Felix Zulauf „Das große Monster ist China“

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Wie spielen Sie ihre Überzeugungen in der Anlagestrategie?

Zulauf:
2013 war für Aktien ein fantastisches Jahr. Der Marktkonsens zum Jahresbeginn 2014 war, dass auch dieses Jahr ein gutes für Aktien wird, da es schlicht keine Alternative gibt. Gold ist in der jüngeren Zeit bereits abgestraft worden und Rentenpapiere sind auf einem zu niedrigen Renditeniveau. Überhaupt überwiegen bei Anleihen die Risiken die Chancen.

Vom Marktkonsens weichen Sie aber ab.

Zulauf:
Genau. Wir sehen verschieden Exzesse, auch an den Aktienmärkten. Folglich wird es Korrekturen geben, die auch schon mal größer als 10 Prozent ausfallen können. Wir glauben daher, dass das Aktienjahr 2014 einen völligen anderen Charakter haben wird als das Vorjahr. Es wird allerdings auch keine globale Rezession geben. Für den Anleger wird es nochmal schwieriger werden, Renditen zu erzielen, die er sich vorstellt und aus den Vorjahren gewohnt ist. Insgesamt sind wir der Überzeugung, dass es 2014 einen flexiblen Ansatz benötigt.

In welchen Märkten wird es zuerst zu Korrekturen kommen?

Zulauf:
Einzelne Rückschläge sehen wir bereits in den USA, vor allem bei Wachstumsaktien. Viele von ihnen erwirtschaften doch keine Unternehmensgewinne, hatten sehr viel Fantasie in ihren Geschäftsmodellen. Einzelne Titel befinden sich seit Jahresbeginn bereits über 20 Prozent im Minus. Zu diesem Lager gehören Biotech-Firmen, genauso wie Social-Media- und Wohnungsbauunternehmen. Das Kapital hat sich aus diesen Bereichen etwas zurückgezogen, ist aber per Saldo im Aktienmarkt geblieben. Profitiert haben davon Versorger- und Konsumgütertitel des täglichen Bedarfs.

Allgemein sind Korrekturen dafür da, die Vorsicht in die Märkte zurückzubringen. Die sehen wir noch nicht, insofern gehen wir von weiteren Rückschlägen aus. Das sehen wir auch in einigen technischen Konstellationen und mittelfristigen Indikatoren.

Wie schaut es mit Gold aus? Da haben Sie anscheinend ihre frühere Skepsis abgelegt.

Zulauf:
Ich habe Kunden geraten, Gold zu verkaufen als es meiner Meinung nach Exzesse im Markt gab und der Goldpreis in der Spitze auf über 1.900 Dollar stieg. Mittlerweile befindet sich der Goldpreis aber seit drei Jahren in einer Korrekturphase. Wir dürften uns also einer Bodenbildung nähern.

Allerdings sehe ich derzeit noch keine fundamentalen Auslöser für eine weitere Gold-Hausse. Meine technische Analyse sagt mir, dass wir in diesem Sommer das Tief durchlaufen sollten. Es kann daher durchaus sein, dass der Goldpreis nochmal unter die 1.180-Dollar-Grenze fällt, aber es könnte auch halten. Im Laufe des dritten Quartals sollte das Edelmetall aber wieder zu steigen beginnen für mindestens ein Jahr, vermutlich aber länger. Die großen Käufer werden künftig die Chinesen sein. Ein Grund wird sein, dass sich die Sparer dort gegen die angesprochene Währungsabwertung absichern wollen.

Sie wollen in Bälde mit einem Ucits-konformen Fonds nach Deutschland kommen.

Zulauf:
Genau. Das Produkt, der Vicenda Multi Asset Opportunities Fund UI (Anm. d. Redaktion: WKN A1W9CH), ist am 5. Mai in den Handel gehen. Der Absolute-Return-Fonds soll die Charakteristika eines Rentenportfolios der vergangenen 20 bis 30 Jahre widerspiegeln. Quasi der Ersatzbaustein für ein solches Rentenportfolio, den man ruhigen Gewissens liegen lassen kann. Auf der Seite der Aktien, Zinsen und Währungen wollen wir mit dem Fonds opportunistisch agieren, Long- wie Short-Positionen eingehen. Im Fokus steht der Kapitalerhalt, das heißt, dass wir bei Turbulenzen an den Märkten durchaus auch höhere Cash-Quoten halten. Des Weiteren liegt der Schwerpunkt des Portfoliomanagements auf der Begrenzung des maximalen Drawdowns, was wir mit einem strikten Risikomanagement erreichen. Felix Zulauf wird als Keynote-Sprecher auf der 17. Jahrestagung Portfoliomanagement (3. + 4. Juni) zu erleben und zu treffen sein.

Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter:

http://www.uhlenbruch.com/de/jahrestagung/

Über den Interviewten: Felix Zulauf ist Gründer und Präsident von Zulauf Asset Management, einer in Zug (Schweiz) beheimateten Vermögensverwaltung. Die 1990 ins Leben gerufene Vermögensverwaltung wird seit 2009 als Family Office geführt. Zusammen mit seinem Sohn Roman Zulauf sowie weiteren Kollegen gründet der 63-Jährige im vergangenen Jahr die Vermögensverwaltung Vicenda Asset Management. Darin übt er sich in der Königsdisziplin der Hedgefonds-Stile, einer konservativen Global-Makro-Strategie.
 

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