Kenner-Auswahl: Wer auf Factor Investing setzt, sollte sich nicht nur am Etikett orientieren. Foto: Bloomberg

Kenner-Auswahl: Wer auf Factor Investing setzt, sollte sich nicht nur am Etikett orientieren. Foto: Bloomberg

Factor Investing

In jeder Marktphase auf geeignete Faktoren setzen

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Lange galt: Wer in Indexfonds investiert, bekommt den Index – nicht mehr, nicht weniger. Das ändert sich: „Beim Factor Investing kann man durch Abschöpfen einer Risikoprämie eine Outperformance gegenüber dem Index erreichen“, sagt Dag Rodewald, Leiter Vertrieb UBS-ETF Deutschland & Österreich. Die Idee dahinter: Wer Aktien nach speziellen Faktoren auswählt, wird den breiten Markt langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit schlagen können (siehe Chart). Beim Faktor Value etwa geht es darum, in unterbewertete Substanztitel zu investieren. Beim Faktor Low Volatility werden die Aktien ausgewählt, welche die geringsten Kursschwankungen aufweisen. MSCI-Studie belegt Vorteile Dass Investments anhand solcher Faktoren über lange Zeiträume besser laufen, bestätigt eine Analyse des Indexanbieters MSCI. Wer seit 1975 über den entsprechenden MSCI-Index auf den Faktor Value setzte, erzielte eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,2 Prozent. Der MSCI World dagegen kam nur auf plus 10,7 Prozent. Doch vor allem brachten laut der Untersuchung die analysierten Faktoren bessere risikoadjustierte Renditen als der Weltaktienindex. „Ein Allheilmittel ist Factor Investing aber nicht“, so Rodewald. In der Tat bestätigt die MSCI-Analyse auch, dass einzelne Faktoren in bestimmten Marktphasen hinter dem Markt zurückblieben. So schnitt der Index, der den Faktor Qualität abbildet, zwischen 1980 und 1988 schlechter ab als der MSCI World. Dazu kommt: Je kürzer der Anlagehorizont, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Underperformance. Darum ist es wichtig, die Faktoren richtig einzusetzen. „Grundsätzlich haben Anleger zwei Möglichkeiten“, sagt Rodewald. „Entweder die grundsätzliche Beimischung unterschiedlicher Faktoren, die nicht miteinander korrelieren. So kann es sinnvoll sein, sich mit Value einen Faktor ins Portfolio zu holen, die in schwierigen Marktphasen eine gewisse Sicherheit bieten, und diese mit der Momentum-Strategie zu kombinieren, da diese in Aufwärtsphasen besonders gut läuft.“ Der zweite Weg: „Anleger können je nach Marktphase auf geeignete Faktoren setzen. Im Umfeld steigender Kurse wäre das etwa die Momentum-Strategie.“ Fallen die Kurse, eigne sich eher eine Low-Volatility-Strategie. Währungsrisiken beachten Nach Ansicht von Rodewald sollte man aber eins beachten: „Wer nicht nur am Heimatmarkt aktiv ist, holt sich über die Währung ein zusätzliches Risiko ins Portfolio. Es ist in diesem Fall besser, währungsgesicherte ETFs zu wählen.“ Grundsätzlich bietet Factor Investing über ETFs jedoch gerade im aktuellen Umfeld mehrere Vorteile: „Zum einen die Chance auf einen Zusatzertrag. Zum anderen bleiben Anleger damit flexibel, und zwar im Hinblick darauf, welche Faktoren sie einsetzen und wann sie jene einsetzen“, fasst Rodewald zusammen. Beides kann angesichts der turbulenten Marktphase, in der die Politik und die Notenbanken die Märkte kurzfristig immer wieder stark beeinflussen, für den Anlageerfolg von entscheidender Bedeutung sein.

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