Volker Arndt, Geschäftsführer der UST Immobilien

Volker Arndt, Geschäftsführer der UST Immobilien

Fehlende Werttreiber

Wird der deutsche Immobilienmarkt überschätzt?

Die Begeisterung privater und institutioneller Anleger für Investitionen in deutsche Immobilien ist seit geraumer Zeit so hoch wie selten zuvor. Das ist einerseits verständlich, da Investoren die Stabilität ihrer Anlagen mehr denn je im Fokus haben und der deutsche Markt deutlich weniger volatil ist als andere Märkte – etwa in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien.

Neben dem Aspekt der Stabilität eines Investments sollten Anleger jedoch auch die Rendite nicht vergessen. Dass aber deutsche Immobilien in den kommenden Jahren eine hohe Wertsteigerung erfahren, ist unwahrscheinlich. Und das liegt nicht an den im langfristigen Rückblick stabilen, aber eher niedrigen Renditen – denn Zahlen der Vergangenheit sind für die Zukunft stets nur bedingt aussagekräftig. Das Problem liegt vielmehr darin, dass entscheidende Werttreiber in Deutschland fehlen.

Vergleich USA und Deutschland

Dazu gehört insbesondere eine positive demografische Entwicklung. Während in Deutschland und in weiten Teilen Europas die Bevölkerung langfristig bestenfalls stagniert, erwarten beispielsweise die USA ein starkes Bevölkerungswachstum: Bis 2050 wird mit einem Plus von 100 Millionen Einwohnern für die US-Bevölkerung gerechnet.

Um die Dimensionen zu veranschaulichen: Die USA werden bis 2050 um mehr als die aktuelle Bevölkerung Deutschlands wachsen. Jährlich wachsen die USA um mehr als die Einwohnerzahl der beiden deutschen Metropolen München und Köln zusammen. Was bedeutet dies für die US-Immobilienwirtschaft? Die zusätzlichen Amerikaner brauchen zusätzliche Büros, Shopping Center, Wohnungen und Infrastruktur.

Deutschland wird hingegen schrumpfen. Schon heute werden vor allem in Ostdeutschland überschüssige Immobilien zurückgebaut. Sicherlich können sich auch in Deutschland Immobilien-Investments lohnen. Aber die USA verfügen über die besseren Werttreiber.

Auch mit Blick auf die Transparenz ist der US-Immobilienmarkt führend: Im aktuellen Transparenzranking von Jones Lang LaSalle haben die Staaten die Nase vorn. Deutschland rangiert übrigens auf Platz 12.

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