Geldanlage in Deutschland entwickelt sich zur Generationenfrage. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Barmenia Gothaer, die der Versicherer gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt hat. Befragt wurden rund 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Junge setzen auf Fonds und ETFs, Ältere auf Klassiker

Unter den 18- bis 29-Jährigen investieren laut der Studie 46 Prozent in Fonds (einschließlich ETFs) – deutlich mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt, wo der Fondsanteil seit 2018 um 18 Prozentpunkte auf 38 Prozent gestiegen ist. Ähnlich stark legte die Aktienanlage zu: plus 17 Prozentpunkte auf 35 Prozent.

Besonders dynamisch verlief die Entwicklung bei ETFs. Hatte 2018 nur rund jeder zehnte Fondsanleger ETFs im Portfolio, stieg der Anteil bis 2024 auf 33 Prozent – und liegt 2026 bereits bei jedem Zweiten. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozentpunkten allein gegenüber 2024.

Mit steigendem Alter sinkt der Anteil aktiver Fonds und ETFs im Altersvorsorge-Depot. So haben immerhin 43 Prozent der 30- bis 44-Jährigen Fondsanlagen im Portfolio. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind das 40 Prozent, bei Befragten ab 60 nur noch 30 Prozent.

Fondsstudie
 Bildquelle: Barmenia Gothaer

Ältere Befragte bevorzugen hingegen klassische Anlageformen wie Immobilien, Lebensversicherungen sowie Fest- und Tagesgeld, insbesondere die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen. Auffällig ist der Generationenunterschied auch bei Kryptowährungen: Während 19 Prozent der unter 30-Jährigen in Bitcoin und Co. investieren, sind es bei den über 60-Jährigen lediglich 2 Prozent.

Sicherheit bleibt generationenübergreifend das wichtigste Kriterium

Trotz der unterschiedlichen Produktpräferenzen eint alle Altersgruppen ein hohes Sicherheitsbedürfnis: 47 Prozent der Befragten nennen Sicherheit als wichtigsten Aspekt der Geldanlage – deutlich vor Flexibilität (26 Prozent) und Rendite (13 Prozent).

Im Detail zeigen sich jedoch Unterschiede: Für 19 Prozent der unter 30-Jährigen hat Rendite oberste Priorität, bei den über 60-Jährigen sind es nur 8 Prozent. Umgekehrt messen Ältere der freien Verfügbarkeit ihres Geldes größere Bedeutung bei: 29 Prozent der über 60-Jährigen nennen Flexibilität als wichtigsten Faktor, gegenüber 23 Prozent bei den unter 30-Jährigen.

„Geldanlage ist eng mit der jeweiligen Lebensphase verknüpft“, sagt Anton Buchhart, Vorstand der Barmenia Gothaer Asset Management. „Jüngere Menschen sind tendenziell stärker wachstumsorientiert und nutzen neue Anlageformen. Mit zunehmendem Alter gewinnt Flexibilität stärker an Bedeutung.“

Nachhaltigkeit: Thema vor allem für junge Anleger

Beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich der Generationenunterschied besonders deutlich. 67 Prozent der unter 30-Jährigen bewerten Nachhaltigkeit bei der Geldanlage als eher oder sehr wichtig – mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es nur 44 Prozent.

Zudem sind 65 Prozent der unter 30-Jährigen bereit, für nachhaltige Investments auf Rendite zu verzichten; im Gesamtdurchschnitt gilt das für 51 Prozent der Befragten.

Plattform statt Filiale: Digitale Kanäle auf dem Vormarsch

Auch die Zugangswege zur Geldanlage unterscheiden sich je nach Generation deutlich. Bei den 18- bis 29-Jährigen nutzen 43 Prozent digitale Plattformen, 31 Prozent Online-Broker. In der Altersgruppe ab 60 Jahren bleibt die Bank mit 70 Prozent der meistgenutzte Kanal.

Anlagewege
Bildquelle: Barmenia Gothaer

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Wege zur Geldanlage deutlich unterscheiden“, sagt Buchhart. „Digitale Angebote erleichtern den Einstieg, persönliche Beratung bleibt jedoch insbesondere bei langfristigen Entscheidungen ein wichtiger Faktor.“

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein hybrides Modell aus digitalen Lösungen und persönlicher Beratung an Bedeutung. „Die Zukunft der Geldanlage ist kein Entweder-oder“, so Buchhart. „Digitale Zugänge schaffen Transparenz, persönliche Beratung sorgt für Orientierung.“