Wenn Ferdinand Haas über sein Qualitätssicherungssystem spricht, greift er zu einem ungewöhnlichen Vergleich: „Das Verfahren, das wir hier nutzen, kommt eigentlich aus der Fertigungstechnik: Die Schrauben sollen immer 7,5 Millimeter lang sein, und so ist es auch, wenn die Maschine funktioniert. Mit ein bisschen Toleranzen sind es auch mal 7,6 oder 7,4 Millimeter. Was nicht passieren darf: dass die Schrauben insgesamt immer kürzer oder länger werden. Das wäre ein Fehler im System.“
Diese mathematische Einsicht aus der Produktionsüberwachung hat Haas, Gründer der Investmentberatungsgesellschaft Portfolio Selection, auf die Fondsanalyse übertragen. Gemeinsam mit einem ehemaligen Quant-Kollegen entwickelte er eine Methodik, die kontinuierlich überwacht, ob die von ihm ausgewählten „Alpha-Selection-Fonds“ Ergebnisse im erwarteten Performance- und Schwankungsbereich erbringen.
Billig als Erfolgsfaktor
Das noch relativ junge System scheint zu funktionieren, jedenfalls fürs vergangene Jahr: Die Alpha-Selection-Fondsreihe, die Haas für die Reuss-Private-Plattform aus dem Fondsnet-Verbund aufgebaut hat, konnte sich 2025 behaupten. Alle 17 dort gelisteten Fondstranchen haben ihre jeweiligen Morningstar-Peergroups übertroffen – im Durchschnitt um 2,89 Prozent nach Kosten. 100 Prozent Outperformance-Quote – ein Ergebnis, das Haas nicht nur auf geschickte Fondsauswahl, sondern vor allem auf konsequentes Kostenmanagement zurückführt.
Spricht man eine Zeitlang mit dem Fondsselektor, wird deutlich: Haas will mit dieser Fondsreihe mehr erreichen als nur gute Renditen. Er hat es sich offenbar zur persönlichen Mission gemacht, eine Lanze für aktives Fondsmanagement zu brechen – das auch für Privatanleger lukrativ sei, wenn nur die Kosten stimmen.
Die Selbstverständlichkeit für institutionelle Investoren – dass aktive Fonds sehr gute Ergebnisse erwirtschaften können –, stelle sich im Privatanlegerkosmos vollkommen anders dar, kritisiert Haas. „Ärgerlich“ findet er es, dass ein und derselbe Fonds in einer Insti-Tranchen mitunter gute Ergebnisse erziele, während die Privatanleger-Tranche zugleich ein Minus schreibe.
Als Haas Anfang 2024 die damals drei Vermögensverwaltungsstrategien der Reuss Private Bank übernahm, die zuvor Morningstar gemanagt hatte, stellte er als Erstes eine neue Palette an Zielfonds zusammen. Seine Selektionsmethode hatte er noch aus seiner Zeit bei der DWS beziehungsweise Deutsche Asset Management mitgebracht: Fonds nicht nach kurzfristiger Performance beurteilen, sondern nach ihrer Fähigkeit, systematisch und dauerhaft Alpha zu erwirtschaften.
Die bis dato 17 Alpha-Selection-Fonds decken unterschiedliche Märkte und Asset-Klassen ab: US-amerikanische, europäische, japanische und globale Aktien, viel europäische und ein wenig asiatische Anleihen. Viele der Alpha-Selection-Fonds sind Quant-Strategien. Erstmals vorgestellt hat Reuss Private beziehungsweise der verbundene Maklerpool Fondsnet sie seinen Beratern vor über einem Jahr.
Die Alpha-Selection-Fonds dienen dabei nicht nur als Bausteine für die hauseigenen Modellportfolios. Auf Wunsch können die Berater von Fondsnet und dem verbandelten Haftungsdach BN & Partners sie auch in eigenen Vermögensverwaltungsstrategien allokieren. Nur als Einzelinvestments stehen sie nicht zur Verfügung.
Günstige Anteilsklassen: So schlüsseln sich die Kosten auf
Das Besondere an der Alpha-Selection-Reihe und damit auch an den von Haas gemanagten Modellportfolios: die aus Privatanlegersicht sehr günstigen Kosten. Fonds, die den Retail-Anleger typischerweise 1,50 Prozent Gebühren und mehr abverlangen, gibt es hier deutlich günstiger.
Ab fünf Basispunkten geht es los, durchschnittlich kosten die Alpha-Selection-Fonds 33 Basispunkte bei den teilhabenden Fondsgesellschaften, darunter JP Morgan, DWS, Invesco und Robeco. Möglich werden die günstigen Preise durch die Einkaufsmacht eines großen institutionellen Investors, mit dem Haas bei den Fondsgesellschaften vorsprach. Teils hätten die Gesellschaften auf Wunsch sogar neue, günstige Share-Klassen aufgelegt. „Mit mehreren Milliarden Euro in der Hinterhand bekommt man bei Preisverhandlungen ein ganz anderes Gewicht“, berichtet Haas.
Seine eigene Portfolio-Dienstleistung möchte er ebenfalls günstig halten: Haas lässt sie sich mit fünf Basispunkten vergüten. 20 Basispunkte wiederum gehen an die Reuss-Private-Plattform. Die Gesamtkosten der Aktivportfolios bleiben für Endkunden damit meist deutlich unter einem Prozent, rechnet er vor. Lediglich die vermittelnden Berater können sich ihre Leistung beim Kunden in selbst gewählter Höhe vergüten lassen.
Erfolgreiche Modellportfolios
Die Performance der bisherigen Aktiv-Portfolios scheint Haas' Ambitionen zu bestätigen: Die dynamische Strategie erreichte 2025 per 31. Dezember rund 10 Prozent Rendite, Balanced 8,5 Prozent, selbst Stabilität kam auf rund 6 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI World brachte es im selben Zeitraum, in Euro gerechnet, auf rund 7 Prozent Plus.
Wahr ist allerdings auch: Haas hat bei seiner Feuertaufe auch eine Portion Glück gehabt. Die Märkte haben sein Projekt unwissentlich unterstützt. „2025 war das erste Jahr, in dem der breitere Markt auf einmal besser als die engere Tech-Nische lief“, räumt er ein. Diesen Effekt hätten die breiter auch außerhalb der USA aufgestellten Aktiv-Portfolios „voll mitgenommen“.
