Anissa Brinkhoff: Lass uns einen Einblick in deine Lebenssituation nehmen. Wie lebst du in Hamburg und mit wem?
Kristina Craig: Ich lebe mit meinem Mann und meinen drei Kindern in Hamburg Nord. Unsere Kinder sind zwölf, neun und sechs Jahre alt. Wir wohnen in einem gemütlichen Einfamilienhaus zur Miete und fühlen uns dort sehr wohl.
Anissa Brinkhoff: Du hast erwähnt, dass zwei deiner Kinder nicht in Deutschland geboren wurden. Ihr habt also eine internationale Herkunft?
Kristina Craig: Genau. Mein Mann ist Amerikaner und wir haben lange Zeit in den USA gewohnt. Die ersten beiden Kinder wurden tatsächlich dort geboren, während das dritte hier in Hamburg zur Welt kam.
Anissa Brinkhoff: Erzähl uns, wie ihr euch die Aufgaben in Bezug auf die Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit aufteilt. Mit drei Kindern zu Hause muss es sicherlich turbulent sein, oder?
Kristina Craig: Ja, das stimmt. Tatsächlich haben wir im Laufe der Zeit verschiedene Varianten ausprobiert. Beim ersten Kind haben wir uns eine Nanny mit einer anderen Familie geteilt, also eine Tagesmutter. Das war finanziell eine kluge Entscheidung, da wir die Kosten mit der anderen Familie teilen konnten. Gleichzeitig hatte mein Sohn dort auch ein gleichaltriges Kind zum Spielen. So konnte ich beruhigt zur Arbeit gehen und in Vollzeit meinen Job wieder aufnehmen.
Karriere und Mutterschaft – warum nicht beides gleich priorisieren?
Anissa Brinkhoff: Wie war es denn bei deinen anderen beiden Kindern?
Kristina Craig: Bei meinen anderen beiden Kindern haben wir uns tatsächlich dafür entschieden, allein für uns eine Nanny einzustellen. Dabei muss ich sagen, dass ich im Grunde genommen gearbeitet habe, um die Kosten für die Nanny zu decken. Es klingt vielleicht verrückt, aber man muss sich wirklich überlegen, ob es das wert ist. Was möchte man selbst? Für mich war es immer wichtig, im Beruf zu bleiben.
Ich wollte sowohl meine Karriere vorantreiben als auch eine Mutter sein. Die Balance zwischen beiden Aspekten zu finden, war manchmal eine echte Herausforderung.
Anissa Brinkhoff: Habt ihr euch vor der Familiengründung finanzielle Gedanken gemacht? Habt ihr etwas durchgerechnet oder einen Plan erstellt?
Kristina Craig: Ehrlich gesagt, ich persönlich nicht. Mein Mann dagegen schon eher. Er ist eher der Planer und macht sich Gedanken über unsere finanzielle Situation und wie wir uns das leisten können. Für mich war es immer so, dass ich Kinder haben wollte und die finanzielle Situation war dann so, dass ich dachte, wir werden das schon irgendwie hinkriegen.
Anissa Brinkhoff: Das ist wirklich wichtig zu betonen. Es geht nicht nur darum, die finanzielle Situation für die ersten Monate oder das erste Jahr zu planen, sondern auch darüber hinaus. Was passiert mit der Betreuung und wie sieht es mit dem Einkommen aus? Ich kann gut verstehen, was du sagst. Man möchte weiterarbeiten, auch wenn es nicht unbedingt um die Karriere geht. Es ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit, im Beruf präsent zu sein, Anerkennung zu bekommen, zu wachsen und sich weiterzubilden, oder?
Kristina Craig: Genau. Ich glaube, Frauen machen sich viele Gedanken darüber. Wenn man sich zum Beispiel auf eine bestimmte Position bewirbt, überlegt man schon, wann es am besten passen könnte und wie es sich in die eigene Planung einfügt. In meinen Zwanzigern habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, Kinder zu bekommen. Aber irgendwann Anfang 30 denkt man dann, jetzt ist es an der Zeit. Vielleicht bietet sich auch die Möglichkeit eines Jobwechsels oder einer höheren Position. Man trifft diese Entscheidungen und plant für die Zukunft, auch wenn man es noch nicht mit dem Arbeitgeber geteilt hat. Ich habe immer gedacht, dass ich das trotzdem möchte.
Ausgaben hinterfragen: Wofür zahlen Eltern wirklich?
Anissa Brinkhoff: Das Statistische Bundesamt schätzt die Erstausstattungskosten für ein Kind auf etwa 2.000 bis 4.000 Euro, je nachdem, ob man gebrauchte Artikel kauft, Dinge geliehen oder geschenkt bekommt, usw. Das klingt für mich so, als ob man vor der Familienplanung schon etwas Geld zurücklegen sollte. Denn allein 2.000 bis 4.000 Euro aufzubringen, ist nicht gerade einfach, oder?
