US-Präsident Donald Trump sorgt mit seiner Strategie bei den Strafzöllen für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten. Nach der Ankündigung der zweiten Runde von Strafzöllen Anfang April, die er wenige Tage später – außer für China – wieder ausgesetzt hat, schoss der US-Volatilitätsindex VIX auf mehr als 50 Punkte in die Höhe. Dies war der höchste Stand seit dem Corona-Crash im März 2020.
Gleichzeitig bewegte sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von unter vier auf mehr als 4,5 Prozent in der Spitze. Einen so starken und schnellen Anstieg hatte es selbst zuzeiten der Lehman-Pleite nicht gegeben. Bei sich so schnell verändernden Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten wird viel über die richtige Diversifikation diskutiert.
Im Gegensatz zu institutionellen Anlegern verstehen die meisten Privatanleger darunter die Aufteilung des liquiden Vermögens auf die Anlageklassen Aktien, Anleihen, Gold und Liquidität. Realitätsnah investieren die meisten Portfolien nicht einmal in zwei unterschiedliche Anlageklassen. Das ist zu einseitig, um Risiken optimal zu verteilen.
Bei Einwirkung äußerer Faktoren auf den Kapitalmarkt, wie beispielsweise in jüngster Zeit Corona, Ukrainekrieg oder amerikanische Zollpolitik, entstehen extrem volatile Märkte. In diesen Phasen reagieren Privatanleger oftmals hektisch mit einseitigen Entscheidungen wie Reduzierung von Aktienquoten oder lediglich regionaler Umverteilung des Wertpapierportfolios.
Vermögen frühzeitig diversifizieren
Das ist im Prinzip wie bei dem eigenen Körper: Wenn es akut im Nacken schmerzt, dann wird dort die schnelle Lösung gesucht. Das Problem ist aber häufig über ein fehlerhaftes Zusammenspiel ganz anderer Körperstellen entstanden. Wäre der Körper in seiner Gesamtheit nachhaltig im Lot, gäbe es keine Schmerzen im Nacken. Übertragen auf das Portfolio lässt sich ableiten, dass es unerlässlich ist, frühzeitig sein Gesamtvermögen individuell zu diversifizieren und regelmäßig zu überprüfen.
In herausfordernden Zeiten an den Kapitalmärkten werden Stiftungen als Orientierungshilfe für Kleinanleger gepriesen. Sie müssen meist satzungsgemäß ihr Grundstockvermögen erhalten und benötigen gleichzeitig planbare Erträge, um ihren Stiftungszweck langfristig erfüllen zu können. Für viele Stiftungen steht ein risikoarmes Portfolio daher im Vordergrund. Da weitläufig Aktien als volatil und vor allem Staatsanleihen als sicher gelten, erklärt dies zumeist die Entscheidung von Stiftungsgremien für niedrige Aktienquoten.
Zwei Dinge werden dabei gerne übersehen. So ist es kaum möglich, mit einer (zu) geringen Aktienquote von beispielsweise 20 bis 30 Prozent dauerhaft den realen Erhalt des Gesamtvermögens zu erreichen. Außerdem werden die Risiken der Qualitäts-Aktien oft überschätzt. Zwar schwanken Dividendentitel kurzfristig fast immer stärker als Anleihen, dieser Umstand relativiert sich allerdings, je länger der Anlagehorizont ist. Trotz Corona-Crash und Ukrainekrieg kletterten viele führende Indizes bis Januar von einem Allzeithoch zum nächsten. Selbst Anleger, die zu den Höchstkursen vor Ausbruch der beiden Krisen in den Aktienmarkt eingestiegen sind, können trotz der jüngsten Korrektur weiterhin eine positive Performance vorweisen.
Anleihen nicht immer ein „Safe-Haven“-Investment
Umgekehrt wird der Sicherheitsaspekt von Anleihen immer wieder überschätzt. Der jüngste Crash nach Trumps Strafzolldrohungen hat dies einmal mehr gezeigt. Gleichzeitig riskieren Anleger mit einer hohen Anleihequote in Niedrigzinsphasen einen realen Vermögensverzehr beziehungsweise bei steigenden Zinsen entsprechende Kursverluste. Interessant ist, dass beispielsweise Universitäten wie Yale oder Harvard, die seit Jahrzehnten erfolgreich ihr Vermögen in Form eines Stiftungsfonds verwalten, die Anleihequote unter zehn Prozent halten.
Die Trump-Turbulenzen haben auch am Nimbus des US-Dollars als sicherer Hafen gekratzt. Statt die Parität zum Euro anzusteuern, hat der „Greenback“ seit Jahresbeginn zehn Prozent an Wert verloren.
Dagegen wird vor allem Gold seinem guten Ruf als „Safe Haven“ gerecht. Seit zweieinhalb Jahren steigt das Edelmetall fast ununterbrochen im Wert und scheint kein Limit zu kennen. Auch Anleger aus dem Euroraum sind mit Gold in diesem Jahr bisher glänzend gefahren, da der Preis deutlich stärker stieg, als der Dollar an Wert verlor. Anleger sollten allerdings berücksichtigen, dass sich Gold als Beimischung für Werterhalt und Performance eignet, aber keine Ausschüttungen generiert und somit für ausschüttungsorientierte Anleger wie Stiftungen nur bedingt passt.
Auch illiquide Anlagen berücksichtigen
Ein wichtiger Aspekt, die Verteilung des Vermögens etwas umfassender zu betrachten, ist die Einbeziehung illiquider Anlageklassen. Dies beginnt bei Kleinanlegern bei der selbst genutzten Immobilie. Die Risikobewertung eines Vermögens fällt völlig anders aus, wenn ein Wertpapierportfolio isoliert betrachtet wird oder wenn Immobilien mit einbezogen werden. Gleiches gilt, wenn Schmuck, Oldtimer, Kunst oder Firmenanteile in größerem Umfang vorhanden sind.
Vor diesem Hintergrund verteilen institutionelle Investoren ihr Vermögen nicht nur auf Aktien, Anleihen, Gold und Liquidität, sondern beziehen auch illiquide Anlageklassen wie Private Markets in ihre Anlagestrategie mit ein. Investitionen beispielsweise in Private Equity, Venture Capital, Private Real Estate, Infrastruktur oder Private Debt spielen dabei eine bedeutende Rolle.
Diese Investitionsmöglichkeiten charakterisieren sich durch Beteiligungen außerhalb regulierter Börsen mit Laufzeiten, die oft sieben bis zehn Jahre oder länger dauern und deren Rückflüsse typischerweise über Exit-Strategien wie Verkauf oder IPO erfolgen. Hohe Eintrittsbarrieren ermöglichen oft nur institutionellen Investoren oder vermögenden Privatanlegern den Zugang. Dem stehen höhere Renditechancen aufgrund der Kompensation für Illiquidität, Komplexität und Risiko gegenüber. Ziel ist die Outperformance gegenüber Public Markets.
Über den Autor:
Marco Kretschmann leitet den Standort des Multi-Family-Office Qcoon-Invest in München. Dort betreut er hochvermögende Privatkunden und institutionelle Anleger wie Stiftungen, Kirchen und Universitäten. Zuvor arbeitete er für internationale Häuser und zuletzt für die Fürstlich Castell’sche Bank.
