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Fed-Chefin Janet Yellen, Foto: Getty Images

Fed-Chefin Janet Yellen, Foto: Getty Images

Federal Reserve

Janet Yellen experimentiert mit dem Arbeitsmarkt

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Für Janet Yellen ist die Unterauslastung am Arbeitsmarkt ein Anzeichen, dass die Zinsen noch länger niedrig bleiben können. In den USA gibt es sechs Millionen Beschäftigte, die in Teilzeit arbeiten, weil die Wirtschaft nicht stark genug ist, sowie über 600.000 Personen, die von den Aussichten so entmutigt sind, dass sie die Jobsuche aufgegeben haben.

Einer von ihnen ist Harry Elanko aus Fairfax County, Virginia. Der 62-Jährige hat zwei Teilzeitstellen, obwohl er eigentlich gerne Vollzeit arbeiten würde und jahrelange Erfahrung als Betriebswirt hat.

„Neue Sicht auf Reichweite der Geldpolitik“


Mit der Konzentration auf die Unterbeschäftigung steuert Yellen die Geldpolitik in ein kühnes Experiment: Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve wird das große stumpfe Instrument niedriger Zinsen nutzen, um die Arbeitslosenquote stark genug zu drücken, so dass mehr Personen, die aus dem Arbeitsmarkt herausgefallen sind oder Teilzeit arbeiten, wieder in Vollzeit-Jobs kommen können.

Sie hofft, dass dies einen positiven Kreislauf aus Investitionen, höherer Produktivität und besserer Bezahlung schaffen wird, der die Überbleibsel der seit der Weltwirtschaftskrise schlimmsten Rezession beseitigen wird.

Es handelt sich um eine „neue Sicht der Reichweite der Geldpolitik“, sagt Laurence Meyer, der in den 1990er-Jahren zusammen mit Yellen im Gouverneursrat der Fed saß. Es „widerspricht allem, was ich seit 27 Jahren an der Universität lehre.“

Die traditionelle Ökonomie geht davon aus, dass die Geldpolitik langfristig die Preise, aber nicht den Umfang des Arbeitskräftepotenzials beeinflusst. Letzteres wird von langfristigen Faktoren wie dem Bevölkerungswachstum bestimmt.

Sollte es der Fed gelingen, die Nachfrage nach Arbeit stark genug anzukurbeln, um die Unterbeschäftigung zu drücken, wäre „das eine fantastische Leistung und ein Wagnis, das sich einzugehen lohnt“, sagt Meyer. Das größte Risiko sei, dass die Inflation das 2-Prozent-Ziel der Notenbank „mehr als ein wenig“ überschreitet.

Fed-Entscheidung am Mittwochabend erwartet

Die US-Notenbank hat am Dienstag mit ihrer zweitägigen Sitzung begonnen und wird am heutigen Mittwochabend ihren Zinsentscheid verkünden. Ökonomen gehen davon aus, dass sie die Zinsen nahe Null belassen wird, da die Währungshüter auf weitere Informationen warten, wie das schwächere Wachstum in China die Aussichten für den US-Arbeitsmarkt und die Inflation beeinflusst.

Yellens Schachzug ist mit Risiken behaftet, weil „dabei darauf gesetzt wird, die Grenze der Unterauslastung am Arbeitsmarkt zu testen“, während man sich möglicherweise schon an der Grenze befinde, sagt Michael Feroli, Chef-US-Ökonom bei JPMorgan Chase in New York.

Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 5,1 Prozent und der Offenmarktausschuss schätzte im vergangenen Monat, dass sie im vierten Quartal des nächsten Jahres auf 4,8 Prozent sinken wird, was unter dem Wert von 4,9 Prozent liegt, den die Notenbank als Vollbeschäftigung erachtet.

Die Quote einschließlich der Unterbeschäftigten und Entmutigten belief sich im September auf 10 Prozent. Die Anzahl der Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen in Teilzeit arbeiten, sowie jene, die für eine Jobsuche zu entmutigt sind, entsprach im vergangenen Monat 4,5 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung, verglichen mit einem Tief von 2,5 Prozent im Jahr 2000.

„Angebotsseitige Schäden ausgleichen“

Auf Leute wie Elanko wirkt die Vorstellung, es herrsche nahezu Vollbeschäftigung, wie ein schlechter Scherz. „Für mich hat die Konjunktur noch nicht angezogen“, sagt Elanko. Den Unternehmen fehle das Vertrauen, Vollzeitbeschäftigte anzuheuern.

In einer Rede im September verwies Yellen auf Studien der Fed, wonach die Geldpolitik einen Teil der „angebotsseitigen“ Schäden aus der Rezession ausgleichen kann - den Einbruch bei der Arbeitsproduktivität, die geringere Investitionsdynamik und den Ausstieg von Erwerbspersonen aus dem Arbeitsmarkt.

Wenn die Geldpolitik die Nachfrage anschiebt, wird dies zu Investitionen führen, die ihrerseits die Produktivität fördern und einen Anstieg der Löhne zulassen, ohne die Inflation anzuschieben. Größere Kostensenkungen durch Effizienzsteigerungen würden die Gewinnmargen ohne Preissteigerungen verbessern.

Dieser Abschnitt war der „interessanteste und radikalste Teil“ von Yellens Rede, weil die Ökonomen uneins sind, ob die Geldpolitik derartig langfristige Trends, die das Wachstum beeinflussen, ändern kann, sagt Feroli.

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