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Fed sorgt für Verwirrung und hohe Volatilität: Goldanalysten uneins über Zinsausblick

Fed sorgt für Verwirrung und hohe Volatilität

Goldanalysten uneins über Zinsausblick

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Immer stärker bezweifeln Marktteilnehmer, dass die Währungshüter der amerikanischen Notenbank noch in diesem Jahr die Zinsen anheben werden. Das sorgt für Verwirrung bei den Goldhändlern und -analysten. In einer Bloomberg-Erhebung zur künftigen Preisentwicklung des Edelmetalls rechnete die Hälfte der Teilnehmer mit dem dritten Jahresminus in Folge, während der Rest einen Anstieg erwartet.

Die zunehmende Ungewissheit über die Zinsentwicklung hat die Volatilität des Goldpreises in die Nähe eines Drei-Monats-Hochs getrieben. Hedgefonds haben die Orientierung verloren - in vier der vergangenen sieben Wochen lagen sie mit ihren Wetten auf die Tendenz der Preise daneben. Selbst die beiden Prognostiker, die im letzten Quartal die treffsichersten Vorhersagen machten, schätzen die Auswirkungen der Fed- Entscheidungen auf den Goldpreis unterschiedlich ein, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht.

Abwärtstrend wie seit 1997 nicht mehr

„Einige Leute werden schier verrückt vom Warten“, sagte Alan Gayle, leitender Stratege bei Ridge Worth Investments in Atlanta. „Die Beobachtung der Fed und die Mutmaßungen nehmen breiten Raum ein. Die Ungewissheit, die die nächsten Aktionen der Notenbank umgibt, macht es nicht eben einfach, Richtungsfaktoren für Gold zu benennen“, sagte er.

In den letzten fünf Quartalen ist der Goldpreis gefallen; einen Abwärtstrend von dieser Dauer gab es zuletzt 1997. Vor dem Hintergrund einer beschleunigten Konjunkturerholung in den USA und erhöhter Beschäftigung galt es bis vor kurzem als ausgemacht, dass die Fed ihre Ankündigungen wahrmachen und die Zinsen anheben werde. Doch im letzten Monat ist diese Gewissheit erschüttert worden. Am Mittwoch schloss der Goldpreis erstmals seit Mai über der 200-Tage-Linie.

Die Arbeitsmarktzahlen vom 2. Oktober enttäuschten die Erwartungen der Volkswirte und deuteten an, dass die Ausläufer der weltweiten Wirtschaftsflaute auch die USA erreichen. Auf seiner Sitzung vom 16./17. September verschob der Offenmarktausschuss der Fed die Zinswende- aus Sorge um das Wachstum, wie das Protokoll der Tagung zeigt. Mitte Oktober steuern Terminkontrakte für Gold in New York auf ihren größten Monatsgewinn seit Januar zu.

Analysten sind geteilter Meinung

21 der insgesamt 41 von Bloomberg befragten Analysten zwischen Sydney und New York rechnen für das Jahresende mit einem niedrigeren Goldpreis als Anfang Januar; der Rest erwartet ein Plus. Höhere Kreditkosten sorgen dafür, dass Gold weniger gut mit zinsbringenden Anlageklassen wie Anleihen mithalten kann. Eine straffere Geldpolitik stützt den Dollar und macht Edelmetalle als Alternative weniger attraktiv.

Der Goldpreis liegt derzeit in etwa da, wo er Ende Dezember war; die zwischenzeitlichen Verluste von rund 9 Prozent hat er aufgeholt. In den vorangegangenen zwei Jahren hatte Gold 29 Prozent an Wert verloren - die niedrige Inflation, ein stärkerer Dollar und eine Aktienrally erschütterten das Vertrauen einiger Investoren in Gold als Wertspeicher. Würde der Abwärtstrend sich bis zum Jahresende fortsetzen, wäre das die längste Minusstrecke seit 1998.

Das Abwarten der Fed entzweit die beiden treffsichersten Goldprognostiker des dritten Quartals. Gewiss: Robin Bhar von der Société Générale and Barnabas Gan von Oversea Chinese Banking sehen die Preisentwicklung übereinstimmend eher pessimistisch. Doch Gan sagt, Gold wird sich verteuern, wenn die Federal Reserve die Zinsen nicht erhöht, während Bhar auch dann mit einem fallenden Goldpreis rechnet, wenn die Fed länger als erwartet zögert.

Gan erwartet, dass der Goldpreis in den letzten drei Monaten des Jahres auf 1050 Dollar die Unze fällt. Die Vorhersage basiert auf der Annahme, dass die Fed entweder diesen Monat oder im Dezember erstmals seit 2006 die Zinsen anhebt. Tritt dieser Fall nicht ein, dann wird Gan zufolge der Preis je Unze in diesem Quartal auf 1200 Dollar klettern. Dann müsste er auch seinen Ausblick für kommendes Jahr revidieren, der derzeit einen Rückgang auf 950 Dollar vorsieht. An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Bhar sieht seine Prognosen von 1050 Dollar für das vierte Quartal in diesem Jahr und von 1000 Dollar für 2016 von einem Zögern der Fed nicht bedroht.

„Selbst wenn die Zinsen länger niedrig bleiben, würde ich mein Geld nicht in Gold stecken“, sagte Bhar. „Ich sehe eher Aufwärtspotenzial bei Aktien.“ Jede Rally beim Goldpreis sieht er als gute Gelegenheit zum Verkauf.

Immer weniger Analysten sehen Zinswende im Dezember

Terminhändler sehen die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinswende im Dezember bei 29 Prozent. Noch vor zwei Monaten waren es 74 Prozent. Die abnehmende Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung dürfte viele Händler dazu veranlassen, ihre Wetten auf einen Rückgang des Goldpreises aufzulösen, vermutet Ross Norman, CEO beim Londoner Goldhändler Sharps Pixley. Der Preisverfall habe zwar ausgereicht, um die Nachfrage für physisches Gold wieder anzuregen, doch um Gold "wieder auf den Radarschirm von Investoren zu bringen", sei eine nachhaltige Rally Voraussetzung.

Die Bestände in goldbasierten börsennotierten Produkten sind im August und September gestiegen - auf aktuell 1530 Tonnen. Damit wurde erstmals seit Februar in zwei aufeinander folgenden Monaten ein Anstieg verzeichnet. Doch der fiel mit sieben Tonnen nicht sonderlich kräftig aus. Seit dem Jahresbeginn sind die Bestände um etwa 70 Tonnen zurückgegangen. 2015 hat der Goldpreis gegenüber dem Niveau zum Jahresanfang über zehn Mal zwischen Gewinnen und Verlusten geschwankt - je nachdem, wie die Händler den Zeitpunkt der Zinserhöhung einschätzten.

„Gold ist ein so riesiger Markt, der von so vielen Faktoren beeinflusst wird, dass es schlichtweg unmöglich ist, alle Möglichkeiten einzukalkulieren“, sagte Christopher Cruden, CEO bei Insch Capital Management. „Am besten filtert man die ganzen Hintergrundgeräusche und die Emotionen heraus und hält sich beim Handel mit Gold an objektive Indikatoren.“

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