Fidelity-Ausblick 2019: Aktien US-Unternehmensgewinne bestimmen die Richtung am Aktienmarkt

Romain Boscher, globaler Anlagechef für Aktien bei Fidelity International: Nach zehn Jahren der quantitativen Lockerung kommen langsam andere Faktoren ins Spiel. | © Fidelity

Romain Boscher, globaler Anlagechef für Aktien bei Fidelity International: Nach zehn Jahren der quantitativen Lockerung kommen langsam andere Faktoren ins Spiel. Foto: Fidelity

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In jedem guten Plot gibt es nur einen Protagonisten. Das gilt auch für die Bewertungen am US-Aktienmarkt 2019. Politische Turbulenzen und Handelsspannungen buhlen zwar um die Aufmerksamkeit der Anleger. Entscheidend wird aber das Gewinnwachstum der Unternehmen sein.

Außergewöhnliche Umstände haben in den USA in den ersten drei Quartalen 2018 die Gewinne je Aktie gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 24 Prozent nach oben getrieben. Ein Mix aus gesenkten Unternehmenssteuern, gelockerter Regulierung und Wirtschaftswachstum haben dem US-Markt im Vergleich zu überdurchschnittlicher Wertentwicklung verholfen.

Die Auswirkungen dieser sich nicht wiederholenden Sonderfaktoren auf das Gewinnwachstum dürften 2019 verblassen. In den USA werden die Gewinne zwar weiter steigen, aber das Tempo wird sich verlangsamen und mehr mit dem Wachstum der Realwirtschaft gleichziehen.

Wenn wir von einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum zwischen 3 und 4 Prozent, einer Inflationsrate von rund 2 Prozent und Aktienrückkäufen von rund 3 Prozent ausgehen, ist mit einem Gewinnwachstum in den USA im hohen einstelligen Bereich zu rechnen. Damit wird sich der US-Aktienmarkt dem Rest der Welt annähern, wo sich das Gewinnwachstum je Aktie um rund 8 Prozent bewegt.

Den Unternehmen könnte 2019 aber durchaus ein rauer Wind entgegenschlagen, beispielsweise durch eine sich beschleunigende Kosteninflation. Am anfälligsten hierfür sind arbeitsintensive Sektoren. Wir werden daher ganz genau verfolgen, inwieweit rasant steigende Fracht- und höhere Lohnkosten an die Verbraucher weitergegeben werden. Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen einen Teil dieses Kostenanstiegs schultern müssen und die Margen entsprechend unter Druck geraten.

Alles deutet auf ein nahes Ende des Zyklus am US-Markt hin

In einigen Sektoren, allen voran konsumabhängige wie etwa die Automobilbranche, steht das Ende des Zyklus bereits unmittelbar bevor. Für andere Sektoren liegt das Ende des Konjunkturzyklus dagegen noch in einiger Ferne: Viele Unternehmen befinden sich mitten in einem Investitionszyklus, der mit einem Volumen von einer Billion US-Dollar zu den umfangreichsten seit den 1960er-Jahren zählt. Befeuert wird der Investitionszyklus vor allem durch hohe Ausgaben für Software und Hardware. Aber nicht nur der Technologie- und Unternehmensdienstleistungssektor, auch andere Branchen werden von den höheren Investitionsausgaben der Industrie profitieren und sich 2019 voraussichtlich solide entwickeln.