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Neue Datenbank Faktorprämien sind ein ewiges Merkmal der Aktienmärkte

Guido Baltussen
Guido Baltussen: Leiter der Faktor-Investment-Strategien bei Robeco | Foto: Robeco

Schon Ende 1838 wurden in den Vereinigten Staaten über 300 Aktien gehandelt. Die New Yorker Börse (NYSE) wuchs schnell und hatte im Jahr 1867 etwa 200 Mitglieder und einen Jahresumsatz von über drei Milliarden Dollar. Vor allem wohlhabende Privatpersonen, aber auch Banken, Versicherungsgesellschaften, Kleinanleger und Investmentgesellschaften tummelten sich auf dem jungen US-Aktienmarkt, der zwischen den frühen 1880er- und den späten 1920er-Jahren ein rasantes Wachstum erlebte.

Ausgehend vom jungen US-Aktienmarkt haben wir eine neuartige Datenbank mit Aktienkursen, Dividendenrenditen und Marktkapitalisierungen für 1.488 wichtige US-Aktien für den Zeitraum von 1866 bis 1926 aufgebaut. Dafür wurden Marktkapitalisierungsdaten manuell erfasst, die Qualität aller Inputs wurde aufwendig kontrolliert sowie um Delistings von Aktien und Aktiensplits bereinigt und angepasst. Dies geschah unter anderem auch mittels digitalisierter Versionen von Finanzzeitschriften. Eines unserer Ziele dabei war, einem akademischen Problem auf die Spur zu gehen. Aber der Reihe nach.

Wie aussagekräftig sind Stichproben?

Während der vergangenen Dekaden wurden in der Literatur zur Preisbildung bei Anlagen zahlreiche Aktienfaktoren wie Low-Risk, Momentum und Value entdeckt, mit denen sich erklären lässt, warum Unterschiede in Aktienrenditen innerhalb von Sektoren auftreten. Die zugrundeliegenden empirischen Belege stammen zum größten Teil aus der Datenbank des Center for Research in Security Prices (CRSP), in der die Preise von US-Aktien einschließlich Renditen seit dem Jahr 1926 verzeichnet sind.


Da dieser Stichprobenzeitraum bereits so intensiv analysiert wurde, warnen jedoch viele Experten: Zahlreiche Faktoren, die innerhalb einer Stichprobe wichtig aussehen, könnten außerhalb der Stichprobe weniger Aussagekraft haben oder sogar überhaupt nicht relevant bleiben. Die Herausforderung scheinbar durch P-Hacking verzerrter Ergebnisse lässt sich nur durch eine unabhängige, ausreichend große Datenbasis umgehen, mit der sich Ergebnisse außerhalb der Stichprobe überprüfen lassen.

Neue Datenbank ermöglicht unabhängige Tests

Die neue Datenbank schafft neue Möglichkeiten für unabhängige Tests, die zu einem besseren Verständnis von Renditetreibern von Aktienkursen führen. Wir haben die Daten genutzt, um einen Querschnitt von Aktienrenditen in den USA während der Zeit vor dem CRSP-Intervall zu untersuchen und uns dabei auf gut dokumentierte Aktieneigenschaften wie Beta, Momentum, kurzfristige Trendumkehr, Size und Value (Dividendenrendite) konzentriert.

Der neue Stichprobenzeitraum ist ungefähr so lang wie derjenige, der in den bisherigen CRSP-Untersuchungen genutzt wurde und umfasst einen wirtschaftlich interessanten Zeitraum ohne Abhängigkeit von bekannten Datensätzen. Diese Ära zeichnete sich durch starkes Wirtschaftswachstum und eine rapide industrielle Entwicklung aus, mit der die Grundlage für die dominante Stellung der US-Wirtschaft gelegt wurde. Der US-Aktienmarkt leistete in dieser Phase einen entscheidenden Beitrag für das wirtschaftliche Wachstum und die Finanzierung wichtiger Innovationen.

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