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Patrick Doser: „Faktor-Anlagestrategien sollten intuitive und ökonomisch robuste Signale nutzen“ | © iShares Foto: iShares

Faktor-Investing

„Mit diesem Ansatz verbessern wir das Risiko-Rendite-Profil“

Herr Doser, welchen Herausforderungen müssen sich Investoren derzeit stellen und wie kann Faktor-Investing helfen?

Patrick Doser: Die derzeitige Investmentlandschaft stellt viele Investoren bei ihrer Asset-Allokation vor große Herausforderungen – wegen der geringen Renditen klassischer Anlagen, gestiegener Kostensensitivität durch neue Transparenz-Vorschriften wie MiFID II und oftmals ungenügender Risikoabsicherung gegen Kursrückgänge. Investoren suchen jetzt nach neuen Wegen, ihr Portfolio im Hinblick auf Rendite und Risiko effizienter aufzustellen. Faktor-Investing – der systematische Ansatz, alternative Risikoprämien zu vereinnahmen – hat entsprechend stark an Popularität gewonnen. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnet dieser Bereich Zuwachsraten von jährlich 42 Prozent.

Warum ist ausgerechnet jetzt ein guter Zeitpunkt, um in Faktor-ETFs zu investieren?

Doser: Faktoren sind langfristige Renditetreiber. Jeder Zeitpunkt kann der richtige sein, um in Faktor-Vehikel zu investieren. Faktorprämien sind jedoch zyklisch und funktionieren in verschiedenen Konjunkturphasen unterschiedlich gut. Daher konzentrieren wir uns nicht auf einen einzigen Faktor. Stattdessen investieren wir in ein diversifiziertes Faktor-Portfolio. Damit können wir einerseits eine langfristige Outperformance erzielen. Die Kombination mehrerer Renditetreiber zu einem diversifizierten Faktor-Mix ermöglicht es uns andererseits, die Überrendite zu glätten, wenn die Faktorprämien untereinander nur gering korrelieren. Dann kann der Faktor-Zyklus ruhiger gesegelt werden.

Faktor-Strategien und Tilting – wie profitieren Anleger vom Zusammenspiel der Renditetreiber?

Doser: Investoren können die unterschiedlichen Rendite-, Risiko-, und Beta-Profile der einzelnen Faktoren zielgerichtet einsetzen. Neben den langfristigen, unabhängigen Faktorprämien haben sie die Chance, einen dynamischen Timing Return zu vereinnahmen.

Welche „Dos and Don’ts“ sind hier wichtig?

Doser: Bei der Implementierung ist Vorsicht geboten: Ein aggressives Timing mit hohem Turnover kann den angestrebten Mehrertrag über einer statischen Multifaktor-Strategie verwässern. Schlimmstenfalls heben die Handelskosten den Mehrertrag sogar auf. Das Risiko-Rendite-Profil lässt sich durch leichte Über- und Untergewichte gegenüber der Ausgangsallokation jedoch signifikant verbessern. Entscheidend dabei ist, die Diversifikation zu jedem Zeitpunkt hoch zu halten und weiterhin in einem breiten Faktor-Portfolio investiert zu bleiben.

Aktuelle Marktsignale versus Prognosen auf Basis historischer Daten – was ist für die Anlagestrategie wichtiger?

Doser: Die Anlagestrategie sollte intuitive und ökonomisch robuste Signale nutzen. Sie sollte nicht zu sehr auf Basis von Daten aus der Vergangenheit und den heutzutage weitreichenden statistischen Möglichkeiten optimieren. Denn das könnte die Out-of-Sample-Performance möglicherweise sogar schmälern.

Welche Signale könnten Investoren in Betracht ziehen?

Doser: Die Signale sollten eine hohe ökonomische Relevanz und einen intuitiven Zusammenhang zur relativen Faktor-Performance aufweisen. Wir bestimmen das derzeitige ökonomische Regime, die Bewertung der einzelnen Faktoren sowie deren gegenwärtige relative Stärke. Unser Research und auch die Live-Performance unserer Strategien zeigen, dass es alle Signale auf Einzelbasis erlauben, einen dynamischen Mehr-Return zu erzielen. Die besten Ergebnisse resultieren allerdings aus einem kombinierten und robusteren Gesamtsignal.

Auf welche Faktoren setzt BlackRock im derzeitigen Marktumfeld?

Doser: Da sich die Wirtschaft derzeit abkühlt, erscheint uns besonders der defensive Faktor Quality vorteilhaft: Quality-Aktien sind Papiere qualitativ hochwertiger Unternehmen mit gesunden Bilanzen, mit denen wir Portfolios momentan gern übergewichten. Zudem erscheint die relative Stärke von Quality-Papieren im Vergleich zu solchen, die auf andere Faktoren ausgerichtet sind, eher chancenreich.

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