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Fidelity Marktanalyse: Ist Japan bei Anlegern zu Recht unbeliebt?

Dominic Rossi, Aktien-Investmentchef bei Fidelity

Dominic Rossi, Aktien-Investmentchef bei Fidelity

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Japan steht vor großen Herausforderungen, das ist bekannt. Ich möchte an dieser Stelle aber gar nicht im Detail auf Themen wie demografischer Wandel, hohe Staatsverschuldung, Haushaltsdefizit oder die Eigenheiten bei der Corporate Governance eingehen. Denn die Gefahr ist groß, dass bei der Betrachtung dieser wenig ermutigenden Auflistung der aktuellen Probleme die durchaus vorhandenen positiven Aspekte vergessen werden.

Etwa die Wiederwahl Abes und was sie für den Yen bedeuten könnte. Vielleicht bringt sie sogar neuen Schwung für notwendige Reformen. Aber Japans politische Klasse – Abe eingeschlossen – hat in den letzten Jahren herzlich wenig dazu beigetragen, das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. Zu mächtig sind die Einzelinteressen, die den nötigen Reformen immer wieder im Wege stehen.

Außerdem ist Japans Regierung bei Leibe nicht die einzige, die einer schwachen Währung das Wort redet. Bei den Argumenten pro oder contra einer Anlage in japanische Aktien sollte das Augenmerk daher nicht zu stark auf den politischen Entwicklungen liegen. In diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass Japans Wirtschaftsprobleme keineswegs einzigartig sind – wenn auch aus dem wenig schmeichelhaften Grund, dass sich andere große Wirtschaftsblöcke eher in Japans Richtung entwickelt haben als umgekehrt.

Vielmehr gilt, dass eine Anlage in Aktien(fonds) eines bestimmten Landes nicht gleichzusetzen ist mit einer Anlage in die Wirtschaft dieses Landes. Zum Beispiel, weil einzelne Unternehmen nicht zwangsläufig nur an ihrem Heimatmarkt engagiert sein müssen. Und auch wenn eine antizyklische Strategie nicht immer aufgeht, kann es in Zeiten, in denen sich der Markt über einen längeren Zeitraum in eine Richtung bewegt, nicht schaden, sich eingehender mit dem Argument der Gegenseite zu beschäftigen.

Zugegebenermaßen spricht derzeit kaum etwas für ETFs oder andere passive Strategien am japanischen Markt. Die undifferenzierte Anlage in einen Korb aus den größten japanischen Unternehmen hat wenig Aussicht auf Erfolg, denn die meisten von ihnen sind zu eng mit Japans Problemen verbunden und verdanken ihre Größe vor allem ihrem vergangenen Glanz und weniger ihren zu erwartenden Erfolgen. Allerdings sollten Anleger nicht den Fehler begehen, die Probleme Japans auf alle Unternehmen im Land zu übertragen.