"Die Partei": Screenshot eines Werbeplakats

"Die Partei": Screenshot eines Werbeplakats

Facebook-Party für Ergo geplant

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Thessa war gestern – wenn es nach dem Satiriker und ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur Sonneborn geht, dürfte die nächste Facebook-Party am Victoriaplatz 2 in Düsseldorf steigen. Auf der Seite seiner 2004 gegründeten pseudo-politischen Gruppierung „Die Partei“ lädt der 46-Jährige alle Interessenten zur Ergo-Pressekonferenz um 10 Uhr in Düsseldorf ein.

„Gäste in frivoler Aufmachung, in Bademänteln, mit Sektflaschen, blauen Armbändern, ohne Bademäntel, die vor Ergo (Versicherungen, Sexpartys in Budapest etc.) um Aufklärung bitten, werden von der Presse sicher aufmerksam zur Kenntnis genommen...“, schreibt der Satiriker in Anspielung an den jüngsten Sex-Skandal bei der Hamburg-Mannheimer, die von Ergo übernommen wurde.

Die Einladung stößt bei vielen Facebook-Nutzern auf großes Interesse. 427 Zusagen liegen bereits vor (Stand: 2. August um 12:10 Uhr). 170 Nutzer sind sich noch nicht sicher, 324 kommen nicht.

Entsprechend euphorisch fallen auch die Kommentare aus. „Das wird super!“ schreibt zum Beispiel der User Florentin Hock. „Ich komme gern“, meint Elias Hauck. „Ich bringe meinen Glastisch mit“, verspricht Christian Moeller. „Ich hoffe es gibt wenigstens ungarische Pfannkuchen“, schreibt Sascha Tebben.

Vereinzelt finden sich aber auch kritische Stimmen. „Ich stelle mir gerade vor, dass sich die Ergo-Leute unsere ganzen Beiträge hier durchlesen“, schreibt Daniela Giess. Man solle sich nicht lustig machen über das Unternehmen, das selbst eigentlich nicht den Mist gebaut habe. Na wunderbar, bessere Werbung könne der Konzern gar nicht haben, meint der Facebook-Nutzer Thomas Rieck.

Viele Makler halten Ergo-Produkte derzeit für nicht mehr vermittelbar

Dass das Argument mit der Werbung nicht stimmt, zeigt jedoch die jüngste Umfrage der Brancheninformationsdienste „Kapital-Markt intern“, „Versicherungstip“ und „Investment intern“ unter ihren Lesern – freien Vermittlern, Mehrfachvertretern und Versicherungsmaklern. Denn die freien Vermittler halten Versicherungen des Ergo-Konzerns derzeit mehrheitlich für nicht vermittelbar.

Rund 70 Prozent der Befragten glauben demnach, dass Ergo-Produkte derzeit nicht mehr vermittelbar sind. 90 Prozent der Umfrageteilnehmer erachten den aus den Ergo-Skandalen resultierenden Schaden für die gesamte Versicherungsbranche als immens. Nur 6 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben noch an eine transparente Aufklärung der Skandale. Rund 90 Prozent bezweifeln, dass der Ergo-Vorstand die Krise verantwortungsvoll meistern kann.

Satire-Seiten sollten nicht unterschätzt werden

Ob die mehr als 400 Facebook-Nutzer ihr Vorhaben in die Tat umsetzen werden sei dahingestellt. Dass auch Satire-Magazine und Online-Portale Unternehmen und Politikern Unannehmlichkeiten bereiten können, zeigt das Beispiel des 1992 gegründeten und 2006 aufgelösten Online-Satiremagazins „Zyn!“.

Ein unter dem Zyn!-Parodie-Format „Spiggl“ veröffentlichtes fiktives Interview mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über deutsche Atomwaffenpläne soll von einer iranischen Nachrichtenagentur aufgegriffen worden sein. Anfang 2006 blamierte sich Friedrich Merz zudem, als er einen Zyn!-Text bei einer Karnevalsveranstaltung als eigene Erfindung vortrug.

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