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Geldscheine – und Gold im Wert von 43.500 Euro Foto: imago images / Shotshop

Blackrock-Strategien für 2021

Feinjustierungen sind obsolet – es zählen neue Konzepte

In den nächsten fünf Jahren erwarten wir erhöhte Inflationsraten – aber ohne den sonst typischen Anstieg der nominalen Anleiherenditen.

Infolgedessen erwarten wir gänzlich andere Marktauswirkungen als in der Vergangenheit. Frühere Phasen steigender Inflation bedeuteten für Anleger Risiken: Sie führten zu höheren Zinssätzen, die die Bewertungen der einzelnen Anlageklassen unter Druck setzten. Anders als früher wird ein Inflationsanstieg unserer Ansicht nach die Renditen von Risikoanlagen zukünftig deutlich weniger gefährden. Die Zentralbanken haben signalisiert, dass sie in den Volkswirtschaften eine über dem Zielwert liegende Inflation zulassen wollen, um frühere Unterschreitungen auszugleichen. Gleichzeitig werden sie wahrscheinlich den Anstieg der nominalen Anleiherenditen drosseln, um eine ungewollte Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen zu verhindern.

Warum erwarten wir eine höhere Inflation? Bei einer Neuordnung der globalen Lieferketten dürften die Produktionskosten steigen. Zum Schutz der Gewinnmargen werden die Unternehmen die höheren Belastungen vermutlich an die Kunden weiterreichen. Natürlich könnten Kostensenkungen der Unternehmen den Inflationsdruck in naher Zukunft abschwächen. Dennoch: Nach einem Jahrzehnt äußerst niedriger Raten würde selbst ein mäßiger Inflationsanstieg – etwa von 2,5 bis 3 Prozent jährlich – die Märkte auf dem falschen Fuß erwischen.

Wichtig ist, dass wir davon ausgehen, dass die neuen nominalen Renditen von Anleihen Risikoanlagen stützen werden. Infolgedessen gehen wir stärker ins Risiko und halten eine höhere strategische Allokation in Aktien für gerechtfertigt.

Die Globalisierung wird neu geordnet

Covid-19 hat geopolitische Trends wie eine bipolare, um die USA und China ausgerichtete Weltordnung und eine Neuordnung der globalen Lieferketten beschleunigt – Effizienz hat nicht mehr die höchste Priorität. Die strategische Rivalität zwischen den USA und China wird wohl auch weiterhin bestehen bleiben, wobei der Wettbewerb vor allem im Technologiesektor schon jetzt hohe Wellen schlägt. Es ist wahrscheinlich, dass in beiden Ländern das Streben nach Autarkie in wichtigen Zukunftsbranchen immer mehr an Bedeutung gewinnt. China möchte insbesondere in der Halbleiterindustrie rasch voranzukommen, in der die Volksrepublik hinter den USA zurückliegt. Es kann darüber hinaus sein, dass die USA den Schwerpunkt ihrer Beziehungen zu China verändert: Die Biden-Regierung dürfte sich mehr auf Umweltaspekte und Menschenrechte fokussieren und weniger auf das notorische US-Handelsdefizit. Die Entwicklungen im Zusammenhang mit Deglobalisierungstendenzen zu beobachten wird spannend: China will bekanntlich seine Kapitalmärkte für Investoren öffnen.

Der Anteil Chinas am globalen BIP ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen (Grafik), auch wenn die Zuwächse mit zunehmender Reife der Wirtschaft langsam nachgelassen haben. Derzeit kehrt das Wachstum rasant auf die Niveaus zurück, die es vor Covid-19 erreicht hatte. Wir betrachten Vermögenswerte, die in enger Verbindung mit dem chinesischen Wachstum stehen, als strategische Kernbestandteile unserer Portfolios. Wir erwarten anhaltende Zuflüsse in asiatische Vermögenswerte, da viele Anleger weltweit nach wie vor unterinvestiert sind und Chinas Gewicht in globalen Indizes wächst. Zu den Risiken dieser Anlagen, die mit Chinas Entwicklung zusammenhängen, gehören die hohe Verschuldung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, eine Abwertung des Renminbi sowie die Konflikte zwischen den USA und China. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Investoren für diese Risiken gut entschädigt werden.

Beschleunigte strukturelle Trends

Covid-19 beschleunigt bereits vorhandene strukturelle Trends – etwa einen verstärkten Fokus auf Nachhaltigkeit, zunehmende Ungleichheit bei Wohlstand, Einkommen und Gesundheit sowie den Aufschwung des Onlinehandels. Die Pandemie hat die Aufmerksamkeit auf unterschätzte Nachhaltigkeitsfaktoren und die Widerstandsfähigkeit der Versorgungskette gelenkt. Die Eurozone zum Beispiel stellt grüne Infrastruktur und Ausgaben für die Digitalisierung in den Mittelpunkt ihrer Anstrengungen für einen wirtschaftlichen Neustart – und trägt somit dazu bei, den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu beschleunigen. Die Pandemie hat rund um die Welt die Ungleichheiten in und zwischen den einzelnen Ländern aufgrund der unterschiedlichen Qualität der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur – insbesondere in den Schwellenländern – und des Zugangs zur Gesundheitsversorgung noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Covid-19 hat außerdem dem E-Commerce und dem Niedergang traditioneller Einzelhandelsstrukturen Vorschub geleistet. Ungeachtet des diesjährigen eindrucksvollen Anstiegs der Bewertungen sehen wir Tech-Aktien in einem langfristigen strukturellen Aufwind.

Zugleich räumen wir nachhaltigen Anlagen einen noch größeren Platz im Portfolio ein. Angesichts des langen Übergangs zu einer weniger kohlenstoffintensiven Welt erwarten wir stetige Zuflüsse in entsprechende Investments.

Insgesamt ist uns angesichts der beschleunigten strukturellen Veränderungen daran gelegen, eine umfassende Neubewertung der strategischen Portfolios zu erreichen. Lediglich eine Feinabstimmung der Portfoliobestandteile vorzunehmen, ist nicht mehr länger ratsam.

Hier mehr zum globalen Investment-Ausblick von Blackrock (englisch)

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