Die alljährliche Konferenz der Notenbanker in Jackson Hole steht vor der Tür und die Spannung steigt. Denn die Währungshüter stehen vor einer kniffligen Aufgabe: Die Inflation ist zwar auf dem Rückzug, liegt aber immer noch deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Wirtschaft durch das hohe Zinsniveau Schaden nehmen könnte. Erst Anfang August herrschte an den Börsen eine große Angst vor einer möglichen US-Rezession.
Notenbanken mit unterschiedlichen Ansätzen
Ein Blick auf die großen Notenbanken zeigt ein differenziertes Bild: Während die EZB bereits vor über zwei Monaten die Zinsen gesenkt hat, zögert die Fed noch. Die Bank of England vollzog jüngst zwar den Schwenk, allerdings nur mit knapper Mehrheit im geldpolitischen Ausschuss. Und Australiens Notenbankchefin Michele Bullock verwies Anfang August auf unterschiedliche Sichtweisen in der Zinsdebatte.
Die Entscheidung über den künftigen Kurs wird immer anspruchsvoller, je länger der aktuelle Zyklus dauert. Denn die Daten senden mitunter widersprüchliche Signale. So fiel der US-Arbeitsmarktbericht im Juli deutlich schwächer aus als erwartet, die Einzelhandelsumsätze überraschten hingegen positiv. „Prognostiker wurden ständig überrascht“, räumte Fed-Chef Jerome Powell im Juli ein. Er wird bei der Konferenz am Freitag eine mit Spannung erwartete Rede halten.
Märkte hoffen auf weitere Zinssenkungen
Dabei rechnen die Märkte fest mit einer Zinssenkung im September. Unklar ist aber, was danach kommt. Sollte Powell zu vorsichtig klingen, könnte dies die Hoffnung auf weitere Lockerungen dämpfen – und die Börsen belasten. Signalisiert der oberste US-Währungshüter hingegen Bereitschaft zu zusätzlichen Schritten, dürften die Kurse weiter anziehen.
Die Unsicherheit an den Märkten lässt sich auch an den Schwankungen der Terminkontrakte auf die US-Leitzinsen ablesen, die als Indikator für die erwartete Zinsentwicklung gelten. Diese Schwankungen erreichten zuletzt Niveaus, die seit der turbulenten Phase der US-Bankenkrise 2023 nicht mehr gesehen wurden. Nach dem schwachen Job-Bericht und fallenden Aktienkursen im Juli setzten Anleger zunächst auf einen großen Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten im September. Inzwischen halten sie einen kleineren Schritt von 0,25 Punkten für wahrscheinlicher.
Überraschungen auch in Neuseeland und Japan
Wie herausfordernd die Lage ist, zeigt ein Blick nach Neuseeland: Dort vollzog die Notenbank jüngst eine Kehrtwende und senkte überraschend die Zinsen – obwohl sie noch drei Monate zuvor signalisiert hatte, dass dieser Schritt erst im kommenden Jahr anstehe. In Japan mussten die Währungshüter ihre Botschaft ebenfalls anpassen, nachdem die Märkte auf einen strafferen Kurs spekuliert hatten.
Auch in Europa stiegen sowohl die Inflation als auch die Rezessionsängste zuletzt wieder. Das stellt die EZB vor eine Herausforderung: Während einige Ratsmitglieder wegen der schwächelnden Wirtschaft eine raschere Lockerung befürworten, mahnen andere zur Vorsicht. Die Märkte haben sich entschieden und preisen bis Jahresende mindestens zwei weitere Zinssenkungen ein.


