Fed-Chef Jerome Powell Foto: imago images / ZUMA Wire

Fed richtet Strategie neu aus

Eher Stagflation als nur Inflation

Seit der Konferenz in Jackson Hole im August setzt die US-Notenbank Fed auf eine Adjustierung ihrer bisherigen Strategie, die sich bislang an den beiden Zielen der Vollbeschäftigung und einer Inflationsrate von gut 2 Prozent orientiert hat. Hintergrund ist, dass zwar vor der Corona-Krise die Arbeitslosenquote auf ein Rekordtief gefallen ist, das Inflationsziel aber bereits seit Jahren kontinuierlich unterschritten wird und damit immer stärker die Glaubwürdigkeit und Geeignetheit der bisherigen Politikmaßnahmen in Frage stellt.

Um diesen Mangel zu heilen, will die Fed ab sofort die bisherige Zielverfehlung kompensieren, indem sie in Zukunft eine höhere Preissteigerung temporär tolerieren wird, um längerfristig die 2 Prozent- Schwelle auch wirklich zu erreichen. Wie lange diese Zeitspanne sein wird und ab welchem Inflationsniveau die Fed umschwenken wird, ist aktuell schwer zu beurteilen. Momentan geht der Trend allerdings deutlich in Richtung, eher später als früher zu reagieren.

Prinzipiell ist dieses Ziel entweder mit noch größeren Wertpapierkäufen (evtl. auch erstmalig inkl. Aktien) oder aber mit dem Versprechen, die Zinsen noch länger niedrig zu halten („lower for longer“), erreichbar. Die Fed hat sich auf ihrer September-Sitzung für die zweite, konservativere Option entschieden, aber gleichzeitig die Marktteilnehmer gewarnt, ihre Entschlossenheit nicht zu unterschätzen. Der alte Wahlspruch „Don‘t fight the Fed“ soll wieder uneingeschränkt gelten.

Gemäß dem aktuellen „Dot-Plot“, das die Einschätzung aller stimmberechtigten Fed-Mitglieder bezüglich des weiteren Verlaufs der Fed-Funds graphisch darstellt, wird die Nullzinsphase mindestens bis 2023 anhalten, weil die Inflationsrate vorher kaum deutlich über 2 Prozent ansteigen wird. Wie schnell die Fed dann eventuell gegensteuern wird, lässt sie bewusst offen. Die Inflationserwartungen werden sich aber in jedem Fall weiter nach oben bewegen.

Corona-Pandemie lässt Sparquote der privaten Haushalte steigen

Ob die Preisdynamik wirklich nachhaltig zunimmt, ist aber nicht zuletzt von dem Verhalten des amerikanischen Verbrauchers abhängig, der für fast drei Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung verantwortlich ist. Im Rahmen der Corona-Pandemie ist die Sparquote der privaten Haushalte sprunghaft angestiegen. Im Zuge der wieder zunehmenden Beschäftigung und der Überbrückungshilfen der US-Regierung (zuletzt 600 US-Dollar pro Woche) geht sie aber wieder sukzessive zurück, d.h. der private Verbrauch springt wieder an (vgl. Grafik 1). Allerdings hat die OECD jüngst davor gewarnt, dass die Sparquote zumindest solange auf einem erhöhten Niveau verbleiben wird, bis ein Impfstoff in großem Stil verfügbar ist.

Gleichzeitig ist das Volumen amerikanischer Geldmarktfonds auf über 4.500 Mrd. US-Dollar angeschwollen (vgl. Grafik 2). An Liquidität fehlt es also nicht. Allerdings muss diese nicht zwangsläufig in den privaten Verbrauch fließen, sondern wie in den letzten Jahren verstärkt in Aktien und Immobilien. Das freut den Asset-Manager und natürlich auch den Investor. Den Notenbanker aber weniger, weil er seinem Inflationsziel nicht wirklich näherkommen wird.

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