Ferien-Fonds

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Entspannung auf dem Fluss oder Sport- und Party-Spaß auf hoher See: Die Kreuzfahrtbranche lockt nicht nur Touristen. Auch Anleger sind jetzt mit geschlossenen Fonds dabei.

Im Dezember ist es so weit: Dann können Golfer auch auf hoher See ihre Fähigkeiten beim Putten auf echtem Grün verbessern. Das Kreuzfahrtschiff Celebrity Solstice, das zurzeit in der Papenburger Meyer-Werft gebaut wird, bricht am 14. Dezember von Fort Lauderdale in Miami zur seiner Jungfernfahrt in die östliche Karibik auf – mit an Bord: eine über 2.000 Meter große Grünfläche, die die Golfer sich allerdings mit Boccia- und Krocket-Fans teilen müssen.
Rasen an Deck ist eine Neuheit, bislang hatten andere Sportarten Vorrang. Die Freedom of the Seas, neben ihren Schwesterschiffen Liberty of the Seas und Independence of the Seas das größte Passagierschiff der Welt, bietet beispielsweise einen Boxring, ein Basketballfeld, eine 169 Meter hohe Kletterwand, einen Surfpark mit einer stehenden Welle, einen Minigolfplatz und eine Eislaufbahn.

1,1 Millionen Deutsche machten 2007 Ferien an Bord

Die Kreuzfahrtindustrie schafft immer neue Superlative – nicht nur mit der Gigantomanie der Schiffe, auch die Passagierzahlen steigen. 12 Millionen Amerikaner haben nach Angaben des größten amerikanischen Kreuzfahrtverbands Clia 2006 eine Kreuzfahrt gemacht, 2007 sollen es Schätzungen zufolge schon 12,5 Millionen gewesen sein. Und die Branche sieht noch großes Potenzial, denn schließlich waren über 80 Prozent der erwachsenen US-Bürger noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff.
Auch in Deutschland boomt die Kreuzfahrt – wenn auch auf niedrigerem Niveau. Rund 1,1 Millionen Personen buchten 2007 bei einem deutschen Veranstalter eine Hochsee- oder Flusskreuzfahrt – 8 Prozent mehr als 2006. „Das Segment der Kreuzfahrten steigt seit Jahren kontinuierlich. Und das Potenzial ist noch lange nicht erschöpft“, sagt Michael Thamm, Vorsitzender des Ausschusses Schifffahrt beim Deutschen Reise Verband und Geschäftsführer der Rostocker Aida Cruises. Der deutsche Marktführer für Hochseekreuzfahrten hat in den 90ern die Kreuzfahrt in Deutschland revolutioniert: Er brachte die ersten Fun Ships (Spaßschiffe) nach amerikanischem Vorbild auf den Markt und öffnete den weitgehend Senioren vorbehaltenen Kreuzfahrtbereich dem jüngeren Publikum.

