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Fed verschiebt Zinswende Gold bleibt das beste Geld

Thorsten Polleit, Chefsvolkswirt bei Degussa
Thorsten Polleit, Chefsvolkswirt bei Degussa
Gestern, am 19. August 2015, wurde das Sitzungsprotokoll der US-Zentralbank (Fed) veröffentlicht (für die Sitzung vom 28. bis 29. Juli 2015). Die Botschaft darin lautet: Die Fed wird die Zinsen im September wohl nicht erhöhen. Ein Ende der weltweiten Niedrigzinsphase ist daher nicht absehbar.
 
Nachdem China vom 11. bis 13. August 2015 den Außenwert des Renminbi abgewertet hat (siehe hierzu unseren Degussa Marktreport vom 14. August 2015), ist eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik in den USA und auch anderswo sogar noch unwahrscheinlicher geworden.
 
Zugleich wachsen die Probleme in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur immer weiter an. Vor allem der Rückgang der Rohstoffpreise (zu denken ist hier beispielsweise an die Öl- und Industriemetallpreise) setzt die Geldpolitiken dies- und jenseits des Atlantiks jetzt unter Druck, noch mehr Geld in Umlauf zu bringen.
 
GOLD IST GELD  
 
Das alles spricht für Gold. Gold ist nicht nur ein Rohstoff wie beispielsweise Kupfer oder Eisenerz. Gold ist Geld: Gold ist das ultimative Zahlungsmittel. Diese Einsicht sollten Anleger nicht aus dem Auge verlieren.
 
Dass Gold das bessere, das beste Geld ist, lässt sich auch beobachten. Jeder Anleger sollte nur einmal die (langfristige) Wertentwicklung des Goldes vergleichen mit der Wertentwicklung von kurzfristigen Bankeinlagen.
 
Seit Jahresbeginn beträgt der Wertzuwachs des Goldes, in Euro gerechnet, knapp 4 Prozent (am 23. Januar 2015 waren es etwa 18 Prozent). Gold hat also einen positiven Wertzuwachs erzielt.
 
Und was ist mit Sicht-, Termin- und Spareinlagen, die bei Banken gehalten werden? Für sie erhält man längst keine Zinsen mehr. Nach Abzug der Inflation (die höher ist als die offiziellen Statistiken anzeigen) verlieren sie sogar ihre Kaufkraft, und zwar unwiderruflich.
 
DAS SOLLTEN SIE BEACHTEN
 

Wer bei der Einführung des Euro zu Beginn des Jahres 1999 auf Gold gesetzt hat, hat einen Wertzuwachs von 308 Prozent erzielt. Wer auf den DAX gesetzt hat, hat nur 119 Prozent erzielt (einschließlich der Dividendenzahlungen!). Vegrößern >>
Für Euro-Anleger ist Gold ein „Rettungsanker“. Wer auf Euro setzt, wird Verluste erleiden: entweder weil die Inflation die Ersparnisse auffrisst (die EZB erhöht die Euro-Geldmenge immer weiter), und/oder weil Banken geschlossen und die Einlagen der Kunden gestrichen werden (wie es in Zypern geschehen ist und wohl bald auch in Griechenland geschehen wird).  
 
Sparer und Investoren im Euroraum sollten daher zumindest einen Teil ihres Portfolios in Gold – und zwar in physischem Gold – halten.
 
Es lässt sich schwerlich sagen, wo genau der Goldpreis in einer Woche, in einem oder zwei Monaten stehen wird. Doch Anleger, die einen langfristigen Anlagehorizont haben (von fünf oder mehr Jahren), sollten jetzt erwägen, ihre Goldanlagen aufzustocken – denn der (in Euro gerechnet) wird weiter steigen. Das legt die leidvolle Erfahrung mit dem ungedeckten Papiergeld nahe. 
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