Fidal-Research-Chef Thomas Heidel Geht die USA als Sieger aus dem Handelsstreit hervor?

Fidal-Research-Chef Thomas Heidel: Geht die USA als Sieger aus dem Handelsstreit hervor? | © Fidal

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Am 24. September hat der US-Präsident den Handelskonflikt angeheizt, indem er – wie vorher angekündigt – zusätzlich zu den bereits eingeführten Abgaben auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar weitere Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar in Kraft treten ließ. Damit ist rund die Hälfte aller chinesischen Exporte in die USA mit Zöllen belegt. Der Zollsatz beträgt zunächst zehn Prozent und soll ab dem nächsten Jahr auf 25 Prozent angehoben werden.

Schnelle Reaktion

Die chinesische Regierung reagierte prompt, da sie sich im Vorfeld der angedrohten Einführung zusätzlicher Zollmaßnahmen für eine Erhebung von Vergeltungszöllen auf Importe aus den USA im Volumen von 60 Mrd. US-Dollar entschieden hatte, wobei die Zollsätze zwischen fünf und zehn Prozent liegen. US-Präsident Donald Trump hat bereits angekündigt bei Gegenzöllen aus China in einer „dritten Phase“ des Handelsstreits weitere China-Importe im Wert von 267 Milliarden US-Dollar mit Zöllen zu belegen, wo- mit dann quasi die kompletten Importe aus China Zöllen unterliegen würden.

Die Reaktionsmöglichkeiten für China sind im Volumen begrenzt, da die gesamten US-Exporte nach China nur einen Wert von 130 Milliarden US-Dollar besitzen. Die geplanten Handelsgespräche zwischen den USA und China wurden abgesagt. Verhandlungspunkte waren der Vorwurf an China bezüglich des Technologiediebstahls und unfairer Beihilfen für chinesische Unternehmen und besonders das extrem hohe Außenhandelsdefizit der USA mit China, das sich im Juli auf ein monatliches Rekordniveau von 36,8 Milliarden US-Dollar ausgeweitet hatte. Das Minus der USA beim Güteraustausch mit China betrug 2017 rund 376 Milliarden US-Dollar.
USA vs. Europäische Union

2017 hatte die EU aus den USA Waren im Wert von 256 Milliarden Euro importiert und für 376 Milliarden Euro in die USA exportiert, somit war ein Außenhandelsüberschuss der EU mit den USA von 120 Milliarden Euro entstanden. EU-Hauptexporteure in die USA sind die Bundesrepublik Deutschland mit 111,5 Milliarden Euro und Großbritannien mit 52 Milliarden Euro. Die USA sind für Deutschland der wichtigste Handelspartner. Deutsche Firmen sind in den USA mit Direktinvestitionen von 390 Milliarden Euro und 850.000 Arbeitsplätzen vertreten.

EU-Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump hatten sich im Juli auf einen Waffenstillstand im Handelsstreit zwischen der USA und der Europäischen Union geeinigt und damit den Konflikt um Stahl, Aluminium und Autozölle erst einmal entschärft. Handelsgespräche sollten mit dem Ziel aufgenommen werden, die Zölle auf Industriegüter abzuschaffen. Bis November sollen erste Ergebnisse erzielt werden, die der US-Präsident für die im November 2018 stattfindenden Kongresswahlen in den USA nutzen könnte.

Am 10. September begannen der Handelsbeauftragte der USA, Robert Lighthizer, und die EU-Handelskommissarin, Cecilia Malmström, mit den Sondierungsgesprächen über die Hauptpunkte: regulatorische Zusammenarbeit, Sonderzölle auf Aluminium und Stahl, verstärkter Import von US-Sojabohnen und verflüssigtem Erdgas, Industriezollabkommen, Reform der Welthandelsorganisation.