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Umfrage von Visualvest Fast jeder dritte Deutsche weiß nichts von Negativzinsen

Fußgängerzone in München
Fußgängerzone in München: Das Buzz-Wort der Finanzbranche "Negativzinsen" ist vielen Deutschen kein Begriff. | Foto: imago images / Alexander Pohl

Negativzinsen – was bitte ist das? Eine Umfrage im Auftrag des Robo-Advisors von Union Investment, Visualvest, zeigt: Fast jeder dritte Deutsche kann mit dem Finanz-Signalbegriff Negativzinsen, auch Strafzinsen genannt, nichts anfangen. Die Wissenslücke zeigte sich in der von Yougov durchgeführten Befragung vor allem bei jungen und bei weiblichen Sparern. So gaben 43 Prozent der 18- bis 34-Jährigen und 41 Prozent der weiblichen Befragten an, die Bedeutung von Negativzinsen nicht zu kennen. Von den Männern räumten 19 Prozent ein, nicht zu wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Nach einer Aufklärung über das Wesen von Negativzinsen vermochten 27 Prozent weiterhin nicht zuzuordnen, ob sie bereits Negativzinsen bei ihrer Bank zahlten oder nicht. 14 Prozent wussten, dass ihre Bank negative Zinsen erhebt oder dies zumindest angekündigt hat.

Als Anlass, ihr Geld anders anzulegen, nehmen das allerdings nur wenige: Wie sie reagieren würden, wenn auf ihre Geldeinlagen Strafzinsen fällig würden? Fast drei von vier Befragten (72 Prozent) würde in dem Fall die Bank wechseln – oder das Geld einfach auf mehrere Konten verteilen, um die Summen niedrig zu halten. Strafzinsen werden meist erst ab einem bestimmten Betrag fällig – in der Regel ab 100.000 Euro, mitunter sind es jedoch auch 50.000 oder bereits 25.000 Euro.

16 Prozent der Befragten würden das Problem auch einfach aussitzen: Sie würden dann eben Negativzinsen bezahlen. Aber warum? Ein Bankwechsel sei zu umständlich, lautet der Hauptgrund. Außerdem fallen vielen Sparern schlicht keine Alternativen ein. Nur 18 Prozent der Befragten würden das auf dem Girokonto geparkte Geld vollständig oder teilweise in Wertpapiere investieren, ergab die Umfrage.

Die Aussicht, unter Umständen Strafzinsen zahlen zu müssen, schmeckt den meisten Deutschen dennoch nicht. 59 Prozent der Befragten befürchten, dass das ihr Erspartes schmälere. 65 Prozent werden beim Gedanken an Strafzinsen regelrecht wütend. Immerhin 14 Prozent äußern jedoch auch Verständnis, dass Banken die negativen Zinsen, die sie selbst der Europäischen Zentralbank leisten müssten, an ihre Kunden weitergeben.

Insgesamt sind hiesigen Sparern laut der Visualvest-Umfrage vor allem drei Aspekte wichtig: schnelle Verfügbarkeit des Geldes, hohe Sicherheit und niedrige Kosten.       

An der Befragunge nahmen 2.055 hiesige Erwachsene teil. Die Ergebnisse seien repräsentativ, heißt es von Visualvest.

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