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Finanz-Wissen stärken
„Wir sollten mehr in die Eigenverantwortung der Menschen investieren“
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Finanz-Wissen stärken „Wir sollten mehr in die Eigenverantwortung der Menschen investieren“

Junge Erwachsene in einem Klassenraum
Junge Erwachsene in einem Klassenraum: „Finanzkompetenz ist eine Frage sozialer Chancengerechtigkeit“, erklärt Jörg Arnold, Chef der Swiss Life Deutschland, in einem Gastbeitrag. | Foto: Ivan Samkov / Pexels

Internationalen Studien zufolge fühlen sich gerade Menschen in Deutschland finanziell nicht gebildet genug. Das Resultat daraus lässt sich in zahlreichen Statistiken ablesen: Im Europavergleich rangieren wir sowohl bei der Aktionärs- als auch der Eigentumsquote auf den hinteren Rängen. In Deutschland ist der Anteil kapitalgedeckter, privater und betrieblicher Renten am Renteneinkommen äußerst niedrig, obwohl die Sparquote im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn überdurchschnittlich hoch wäre. Dass wir damit auch volkswirtschaftlich nicht gut abschneiden, ist offensichtlich. Wir lassen die Potentiale des privaten Sektors sowohl bei Investitionsvorhaben, dem Wohnungsbau und der Entlastung unseres Rentensystems ungenutzt. 

Wir müssen also konstatieren: unser Umgang mit Finanzen ist nicht gut. Und dieses Verhalten übertragen wir von einer Generation zur nächsten. Doch das Problem liegt nicht an den Bürgerinnen und Bürgern, denn aus Befragungen wissen wir, dass es 80 Prozent der Menschen wichtig wäre, selbstbestimmt Finanzfragen zu beantworten. Doch vielen fehlt neben der Lust und dem Antrieb vor allem die Kenntnis. Lediglich ein Drittel fühlt sich grundsätzlich über Finanzthemen informiert. 

Finanzwissen muss nachhaltig in der Gesellschaft verankert sein 

Jörg Arnold, CEO Swiss Life Deutschland
Jörg Arnold © Swiss Life Deutschland

Wir haben also vielmehr ein strukturelles Defizit, das auch Auswirkung auf die gesellschaftliche Teilhabe hierzulande hat. Denn wer in der Lage ist, für sich selbst zu entscheiden und Finanzfragen zu beantworten, kann ökonomische Ziele formulieren, für das Alter vorsorgen und profitiert von Gestaltungsoptionen. Finanzkompetenz ist also eine Frage sozialer Chancengerechtigkeit. Heute ist es mehr dem Zufall oder dem Elternhaus geschuldet, ob man nicht nur über finanzielle Mittel, sondern auch über Finanzwissen verfügt. Für eine echte Chancengerechtigkeit sollten wir mehr in die Eigenverantwortung der Menschen investieren. 

Wenn die Bundesregierung künftig 2 Millionen Euro im Rahmen der Initiative Finanzielle Bildung investiert, ist das deshalb ein grundsätzlich gutes Zeichen. Damit sie aber über Symbolpolitik hinaus Wirkung erzielt, braucht es zusätzlich ein anderes Verständnis im Umgang mit Finanzen. 

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Menschen frühzeitig und langfristig zur Teilhabe befähigen
– mit schulischen und außerschulischen Angeboten

Unser Schulsystem ist reformbedürftig. Die Lehrpläne wirken nicht immer zeitgemäß und bilden die Anforderungen an eine moderne, digitale und vielfältige Lebenswirklichkeit und Gesellschaft unzureichend ab. Sie bereiten nur bedingt auf ein selbstbestimmtes Leben vor. Es ist notwendig, dass die Schule auch praxisorientiert auf relevante Alltagsfragen vorbereitet. Und dazu zählen Finanzentscheidungen. 

 

Neben einem obligatorischen Schulfach für Finanzen und Wirtschaft braucht es deshalb ausgebildetes Personal, welches selbst über genügend Fachwissen verfügt und Freude dabei hat diese Lerninhalte zu vermitteln. Wer schließlich mit einem positiven Mindset Inhalte präsentiert und Zusammenhänge erklärt, ermöglicht den anderen einen leichteren Zugang. Es ist wichtig, dass Deutschland hier nicht an vermeintlichen Hürden des Föderalismus scheitert, sondern gemeinschaftlich handelt. Auch ehrenamtliche, gemeinwohlorientierte oder privatwirtschaftliche Einrichtungen könnten ihr Wissen einbringen. 

Eine Offensive für Finanzwissen hat insbesondere dann Wirkung, wenn sie alle Bevölkerungs-, Bildungs- und gesellschaftliche Schichten erreicht und Menschen jeden Alters, Geschlechts und unabhängig von Herkunft und Milieu gleichermaßen anspricht. Finanzbildung darf daher nicht nur eine Aufgabe der Schule sein. Es braucht sowohl digitale als auch analoge Bildungs- und Informationsangebote und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die eine zielgruppengerechte und gleichzeitig fundierte Ansprache ermöglichen, sowohl im schulischen als auch außerschulischen Umfeld. 

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