Finanzberatung „Diese neue Steuerregel macht Mischfonds unattraktiver“

Thomas Sättele ist Vorstandsvorsitzender der Finanzberatung Fondsbroker aus dem baden-württembergischen Hirschberg.  | © Fondsbroker Financial Consulting

Thomas Sättele ist Vorstandsvorsitzender der Finanzberatung Fondsbroker aus dem baden-württembergischen Hirschberg. Foto: Fondsbroker Financial Consulting

DAS INVESTMENT: Seit einem Jahr sind Mifid II und die Investmentsteuerreform wirksam. Wie kommt das veränderte Prozedere bei den Kunden an?

Thomas Sättele: Die vielen neuen Regeln und steuerlichen Änderungen verunsichern unserer Erfahrung nach die Kunden. Mit der Investmentsteuerreform vom 1. Januar 2018 wurde ja einfach nur das deutsche Recht an die EU-Regulierung angepasst. Es war nicht Ziel der Reform, die Dinge auch für Kunden einfacher zu gestalten.

Wie und wann erläutern Sie Ihren Kunden Änderungen?

Sättele: Wir haben versucht, unsere Kunden so früh wie möglich auf die neue Gesetzgebung vorzubereiten. Über unser hauseigenes Kundenmagazin „Fondsnews“ haben wir beispielsweise Themen wie die Teilfreistellungen oder die Vorabpauschale näher erklärt und auch die konkreten Auswirkungen für unsere Kunden beschrieben. Trotzdem waren die neuen Regeln auch immer wieder Thema in den persönlichen Beratungsgesprächen – mehr als wir oder die Kunden sich das manchmal wünschen würden.

Schauen Kunden nach den neuen Transparenzregeln heute kritischer auf die Gebühren als früher?

Sättele: Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Kosten immer dann keine Rolle spielen, wenn unter dem Strich das Ergebnis stimmt. Sie sind für Kunden natürlich ein wichtiges Kriterium, aber unserer Erfahrung nach stehen andere Faktoren im Vordergrund. Beispielsweise wird die Honorarberatung in Deutschland häufig mit dem Argument kleingeredet, dass Kunden nicht bereit seien, vermeintlich teure Beratungshonorare zu bezahlen. Die Provisionsberatung sei daher alternativlos. Wenn Kunden transparent alle Kosten offengelegt bekommen und Ihnen bewusst wird, wie wichtig es ist, Fehlanreize in der Beratung zu vermeiden, sind sie in der Regel gerne bereit, Honorare zu bezahlen.

Berücksichtigen Sie Steuergesichtspunkte bei Ihren Anlage-Empfehlungen?

Sättele: Auch wenn bei unseren Anlageempfehlungen selbstverständlich andere Faktoren wichtiger sind, beziehen wir gerade in den vergangenen zwölf Monaten steuerliche Aspekte immer stärker in unsere Strategien mit ein.

Inwiefern genau?

Sättele: Mit Blick auf die vorgezogene Besteuerung und damit Belastung der Kunden durch die Vorabpauschale allokieren wir verstärkt ausschüttende Fondstranchen in unseren Kundenportfolios. Aus unserer Sicht sind allerdings die Teilfreistellungen für das Anlageergebnis deutlich entscheidender. Sie werden in der Branche noch zu häufig unterschätzt. Mit den geringeren oder vollständigen fehlenden Teilfreistellungen sind Multi-Asset-Fonds, Verkaufsschlager der letzten Jahre, deutlich unattraktiver geworden. Berater, die Diversifikation nicht über einige, wenige Mischfonds, sondern per Selektion verschiedener Aktien-, Anleihe-, Rohstoff- und Immobilienfonds steuern, können ihren Kunden damit einen echten Mehrwert liefern.