Kristina Craig: Ja, das ist die Frage, wofür? Wenn man zum Beispiel ein Kinderzimmer einrichtet, muss man es streichen und neue Möbel kaufen. Dabei muss ich sagen, dass sich viele Menschen freuen, wenn ein Baby unterwegs ist, und gerne bereit sind, Dinge zu kaufen oder zu schenken. Man kennt vielleicht jemanden, der gerade ein Babybett hat, das nicht mehr benötigt wird. Diese Dinge werden oft in sehr gutem Zustand weitergegeben. Also ja, es gibt Möglichkeiten. Ich habe persönlich nicht darauf gespart.
Anissa Brinkhoff: Gab es für dich bestimmte Kosten oder Ausgaben, die dich wirklich geschockt oder überrascht haben? Vielleicht auch während des Umzugs von einem Land ins andere? Gab es etwas, wo du dachtest: "Können wir uns das überhaupt leisten?"
Kristina Craig: Was mich in Amerika wirklich überrascht hat, waren die Kosten für Schule und Kindertagesstätten. Dort macht man sich viel früher Gedanken darüber und muss möglicherweise sogar umziehen, um in einem Bezirk mit guten Schulen zu sein. Das führt dann wieder zu höheren Hauskosten.
Hier in Deutschland muss ich sagen, wahrscheinlich auch, weil es mein drittes Kind war, war ich relativ entspannt und es gab keine Kosten, die mich wirklich überrascht haben.
Anissa Brinkhoff: Aber das gibt es ja auch hier in Deutschland. In einigen Bundesländern fallen noch keine Kitagebühren an. Ich habe Freunde, die darüber nachdenken, aus beruflichen Gründen nach Niedersachsen zu ziehen, weil die Mieten dort günstiger sind als in Hamburg. Aber dann müssen sie Kita-Gebühren zahlen. Die 300 oder 400 Euro, die sie bei der Miete einsparen, geben sie dann direkt für die Kita aus.
Kristina Craig: Genau. Ich habe auch eine Kollegin in Nordrhein-Westfalen, die nicht mehr arbeiten konnte, weil sie keinen Kita-Platz bekommen hat und der Kita-Platz auch sehr teuer gewesen wäre. Dann stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, in Teilzeit zu arbeiten. Das sollte eigentlich nicht sein.
Wir hatten Glück. Als wir 2014 nach Hamburg zurückgekehrt sind, wurden gerade die fünf Stunden kostenlose Kita eingeführt. Also das war für uns sehr hilfreich.
Anissa Brinkhoff: Ihr habt da jetzt drei Kinder, das heißt, ihr macht das alles schon ein bisschen länger und habt auch ein nicht ganz herkömmliches Berufsmodell mit dir als Hauptverdienerin und deinem Mann, der in Teilzeit ist. Wie hat sich das verändert und wie kam das an, dass ihr so ein Familienmodell lebt?
Kristina Craig: Wenn ich mit Freundinnen spreche, dann möchte ich meinen, dass man eigentlich modern denkt. Ja, jeder Mann kann auch zu Hause sein. Aber in der Realität wurde ich tatsächlich oft darauf angesprochen, besonders nach dem dritten Kind, als alle im Beruf mitbekommen haben, dass ich ein Kind bekommen habe und nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeitete. Da hieß es dann: "Du bist jetzt wieder Vollzeit da, aber er kümmert sich um die Kinder?"
Bei meinem Mann ist es so, dass es immer davon abhängt. Einige Frauen oder Mütter finden es sehr gut, dass er sich um die Kinder kümmert. Andere denken, sie müssten ihm helfen, weil er ein Mann ist und möglicherweise nicht weiß, welche Mütze im Winter zu tragen ist. Es gibt also durchaus Vorurteile und belehrende Kommentare, obwohl er diese Aufgaben schon seit Jahren erledigt und die Kinder gut kennt und weiß, was sie brauchen oder nicht.
Kommunikation, Planung und Flexibilität sind der Schlüssel zum Family-Erfolg
Anissa Brinkhoff: Wie plant ihr denn finanziell in die Zukunft? Je nachdem, was eure Kinder mal machen wollen, wenn sie vielleicht studieren möchten.
Kristina Craig: Mich überrascht, dass diese 148.000 Euro nur bis zum 18. Lebensjahr gelten. Denn ich denke, es wird noch viel teurer. Wie gesagt, ich plane eher weniger. Mein Mann macht sich da mehr Gedanken, da er in Teilzeit arbeitet. Er muss sehen, ob er ausreichend für die Rente einzahlt und wie wir finanziell über die Runden kommen. Wie du bereits gesagt hast, sparen wir an teuren Urlauben und überlegen uns genau, was wir uns leisten wollen. Verzicht ist definitiv etwas, das ich früh gelernt habe. Denn auch ohne Kinder hätte ich das Geld wahrscheinlich irgendwie ausgegeben.
