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Fed: Überalterung drückt Aktienkurse

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Es ist schon ein seltenes Ereignis, wenn sich eine Notenbank ganz offiziell zu künftigen Entwicklungen an den Aktienmärkten äußert. Normalerweise haben die Herren Währungshüter anderes zu tun und üben sich in Sachen Aktien eher in vornehmer Zurückhaltung. Gerade deswegen ist es aber auch so interessant, wenn sie diese einmal aufgeben. In diesem Fall ist es der lokale Ableger der US-Notenbank Federal Reserve aus San Francisco, der sich mit einer ebenso kurzen wie prägnanten Studie zu Wort meldet.

Konkret geht es um einen Punkt, der ohnehin viel zu wenig beachtet wird, nämlich: Wie wird sich die demographische Entwicklung in den Industriestaaten auf die Börsen auswirken?

Es handelt sich dabei also um die Tatsache, dass die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964 langsam aber sicher in Rente gehen. Dies hat auf die Finanzmärkte zwei wichtige Einflüsse. Erstens fallen die Babyboomer als aktive Verbraucher aus, da nachweislich im Alter weniger Geld ausgegeben wird als in den "mittleren Jahren" zwischen 40 und 50. Zweitens dürfte mit zunehmendem Alter auch die Geldanlage konservativer werden, das heißt: Raus aus Aktien, rein in festverzinsliche Anlagen, die eine (vermeintlich) sichere und stetige Rendite garantieren.

Genau diesen zweiten Punkt hat sich die FED aus San Francisco jetzt näher angeschaut. Die Forscher kommen zu dem Schluss: In der Vergangenheit gab es einen verblüffend engen Zusammenhang zwischen dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von amerikanischen Aktien und der Entwicklung der geburtenstarken Jahrgänge. Je mehr Amerikaner sich in dem spar- und konsumaktiven Alter von 40 bis 49 befanden, desto höher war das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das amerikanische Aktien aufwiesen.

Fakt ist aber, dass die Babyboomer nun aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Damit verschiebt sich das Verhältnis deutlich zu Gunsten der Älteren. In der Grafik äußert sich das in einem sinkenden M/O ratio. Darin wird die Zahl der 40-49jährigen (M wie middle age) zu den 60-69jährigen (O wie old) ins Verhältnis gesetzt.

Auf dieser Basis malen die Forscher nun ein ziemlich düsteres Bild für die Zukunft. Ihre Gleichung lautet: Mehr Alte gleich niedrigeres KGV für Aktien. Konkret kommen sie zu der Prognose, dass das durchschnittliche KGV von 15 in 2010 auf nur noch 8,3 in 2025 sinken könnte. Bei gleichbleibenden Gewinnen würde das also fast eine Halbierung der Aktienkurse bedeuten. So gesehen könnten die jüngsten Verluste erst der Anfang einer langen Abwärtsbewegung gewesen sein.

Drohen tatsächlich 14 Jahre lang sinkende Aktienkurse in den USA? Nun sicher nicht automatisch und auch nicht kontinuierlich. Doch die Zahlen machen nachdenklich. Auch deutlich steigende (inflationsbereinigte) Gewinne scheinen wenig wahrscheinlich, denn die Babyboomer fallen eben nicht nur als Aktienkäufer, sondern auch als aktive Verbraucher aus. Für den Anleger bleibt ein Ausweg: Die Konzentration auf Anlageregionen, in denen die Demographie intakt ist und auf Unternehmen, die von den Veränderungen der Demographie profitieren.
Über den Autor: Roland Klaus arbeitet als freier Autor in Frankfurt/Main. Für den amerikanischen Finanzsender CNBC und den deutschen Nachrichtenkanal N24 berichtete er von 2004 bis 2009 von der Frankfurter Börse. Bekannt wurde er durch seine fast zehnjährige Tätigkeit als Moderator und Börsenreporter für die Telebörse auf n-tv.
In seinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ skizziert Klaus, wie es mit unserem angeschlagenen Finanzsystem weiter gehen könnte und wie jeder einzelne von uns sich auf die anstehenden Umbrüche vorbereiten kann. Sie erreichen ihn unter www.roland-klaus.de

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