Die großen Drei sind börsennotiert

Für Anleger hingegen ist der Zugang zur Kreuzfahrt nicht so leicht. Eine Möglichkeit ist der Weg über das Aktienparkett. Die beiden mit Abstand größten Kreuzfahrtanbieter, Carnival und Royal Caribbean Cruises, sind an der New Yorker Börse gelistet. Auch im Schifffahrtssegment der Hamburger Börse sind sie enthalten, allerdings findet dort kaum Handel statt. Der Carnival-Konzern umfasst rund ein Dutzend Kreuzfahrtlinien, neben den amerikanischen Carnival Cruises und Costa Cruises auch die Rostocker Aida und die britische Cunard-Line, zu deren Flotte die Queen Mary II gehört.
Unterm Dach der Royal Caribbean finden sich fünf Reedereien. Entscheidend sind Royal Caribbean International mit den „Of the Seas“-Megaschiffen und Celebrity Cruises. Im April hat das Unternehmen aus Miami ein Joint Venture mit TUI gegründet: TUI Cruises soll eine neue Marke für Premium-Kreuzfahrten werden. Marktführer im asiatisch-pazifischen Raum ist die Nummer 3 auf dem Markt: Star Cruises. Das Unternehmen mit Sitz in Hongkong ist auch dort gelistet. Wem ein solches Investment zu viel Börse und zu wenig Kreuzfahrt ist, der kommt über geschlossene Fonds noch näher an das Thema heran – allerdings auch mit weniger Flexibilität. Bisher gab es in Deutschland – von wenigen Ausnahmen abgesehen – im Kreuzfahrtbereich nur Angebote von Premicon, und die konzentrieren sich weitgehend auf Flusskreuzfahrt. Jetzt gibt es gleich drei Kreuzfahrtfonds, und ein vierter von der Hamburgischen Seehandlung soll folgen. Warum die Auswahl im Vergleich zu Container- und Tankerfonds so gering ist, hat einen einfachen Grund: Kreuzfahrtschiffe bieten in der Regel nicht die für Anleger so günstige Tonnagebesteuerung. Die Initiatoren entwickeln dafür andere Modelle, um die Steuer im Zaum zu halten. Nur einer der neuen Fonds, der Buss Kreuzfahrtfonds 1, wagt sich auf die hohe See. „Wir sehen in der Hochseekreuzfahrt sehr großes Potenzial“, sagt Buss- Geschäftsführer Marc Nagel. Nur ein Schiff zu finanzieren ist ihm allerdings zu risikoreich. Daher streut der Buss-Fonds das Anlegergeld über mehrere Anlagen. In welche, weiß der Anleger bei Zeichnung noch nicht. Mit rund einem Drittel des eingesammelten Kapitals sollen mehrere Schiffe oder Beteiligungen an Schiffen oder Schifffahrtsgesellschaften gekauft werden. Zwei Drittel werden als Darlehen in Form von Mezzanine-Kapital an Kreuzfahrtreedereien ausgegeben. Vier Kredite sind schon unter Dach und Fach, allesamt an mittelständische Reedereien. „Für zwei Kreuzfahrtschiffe laufen bereits Verhandlungen“, so Nagel. Hauptpartner des Fonds ist die zur DZ-Bank-Gruppe gehörende DVB Bank, die die Auswahl der Investments verantwortet.
Die Konstruktion des Fonds erfordert etwas Aufmerksamkeit von Beratern und Anlegern. Anleger investieren klassisch in eine GmbH & Co. KG. Diese vergibt Darlehen an den Cruise Ferry Master Fund und kauft Genussrechte von diesem Fonds. Der Fonds wurde auf Curaçao für das Fondskonzept aufgelegt und wird von der DVB gemanagt. Neben der Fonds-KG investieren die DVB und eventuell nachfolgende Buss-Fonds in den Fonds. Der Großteil (60 Prozent) des Fondsvolumens stammt aus Bankkrediten. Der Cruise Ferry Fund vergibt dann seinerseits die Mezzanine-Darlehen und kauft die Schiffe. „Insgesamt rechnen wir mit einer Steuerbelastung von durchschnittlich nur 18 Prozent auf sämtliche Erträge“, nennt Nagel den Vorteil des komplexen Modells. Nachteil: Dem Anleger gehört kein Schiff, sondern Genussrechte und Darlehensforderungen an einen auf Curaçao aufgelegten Fonds.

Amerikaner kreuzen auf Europas Flüssen

Das sieht ganz anders aus bei den beiden weiteren Fonds im Angebot. Sie investieren jeweils direkt in ein Flusskreuzfahrtschiff. Der Blue Ships 1 hat die neu gebaute Avalon Scenery gekauft, ein Vier-Sterne-Plus-Schiff, das für den Reiseveranstalter Globus Cosmus vor allem amerikanische Touristen durch das französische Rhône-Tal schippern soll. Der Chartervertrag besteht zunächst für fünf Jahre, Global Cosmus kann zweimal drei Jahre verlängern. Den nautisch-technischen Betrieb und den Hotel- und Catering-Service übernimmt die Schweizer River Services. Hinter dem Fonds stehen die Gründer des Emissionshauses HPC, Michael Pirgmann und André Hoffmann, sowie Stefan Büttner, Chef des Elbe-Emissionshauses.
Der dritte Fonds kommt vom Platzhirschen Premicon. Das Unternehmen hat bisher 15 Fonds platziert, fast ausschließlich im Flusskreuzfahrtbereich. Die Leis tungsbilanz für 2006 zeigt, dass die laufenden Fonds weitgehend prospektgemäß ausschütten, einige hängen den Sollwerten hinterher. Neben dem Initiatorengeschäft betreibt Premicon seine eigene Flotte.
Die Premicon Queen aus dem aktuellen Fondsangebot ist der 21. Flusskreuzer. Er soll ab Juli auf Rhein, Main und Donau fahren. Verchartert ist das Schiff für zunächst vier Saisons an Premicon Line, dem Reiseveranstalter der Gruppe. Den Exklusiv-Vertrieb und den Betrieb übernimmt die Köln-Düsseldorfer, die ebenfalls zu Premicon gehört.
Um die Steuer auf die Erträge niedrig zu halten, soll die Fonds-Geschäftsführung ab 2009 nach Zypern verlegt werden, wo es laut Emissionsprospekt für deutsche Anleger einen jährlichen Steuerfreibetrag von rund 17.000 Euro gibt.
Die Premicon Queen kommt wie die Celebrity Solstice von der norddeutschen Meyer-Werft. Rasen gibt es an Bord des Flusskreuzers jedoch nicht. Premicon setzt vielmehr auf Ruhe. Das Luxusschiff ist ein Twin Cruiser, ein von Premicon entwickeltes Schiffsmodell, das den Antriebs- und Passagierbereich trennt und so lästige Geräusche von den Gästen fernhält.