Fidelity-Ausblick 2019: Multi-Asset Sorglosigkeit bei Inflation könnte Investoren überraschen

Traditionelles Weihnachtsbaumwerfen im kalifornischen Los Angeles: Die überreichen Erträge der vergangenen Jahre verstellen vielen Anlegern den Blick auf die Zeit nach der Party.  | © Getty Images

Traditionelles Weihnachtsbaumwerfen im kalifornischen Los Angeles: Die überreichen Erträge der vergangenen Jahre verstellen vielen Anlegern den Blick auf die Zeit nach der Party. Foto: Getty Images

James Bateman, Multi-Asset-Experte bei Fidelity

Der längste Bullenmarkt der Geschichte geht in sein zehntes Jahr, und langsam werden Verwerfungen sichtbar, gekennzeichnet von Volatilitätsschüben an den globalen Märkten. Zwar haben die Zentralbanken klargemacht, dass sie auf mögliche Anzeichen einer Lohninflation achten. Der Markt scheint uns aber angesichts steigender Preise erstaunlich selbstgefällig. Sichere Häfen wie inflationsindexierte Anleihen aus den USA gewinnen daher an Reiz.

Zugleich sind wir optimistisch, was den Ausblick 2019 für Aktien anbelangt, auch wenn Vorsicht ratsam scheint. Mit Blick auf die technischen Faktoren gibt es bislang noch keine Hinweise auf irrationale Überschwänglichkeit, die das Ende des Bullenmarktes andeuten würden. Für Value-Aktien ist das verglichen mit den höher bewerteten Wachstumsaktien aus unserer Sicht ein besonders positives Signal. An unserer neutralen Einschätzung von Aktien in volatilen Zeiten halten wir fest, wohl wissend, dass es selten eine gute Idee ist, in Momenten kurzzeitiger Turbulenz die Pferde zu wechseln. Insgesamt rechnen wir mit einem unbeständigen Marktumfeld, in dem wir alternative Investments als Quelle für kontinuierliche, unkorrelierte Renditen ins Auge fassen.

Inflation als Störfaktor

In diesem Jahr war der Preisauftrieb trotz des vor allem in den USA gesunden Wirtschaftswachstums verhalten. Das dürfte sich jedoch ändern, denn steigende Rohstoffpreise machen sich zunehmend im System bemerkbar, während zugleich die Lohnkosten anziehen. Folglich dürfte die Teuerungsrate auf der anderen Seite des Atlantiks 2019 weiter über das Zwei-Prozent-Ziel der US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) hinaus steigen.

In unserem Basisszenario gehen wir von einem moderaten Preisauftrieb aus. Aber die größten Probleme an den Märkten werden oft erst dann augenfällig, wenn es zu spät ist. Eine unerwartet starke Beschleunigung der Inflation wäre ein solches Problem. Seit einigen Jahrzehnten schon ist der Preisauftrieb in den Industrieländern weitgehend unter Kontrolle. Viele glauben deshalb, dass es den unabhängigen Zentralbanken gelungen sei, ihn für immer zu bändigen. Das ist der Nährboden für Selbstgefälligkeit, während die Gefahr einer Inflationsspirale real ist, sollten die Zentralbanken aus Angst vor einem Marktrückschlag von einer weiteren Straffung der Geldpolitik Abstand nehmen.

Eine kurze Phase mit über dem Ziel liegender Inflation könnten die Währungshüter in den USA unter Berücksichtigung eines jahrzehntelangen Horizonts durchaus rechtfertigen. Ein Preisauftrieb von bis zu 5 Prozent wäre tolerierbar, betrachtet vor dem Hintergrund der niedrigen Inflation der vergangenen zehn Jahre. Zudem könnte er durchaus weniger Risiken bergen als ein zu starkes Anziehen der Zinsschraube, womit die US-Notenbank Gefahr liefe, dem Wirtschaftswachstum das Wasser abzugraben.

Allerdings könnte die Fed hinter die Inflationskurve zurückfallen, sodass ihre Geldpolitik weniger berechenbar würde und die Märkte schwankungsanfälliger wären. Aus diesen Gründen dürften sich Anlageinstrumente, die wie US-TIPS Inflationsschutz bieten, zumindest 2019 gut entwickeln und möglicherweise sogar deutlich besser abschneiden als Bereiche des Anleihemarktes, die empfindlich auf einen Anstieg der Preise und Zinsen reagieren.

