Thomas Wüst

Thomas Wüst

Fiesta an Spaniens Finanzmärkten

Analysiert man die Finanzmarktentwicklungen während der Sommerferien in Deutschland, so bietet sich der Zeitraum der Schulferien vom 24. Juni bis 06. September 2013 an. Während dieser Phase kam es an den Finanzmärkten zu folgenden Entwicklungen:



Unterschiede in „BRIC“-Staaten: Indien stagniert, Brasilien auf Erholungskurs

Im Juni standen die Finanzmärkte nach den Äußerungen von Ben Bernanke, dem US-Notenbankchef, noch stark unter Druck. Er hatte angekündigt, dass in den USA das Programm zum Kauf von Staatsanleihen und Pfandbriefen („Quantitative Easing III“) vorzeitig reduziert werden könnte. Die Angst vor einem restriktiveren US-Notenbankkurs hatte unter anderem dazu geführt, dass Anleger massiv Kapital aus den Schwellenländern abzogen, was deren Währungen unter Druck gesetzt hatte.

Die Indische Rupie hat unter dieser Entwicklung besonders stark gelitten und gegenüber dem Euro auch während der Sommerferien weiter an Wert verloren. Seit Jahresbeginn hat die indische Währung über 18,5 Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt.

Die Finanzmärkte anderer Schwellenländer haben sich während der Sommerferien jedoch behaupten können: so grenzte der Brasilianische Real zuletzt die Abwertung gegenüber dem Euro ein und der Aktien-Leitindex Bovespa erholte sich dynamisch von seinem Verlaufstief Anfang Juli.

Anzeichen für eine Konvergenz der Zinsen in der Eurozone?

Bedingt durch die Unruhen in Ägypten, Tunesien und in der Türkei, erfreute sich Spanien als Urlaubsland einer regen Nachfrage. Dabei konnte die iberische Halbinsel nicht nur als Feriendomizil punkten, auch die Finanzmärkte Spaniens zeigten sich in einer robusten Verfassung. So haben verbesserte konjunkturelle Perspektiven den Aktienmarkt in Spanien beflügelt.

Während in den USA, Frankreich und Deutschland die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen leicht gestiegen sind, profitierte Spanien zudem von einem Zinsrückgang. Diese Entwicklung ist die Fortsetzung eines Trends, der sich seit Jahresbeginn an den Finanzmärkten in der Eurozone etabliert hat: während die Renditen in Staaten wie zum Beispiel Deutschland, Niederlande und Frankreich gestiegen sind, blieben die Renditen der südlichen Länder (wie zum Beispiel Italien, Spanien, Portugal) stabil besziehungsweise sind sogar wie im Fall Spaniens gesunken.

Hier wieder von einer Angleichung der Zinssätze innerhalb der Eurozone zu sprechen, ist sicherlich noch verfrüht. In einem künftig engeren Haftungsverbund innerhalb Europas wäre eine Fortsetzung dieser Entwicklung jedoch logisch.  

Hohe Anspannung vor der nächsten Sitzung der US-Notenbank

Der Zinsanstieg in den USA hat sich in den Sommermonaten fortgesetzt. Unter den gestiegenen Hypothekenzinsen leidet bereits der Immobiliensektor und die Kauflust der Konsumenten in den USA wurde gebremst. Obwohl die US-Arbeitslosenquote wieder auf 7,3 Prozent gefallen ist, muss die FED bei ihrer nächsten geldpolitischen Entscheidung am 18. September sorgfältig abwägen, ob die Konjunktur in den USA bereits höhere Zinsniveaus verkraften kann.

Vor dem Hintergrund des Zinsanstieges in 2013 und der Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Notenbank ist es bemerkenswert, dass sich der US-Aktienmarkt auch während der Ferienzeit auf einem relativ hohen Niveau halten konnte.

Fazit und Ausblick: Politische Börsen haben kurze Beine

   
Mit Ausnahme Indiens konnten sich die Aktienmärkte der BRIC-Staaten in den Sommerferien wieder kräftig von ihren Jahrestiefs erholen. In der Eurozone hat sich die Einengung der Renditedifferenz zwischen den 10-jährigen Staatsanleihen der Nord- und Südländer fortgesetzt.

Politische Konflikte, wie aktuell in Syrien, wirken sich erfahrungsgemäß nicht nachhaltig auf die Finanzmärkte aus. Von größerer Bedeutung ist sicherlich der künftige geldpolitische Kurs der Notenbanken der großen Industrienationen. Auch hier ist eines sicher: den Leitzins werden diese Notenbanken mittelfristig nicht anheben. Das Potenzial weiterer Zinssteigerungen in den mittleren und langfristigen Laufzeitsegmenten bleibt somit begrenzt – ungeachtet des Ausgangs der nächsten US-Notenbanksitzung.

Inwieweit die Bundestagswahl am 22. September die Finanzmärkte beeinflussen wird, hängt von dem Überraschungspotenzial des Wahlausgangs ab. Nur bei einem Ergebnis, mit dem aktuell niemand rechnet, könnte es kurzfristig zu Irritationen an den Finanzmärkten kommen.

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