleme bereiten. Die Tilgung eingerechnet planen lediglich Italien, Spanien, Irland, Finnland und die Niederlande bis zum Jahresende mehr Bonds auszugeben als die EZB kaufen will, zeigen Bloomberg- Daten.

„Sie müssen ihre Käufe flexibel handhaben, in welchem Teil der Kurve sie kaufen und auf die Marktkonditionen reagieren“, sagt Owen Callan, Festverzinslichenstratege bei Cantor Fitzgerald in Dublin. „Mit dem Vorziehen der Käufe von Mai bis Juli haben sie bereits gezeigt, dass sie dazu in der Lage sind.“

Mehr zum Thema
NorwegenNorwegens Staatsfonds hat erstmals in drei Jahren Geld verloren Umfrage zum China-Crash95 Prozent der Finanzberater beruhigen ihre Kunden IndexfondsAnleihen-ETFs landen zunehmend bei Hedgefonds und Stiftungen im Depot