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„Fed betreibt Schadensbegrenzung“ Das sagen Finanzprofis zum US-Zinsentscheid

US-Notenbankchef Jerome Powell auf der Pressekonferenz am 30. Januar 2019
US-Notenbankchef Jerome Powell auf der Pressekonferenz am 30. Januar 2019 | Foto: Getty Images

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Degussa

Erinnern wir uns: Wenige Tage nach der FOMC-Sitzung am 19. Dezember 2019, auf der die Fed den Zins um 0,25 Prozentpunkte erhöht hatte, war Jerome H. Powell bemüht, den Märkten zu versichern, die Notenbank werde fortan „geduldig“ sein und die Zinsschraube nicht zu stark anziehen; sie werde die Interessen der Finanzmärkte berücksichtigen.

Am 30. Januar 2019 wiederholt die Fed genau das: Dass sie „geduldig“ sei bei der Veränderung ihres Leitzinses. Zwar lässt sie sich damit noch ein Fenster für künftig weiterer Zinserhöhungen offen, doch de facto ist sie in eine „Zinserhöhungspause“ eingetreten, aus der sie vermutlich nicht mehr zu weiteren Zinserhöhungen wird schreiten können.

Unsere Interpretation: Die Fed verabschiedet sich behutsam von ihrer Zinserhöhungspolitik – in der Erkenntnis, dass die US-Konjunktur, die Kreditmärkte und vor allem auch die Vermögenspreise Schaden nehmen, sollten die Zinsen noch weiter erhöht werden. Die Rückkehr zu „normalen“ Zinshöhen rückt damit in weite Ferne.

Zumal der Fed-Chef auf der Pressekonferenz auf eine Journalistenfrage erklärte, der Fed-Leitzins sei nun mehr oder weniger auf seinem „natürlichen Niveau“ angelangt – und das ist im Grunde als eine ganz ausdrückliche Absage an noch höhere Leitzinsen zu deuten. Auch der Hinweis der Fed, sie werde bei Bedarf ihre Bilanzschrumpfung überdenken, stützt das. 

Es scheint uns sehr wahrscheinlich, dass mit dem Ende des Zinserhöhungszyklus nicht nur Aktienkurse und Häuserpreise „Rückenwind“ erhalten – die Vermögenspreisinflation also weitergeht –, sondern dass insbesondere auch der Goldpreis (in USD/oz) anziehen wird. Denn die Fortführung einer expansiven Geldpolitik der Fed birgt erhebliche Probleme.

Zwar stützt sie Konjunkturen und Finanzmärkte, aber es sie sorgt auch für Ungleichgewichte. Die Volkswirtschaften werden immer abhängiger von niedrigen Zinsen und einem Anschwellen der Kredit- und Geldmengen. Im Kern kommt die Fed-Geldpolitik einer Inflationspolitik gleich, die bislang im Wesentlichen auf die Vermögensmärkte beschränkt ist.

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe

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