Falsche Vorhersage

Star-Analystin legt mit eigenem Hedgefonds Bruchlandung hin

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Ihr so genannter American Revival Fund hatte im November 2013 damit begonnen, in Aktien aus dem geografischen Zentrum der USA zu investieren. In einem Buch und im Fernsehen sagte Whitney damals für diese Region einen Boom voraus. Zwar entwickelten sich Teile der Gegend gut. Doch Whitney lag mit einigen ihrer Wetten daneben - etwa mit der auf einen Einzelhändler aus Texas, der Matratzen und Elektronik auf Pump verkauft.

Im vergangenen Oktober befand sich ihr Fonds auf dem besten Wege, den achten Monatsverlust des Jahres zu verzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt verlangte ihr wichtigster Unterstützer - ein Fonds aus dem Reich des Milliardärs Michael Platt - sein Geld zurück. Whitneys Firma sagte nein.

Whitneys Büros in New York werden inzwischen zur Miete angeboten, ihre beiden wichtigsten Manager sind von Bord gegangen und Platts Fonds reichte im Dezember eine Klage ein, um seine 46 Millionen Dollar (38,9 Millionen Euro) zu bekommen.

Eine informierte Person berichtet, Whitneys Debüt-Fonds sei unter anderem deshalb aus dem Ruder gelaufen, weil sie ihn ohne einen Stab von Analysten gestartet habe, der ihr bei der Auswahl der Investments hätte helfen können. Und weil sie sich zu sehr auf das Geld eines einzigen Investors verlassen habe.

Robert Whitelaw, Chairman der Finanz-Fakultät an der Stern School of Business, meinte, dass ein erfolgreicher Fonds mehr als nur eine interessante Investment-These braucht. „Selbst wenn man die richtige Story hat, dreht sich doch eine Menge um das richtige Timing”, sagt er.

Die heute 45-Jährige Whitney war eine Banken-Analystin, als sie 2007 mit ihrer richtigen Prognose, Citigroup werde die Dividende kürzen müssen, zum Star wurde. Sie landete sogar auf dem Titel des Fortune-Magazins.

Bei einer Konferenz soll sie nach den Worten eines Teilnehmers die Gründung ihres Hedgefonds unter anderem damit begründet haben, dass sie keine Lust mehr darauf habe, dass andere von ihren Ideen profitieren.

Eine Präsentation ihres Hedgefonds nennt 16 Bundesstaaten aus dem Zentrum der USA, deren Wachstum mit Blick auf ein Jahrzehnt doppelt so stark ausfallen werde wie das Wachstum im Land insgesamt.

Unternehmen aus diesen Staaten, die im Russell 2000 Index enthalten sind, haben sich in den ersten 14 Monaten nach der Gründung der Firma allerdings in etwa genauso entwickelt wie der Index insgesamt - mit einem Anstieg von nahezu zehn Prozent, belegen Bloomberg-Daten.

American Revival hatte die ersten beiden Monate mit einem Plus von rund vier Prozent beendet, erfuhr Bloomberg News aus informierten Kreisen. Dahinter habe ein 30-prozentiger Kurs-Anstieg des texanischen Einzelhändlers Conn’s gestanden. Bis zum darauffolgenden Juni konnte Whitneys Firma aber keinen weiteren Monatsgewinn mehr ausweisen. Die Aktie von Conn war bis dahin im Jahresverlauf um rund 40 Prozent eingebrochen. Viele Kredite an Kunden hatten sich als Fehlschlag entpuppt. Whitneys Fonds verlor mit der Wette auf das Unternehmen mehr als zwei Millionen Dollar (1,7 Millionen Euro), hieß es aus den Kreisen.

Den Informationen zufolge gab es zudem Verluste im Volumen von jeweils mehreren hunderttausend Dollar mit den Aktien von Cullen/Frost Bankers aus Texas und Home Bancshares aus Arkansas. Beide Titel hatten im vergangenen Jahr Verluste verzeichnen müssen.

Whitney stand für Rückfragen nicht zur Verfügung. Ihr Anwalt Stanley S. Arkin wies darauf hin, dass viele neue Fonds-Manager Probleme beim Start hätten. Die Marktschwünge im vergangenen Jahr seien nur von wenigen Investoren richtig prognostiziert worden. Arkin ist sich sicher: „Meredith ist jemand, der nicht davonläuft und nicht den Kopf in den Sand steckt.”

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