Grafik 1: Inflation in den USA auf dem Vormarsch:

Quelle: Haver Analytics, Fidelity International, Stand: Oktober 2018

Während es der Fed schon bald schwerfallen könnte, die Inflation in Schach zu halten, würde sich die Europäische Zentralbank hingegen über mehr Preisauftrieb freuen. Denn auf dem alten Kontinent haben die Inflationsdaten und Einkaufsmanagerindizes enttäuscht und bestätigen unseren wenig erbaulichen Ausblick für die Region. Wir rechnen mit Abwärtsdruck auf den Euro und schätzen die Aussichten für europäische Hochzinsanleihen und Staatsanleihen aus der Peripherie wenig aussichtsreich ein, solange politische Unsicherheiten und langsames Wachstum Europa im Würgegriff halten.

Gold kann Schutz bieten

Der weltweite Inflationstrend lässt sich kaum genau vorhersagen, und Gold steht exemplarisch für Anlagewerte, die in unsicheren Zeiten Schutz bieten. Mit dem gelben Edelmetall wappnen sich Anleger seit jeher erfolgreich gegen die Gefahren einer Geldentwertung und steigende Inflationserwartungen. Gold kann sich aber auch in einem Umfeld mit auf breiter Front rückläufigen Preisen gut entwickeln. Diese Marktlage wird häufig von einer einbrechenden Binnennachfrage und defensiver Positionierung der Anleger begleitet.

Das Jahr der lang erwarteten Aktienrotation

An den Märkten ist ein Führungswechsel überfällig. Der Bullenmarkt befindet sich im Endstadium, ist aber noch nicht abgeschlossen. Wir sind daher vorsichtig optimistisch, dass technische Faktoren die Weichen für weitere Kursgewinne stellen, selbst wenn sich die Fundamentaldaten abschwächen sollten. Noch können wir keine Anzeichen eines irrationalen Überschwangs erkennen, der das Ende einer Hausse kennzeichnet. Das bislang trocken gehaltene Pulver könnte somit durchaus in Unternehmen fließen, die in den vergangenen Jahren bei Anlegern wenig beliebt waren.

Wir halten daher nach Anlagechancen bei Zyklikern mit traditionellem Wertpotenzial Ausschau. Ihnen könnte in einem solchen Umfeld Kapital zufließen, das Anleger aus der Handvoll Technologiewerte abziehen, die den Markt über weite Strecken 2018 in die Höhe getrieben haben. Dabei müssen wir uns jedoch vor Wertfallen hüten, die vor allem bei Finanztiteln lauern.

Die aufregende Wachstumsstory rund um Namen wie Amazon und Netflix hat zu einer merklichen Kursverzerrung zwischen Unternehmen beigetragen, die der Markt für interessant hält, und jenen, die er langweilig findet. Aber ein Unternehmen wie Netflix zu bewerten, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit: In 15 Jahren könnte Netflix den Markt beherrschen, aber genauso gut auch nichts mehr wert sein.

Tatsächlich war es die generelle Neubewertung  von Wachstumsaussichten der Unternehmen, die für den Großteil der Volatilität in den vergangenen zwei Monaten verantwortlich zeichnete. In dieser Zeit hielten wir an unserem neutralen Ausblick für Aktien fest. Wir wissen, dass die Marktteilnehmer dazu neigen, kurzfristige Schwankungen der Vermögenspreise zu über- beziehungsweise unterschätzen. Die Pferde in Momenten kurzfristiger Volatilität zu wechseln, ist selten eine gute Idee.

Rendite mit alternativen Investments

Immer aussichtsreicher werden in diesem unbeständigen Umfeld alternative Investments, die kontinuierliche, unkorrelierte Renditen bieten können. Anlagen in Infrastruktur, erneuerbare Energien und marktneutrale Strategien bringen wichtige Diversifizierungsvorteile für Multi-Asset-Strategien. 2018 war ein Jahr, in dem es sich ausgezahlt hat, länger risikofreudiger zu sein. Und auch wenn 2019 Potenzial hat: Wir werden ganz genau auf Hinweise achten, damit Risikobereitschaft nicht bestraft wird, sobald die Märkte den Rückwärtsgang einlegen. Unsere Portfolios werden wir entsprechend positionieren.

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