Zum Beispiel kaufe ich mir keinen Kaffee mehr unterwegs, sondern mache ihn zu Hause. Dadurch spare ich wahrscheinlich 6 Euro pro Tag, da ich zwei Kaffees trinke. Oder wir gehen nicht so oft essen, denn mit drei Kindern macht das nicht wirklich viel Spaß.
Anissa Brinkhoff: Welche Finanzfragen hättest du gerne früher gestellt oder über was hättest du dir gerne früher Gedanken gemacht, was du den Hörerinnen jetzt mitgeben könntest?
Kristina Craig: Ich denke an all die Freizeitaktivitäten. Gerade bei drei Kindern, die in verschiedenen Clubs sind oder verschiedene Hobbys haben, entstehen viele Kosten, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Man muss Mitgliedschaften bezahlen, zum Beispiel Jahresbeiträge für einen Club oder den Gitarrenlehrer eines Kindes. Wir möchten unseren Kindern alles ermöglichen und ihre Interessen fördern, denn das gehört zur Erziehung dazu. Aber das kann tatsächlich einiges kosten.
Anissa Brinkhoff: Findest du denn, dass Familien in Deutschland ausreichend gefördert werden?
Kristina Craig: Ich glaube, es kann immer mehr sein, gerade in Bezug auf unser Familienmodell oder auch andere Modelle, bei denen die Frau in Teilzeit arbeitet. Denn da fehlt das Geld, und diese unbezahlte Zeit wird nicht berücksichtigt. Wenn ich nur 20 Stunden arbeite, was ich auch eine kurze Zeit gemacht habe, bin ich die anderen 20 Stunden, die ich normalerweise arbeiten würde, für die Kinder da. Das ist ebenfalls Arbeit, eine andere Form der Arbeitszeit, unbezahlte Care-Arbeit. Ich glaube, es sollte mehr Ausgleich geben oder Möglichkeiten, wie beispielsweise durch ausreichende Kita-Plätze, damit die Frau eine einfachere Entscheidung treffen kann.
Anissa Brinkhoff: Welche finanziellen Unterstützungen habt ihr in Deutschland genutzt? Wofür seid ihr dem Staat dankbar?
Kristina Craig: Das Elterngeld war eine großartige Unterstützung für uns. Es hat es mir ermöglicht, ein Jahr frei zu nehmen, auch wenn "frei" nicht das richtige Wort ist (lacht). Außerdem ist das Kindergeld eine große Hilfe, denn in anderen Ländern gibt es so etwas nicht, zum Beispiel in Amerika. Es entlastet uns finanziell, besonders wenn man bedenkt, was man pro Kind monatlich bekommt, wenn man den Statistiken glaubt. Es ist definitiv ein Zuschuss. Auf jeden Fall.
Anissa Brinkhoff: Wenn andere Frauen oder Familien, die auch in der Planung sind oder vielleicht gerade schwanger sind, das hören, welche Gespräche würdest du ihnen empfehlen, zu führen? Vielleicht auch untereinander, in der Familie oder Partnerschaft?
Kristina Craig: Ich denke, es ist sehr wichtig, solche Themen im Voraus zu klären. Wir haben auch Freunde, die sich die Aufgaben teilen. Beide arbeiten zum Beispiel 70 Prozent. Ich finde das sehr wichtig. Ich kenne aber auch Paare, bei denen der Mann sagt, er könne sich das gar nicht vorstellen. Das sind jedoch Fragen, die man im Vorfeld klären sollte, denn wenn das Kind erst einmal da ist und beide wieder arbeiten wollen, ist das auch möglich. Es gibt Möglichkeiten wie Tagesmütter, die das ermöglichen. Aber man sollte vorher darüber sprechen und die Standpunkte des anderen verstehen. Man kann das nicht hundertprozentig sagen, bis das Kind tatsächlich da ist, denn bis dahin ist es nur Theorie.
Und dann muss man sehen, welche Art von Mutter man sein möchte, ob man für das Kind da sein möchte. Es gibt viele, die das voll und ganz wollen und das ist auch in Ordnung. Aber wenn man wieder in das Berufsleben einsteigen möchte, dann sollte man auch darüber nachdenken und mit dem Chef oder Arbeitgeber darüber sprechen, wie man sich das vorstellt.
Dies war ein Auszug aus dem Interview mit Kristina Craig. Das komplette Gespräch hörst du im Podcast 🤓🎙️
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