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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Frachtschiffe vor der Skyline von Shanghais Finanzviertel Pudong: Chinesische Banken stützen die Wirtschaft mit Krediten – und müssen Gewinneinbußen hinnehmen. Foto: imago images / Westend61

Finanzbranche im Stresstest

Banken in Ostasien trotzen der Krise

Standen die Banken in der globalen Finanzkrise 2008 im Epizentrum, so hat die Finanzbranche sich in der Corona-Pandemie als stabilisierend erwiesen. Die Auswirkungen der Krisenfolgen auf die Banken sind in den meisten Ländern im asiatisch-pazifischen Raum bislang moderat. Die Konjunkturprogramme der Regierungen in Verbindung mit der in vielen Ländern weniger strengen Regulierung haben der Branche ausreichend Zeit gegeben, auf den Corona-Schock zu reagieren. Trotzdem sind die Spreads für Finanzinstitute aus dieser Region größer als bei US-amerikanischen Banken – vor allem aus technischen Gründen.

Um einen tieferen Einblick in die Situation der Banken im asiatisch-pazifischen Raum zu erhalten, hat Pimco eine Stresstest-Analyse durchgeführt. Dabei wurde analysiert, wie die Finanzbranche heute auf Szenarien wie die globale Finanzkrise 2008 und die Asienkrise 1997 reagieren würde.

Japan, Korea und China liegen vorn

Die Untersuchung zeigt, dass die großen Institute im asiatisch-pazifischen Raum einen durchschnittlichen Verlust von 50 bis 200 Basispunkten ihres CET1-Kapitals – also des harten Kernkapitals – hinnehmen müssten. Banken in Japan, Korea und China zeigten sich im Stresstest resistenter als australische und indische Institute. Die weit verbreitete Praxis, Kunden Zahlungsaufschub zu gewährleisten, könnte dort dazu führen, dass Verluste erst später erkannt werden.

Auch die Nettozinsmargen der Banken stehen aufgrund der niedrigen Zinsen unter Druck. Japans Banken sehen sich mit diesem Problem bereits seit Jahrzehnten konfrontiert – und haben sich breiter aufgestellt. Auch koreanische Banken erschließen sich neue Einnahmequellen. Bei den Erträgen chinesischer Banken ist in diesem Jahr mit einem Rückgang zu rechnen. Ihre Nettozinsmargen und Eigenkapitalrenditen sind jedoch relativ hoch. Verluste aus notleidenden Krediten lassen sich damit auffangen.

Australische und indische Banken verzeichneten im Stresstest hingegen Verluste. Das Volumen fauler Kredite war in beiden Ländern bereits vor dem Covid-19-Ausbruch angestiegen. Die Behörden haben die Zinssätze gesenkt und Konjunkturpakete aufgelegt. Diese Maßnahmen dürften jedoch nicht ausreichen, um die Folgen der Pandemie sowie strukturelle Probleme auszugleichen. Das zeigt auch die Detailanalyse der einzelnen Regionen.

Australien: Höhere Verluste, höhere Kosten

Das Management australischer Banken schätzt den Verlust durch Kreditausfälle in der Krise auf 100 bis 200 Basispunkte und stützt sich dabei auf makroökonomische Untersuchungen. Normalerweise liegt dieser Wert bei 20 Basispunkten pro Jahr. Zudem könnten auf die Institute höhere Kreditkosten zukommen, da die Arbeitslosigkeit steigt und die Verbraucherstimmung getrübt ist. Hypotheken machen den Großteil der Kredite australischer Banken aus. Banken können den anfänglich für sechs Monate geplanten Zahlungsaufschub von März bis September um bis zu vier Monate verlängern.

Dem Stresstest lag ein etwas negativeres makroökonomisches Szenario zugrunde als die aktuellen Prognosen. Ein Kapitalverlust der Banken ist daher nicht zu erwarten. Allerdings könnten die Institute die Zahlung von Kupons auf ihr zusätzliches Kernkapital (AT1) streichen.

China: Nachsichtige Kreditpolitik gegenüber Unternehmen

Die chinesische Zentralbank People's Bank of China und die Regulierungsbehörden halten die Banken des Landes in der Krise dazu an, ihren Teil zur Belebung der Wirtschaft beizutragen und auf Gewinne zu verzichten. Die Finanzinstitute werden diesen Anforderungen gerecht, in dem sie bei der Kreditpolitik Unternehmen gegenüber nachsichtig handeln. Gleichzeitig haben sich die Abschreibungen fauler Kredite erhöht. Im zweiten Quartal verzeichneten die Banken einen Gewinnrückgang von mehr als 20 Prozent.

Es ist davon auszugehen, dass bis Ende dieses Jahres oder sogar bis ins erste Halbjahr 2021 hinein eine große Anzahl notleidender Kredite abgeschrieben werden müssen. Diese Verluste könnten zu Lücken in den Bilanzen führen. Die chinesische Notenbank hat aber angekündigt, die Institute bei der Kapitalbeschaffung zu unterstützen.

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