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in RisikomanagementLesedauer: 4 Minuten

Familienvermögen Erhalten statt ex-und-hopp

Anstoßen
Anstoßen im Familienkreis | Foto: Imago images / Zoonar II

Nicht immer läuft es in der Familie so wie gewünscht – und oft treibt diejenigen, die das Vermögen erarbeitet haben, eine Angst um: Wie schütze ich das Vermögen davor, nach mir in Windeseile verprasst zu werden oder dass plötzlich auftauchende falsche „Freunde“ meine Erben ausnehmen?

Aber um es direkt zu sagen: Ein Steuersparmodell ist die Familienstiftung nicht. Im Gegensatz zur gemeinnützigen Stiftung verfolgt sie einen privatnützigen und damit nicht steuerbegünstigten Zweck. Sie dient vielmehr dem Erhalt des Familienvermögens und vor allem der wirtschaftlichen Absicherung der Familienmitglieder.

 

 

 

Sichern statt (ver-)sickern

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein Ehepaar hat in vielen Jahrzehnten unternehmerischer Tätigkeit ein Vermögen mit Immobilien und Wertpapieren in Höhe von zehn Millionen Euro erwirtschaftet. Als Erbe kommt die Tochter in Frage, die noch minderjährig ist. Ihr bisheriger Lebenswandel entspricht nicht zu 100 Prozent den Vorstellungen des Ehepaares. Zudem gibt es noch einen Sohn aus der ersten Ehe des Mannes, zu dem ein von ständigen Konflikten geprägtes Verhältnis besteht. Bei beiden treibt das Ehepaar die Sorge um, dass im Falle ihres Todes das Vermögen schnell schwindet und in falsche Hände gerät. 

Hier kann die Gründung einer Familienstiftung sinnvoll sein: In einem Stiftungskonzept legt das Ehepaar fest, welchem Zweck die Stiftung dienen soll – also zum Beispiel die Zahlung einer monatlichen, unterschiedlichen Rate an Sohn und Tochter. Gegebenenfalls können weitere Personen oder Institutionen, wie gemeinnützige Vereinigungen, bedacht werden. Zudem wird das Anlagekonzept definiert.

Organe der Stiftung

Das Ehepaar kann zunächst sich selbst und nach dessen Tod eine vorab festgelegte entsprechende Vertrauensperson als Vorstand der Stiftung einsetzen. Neben dem Vorstand kann ein Beirat eingesetzt werden, der die Arbeit des Vorstandes kontrolliert. Die Stiftung wird bei der Gründung mit einem Teil des Vermögens des Paares, zum Beispiel einem Mehrfamilienhaus im Wert von 1,5 Millionen Euro und einem Wertpapierdepot in Höhe von 3 Million Euro ausgestattet.

Dies ist ein steuerpflichtiger Vorgang: Die Schenkung in die Stiftung wird hier mit dem Steuersatz des weitentferntesten Begünstigten (also hier Tochter und Sohn, also Steuerklasse 2) belegt. Der zum Start der Stiftung eingebrachte Betrag muss gut überlegt sein, da diese steuerliche Begünstigung nur im Falle der Erstausstattung der Stiftung gilt. Spätere Zustiftungen fallen generell in die höhere Steuerklasse 3. Das Stiftungsgeschäft wird mit einer verbindlichen Erklärung des Stifters begründet und anschließend von der Stiftungsbehörde anerkannt. 

Erhalt des Vermögens

Wichtig ist, dass das Stiftungsvermögen zwingend erhalten werden muss; hier unterscheidet es sich nicht von den gemeinnützigen Stiftungen. Leer ausgehen möchte der Staat darüber hinaus auch nicht: Alle dreißig Jahre fällt eine Erbersatzsteuer an; die Ausschüttungen an die Begünstigten werden mit der Einkommensteuer belegt.

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Nicht allein loslegen, sondern Berater einschalten

Die Einrichtung einer Familienstiftung sollte gut überlegt werden. Ratsam, wenn nicht sogar dringend erforderlich, ist die Einschaltung von juristischen Beratern oder Kanzleien, um Fehler zu vermeiden, die nachher teuer werden oder dann doch eben zu großen Streitigkeiten führen.  Neben den Vorteilen der Sicherung des Familienvermögens, Vermeidung von Erbstreitigkeiten, Absicherung der Erben und Umsetzung des Willens der Stifter ist zu beachten, dass die Einbringung des Vermögens unwiderruflich ist. Der neue Porsche oder die Ferienwohnung auf Ibiza kann dann eben nicht von den „Erben“ aus dem Vermögen erworben werden.  

Aber vielleicht ist es ja genau das, was das Ehepaar vermeiden möchte…

 


Über den Autor:

Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied der MPF. Als Vorstandssprecher ist er für die Kundenakquisition und -betreuung sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die MPF AG gehört mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Milliarden Euro zu den größten unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland. 

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