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Umfrage von Union Investment Finanzbildung ist wichtig, aber ...

Junge Menschen nachts auf dem Berliner Alexanderplatz
Junge Menschen nachts auf dem Berliner Alexanderplatz: Eine Umfrage von Union Investment beschäftigt sich mit dem Finanzwissen und Sparverhalten junger Erwachsener. | Foto: imago images / Sabine Gudath

Es sei im Prinzip zwar wichtig, sich mit Finanzthemen auszukennen, um gut auf das Leben vorbereitet zu sein. Dennoch möchten sich viele junge Menschen nicht mit dem Thema beschäftigen. Das ergab eine Umfrage, die die Marktforschungsfirma Forsa im Auftrag von Union Investment unter 2.024 18- bis 29-Jährigen durchgeführt hat. Die Befragung fand online statt.

Wie oft setzen Sie sich mit Finanzthemen auseinander?

Alle Grafiken: Union Investment

Demnach beschäftigen sich besonders selten Schüler, am häufigsten dagegen noch junge Berufstätige mit dem Thema Finanzen. Als häufige Gründe, warum man nicht tiefer in das Thema einsteigen wolle, gaben viele Befragte an, dass es ihnen generell zu kompliziert sei (42 Prozent) oder dass sie kein Interesse daran hätten (39 Prozent). Etwas mehr als jeder Dritte (36 Prozent) glaubt auch, zu wenig Geld für Rücklagen zur Verfügung zu haben. 14 Prozent sagen, dass sich andere für sie darum kümmerten, etwa die Familie oder Partner.

Wie schätzen Sie Ihr eigenes Finanzwissen ein?

Insgesamt würden die meisten jungen Menschen sich selbst eine Schulnote zwischen 3 (befriedigend) und 4 (ausreichend) für das eigene Finanzwissen erteilen. Wieso es darum so schlecht bestellt ist? Der Großteil sieht die Versäumnisse aufseiten der Schulen liegen: 85 Prozent meinen, dass diese für die Vermittlung von Finanzwissen zuständig seien. 69 Prozent sehen auch die Familien in der Pflicht.              

Wer ist für die Vermittlung von Finanzwissen zuständig?

Dabei attestiert das Gros der Befragten gerade den Schulen einen schlechten Job bei der Vermittlung von Finanzthemen. Die Bildungseinrichtungen erhalten bei ihnen im Durschnitt die Schulnote 4,8. Familien kommen immerhin auf einen Schnitt von 2,8.

Gefragt nach einzelnen Wissensbereichen innerhalb des Themenkomplexes Finanzen wollen sich die Befragten am besten beim Thema Zinsen auskennen. 35 Prozent beurteilten ihr Wissen dort als gut oder sehr gut. Auf der anderen Seite bescheinigten sich allerdings 32 Prozent auch ein ausreichendes bis ungenügendes Wissen auf dem Gebiet. Große Wissensdefizite offenbart die Umfrage auch bei Thema Vermögenswirksame Leistungen: Immerhin 53 Prozent der jungen Leute wüssten nichts oder nur sehr wenig über das Thema, stellt man bei Union Investment fest. Auch beim Begriff „Rendite“ müssen viele passen: 52 Prozent der Befragten kennen sich hier schlecht oder gar nicht aus.

Insgesamt kommen die Befragten nach eigenen Angaben im Durchschnitt finanziell gut zurecht. Rund die Hälfte (48 Prozent) gibt an, dass es ihnen finanziell gut gehe. 38 Prozent sagen, dass sie mit ihrem Geld auskämen, zum Sparen jedoch kaum etwas übrigbleibe. Trotzdem legen laut der Umfrage neun von zehn jungen Menschen Geld zurück. 58 Prozent sparen dabei regelmäßig, 33 Prozent legen etwas zurück, wenn etwas übrigbleibt. Unter jungen Erwerbstätigen sparen sogar 74 Prozent regelmäßig Geld.

Bei der Form der Geldanlage offenbart sich allerdings ein Widerspruch: Zwar halten die meisten Befragten vor allem Aktien für eine Geldanlage, die Aussicht auf Wertsteigerung bietet. Dagegen ist die real angewendete häufigste Sparform das Sparbuch. Immerhin jeder Dritte legt auch Geld in Fonds an – speziell unter jungen Berufstätigen ist es sogar jeder Zweite.

Welche Geldanlagen besitzen Sie – und wo lassen sich besonders gut Gewinne erzielen?

„Die These, wonach junge Menschen das Sparen verlernt haben, greift nicht“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, angesichts der Umfrageergebnisse. „Sparen spielt auch in dieser Generation eine wichtige Rolle. Dabei fällt auf, dass auch diejenigen sparen, die sich finanziell strecken müssen.“ Dass junge Menschen das Thema Finanzen zwar hoch priorisieren, sich allerdings nur vergleichsweise selten damit beschäftigen, ist nach Gays Meinung vor allem Versäumnis der Schulen. „Beim Thema Finanzbildung wären die Schulen nach dieser Beurteilung stark versetzungsgefährdet“, urteilt Gay. Die Anstrengungen, die unterschiedliche Bundesländer auf dem Gebiet in den vergangenen Jahren angekündigt haben, ließen sich aus den ermittelten Zahlen bislang nicht erkennen.

Allerdings sieht Gay auch andere Stellen in der Pflicht. Arbeitgeber und Finanzdienstleister etwa müssten junge Leute stärker etwa auf die Vorteile Vermögenswirksamer Leistungen hinweisen.

Das Thema Finanzbildung, mit dem sich auch die jüngste Umfrage von Union Investment beschäftigte, ist bereits vor einigen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Auslöser war ein Post einer Schülerin in den sozialen Medien, der sich Anfang des Jahres 2015 schnell verbreitete. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“, hatte die Jugendliche auf Twitter geschrieben. Der Tweet hatte – nicht zuletzt durch Medien befeuert – eine Debatte über Finanzbildung in Deutschland ausgelöst.

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