Finanzbranche im Wandel Privatkunden werden für Banken zum Minusgeschäft

Frankfurt: Deutschlands Banken verdienen mit ihren Privatkunden immer weniger Geld. | © O. Fischer / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Frankfurt: Deutschlands Banken verdienen mit ihren Privatkunden immer weniger Geld. Foto: O. Fischer / pixelio.de

Das Privatkundengeschäft ist zwar eines der Standbeine deutscher Banken, doch Erträge und Ergebnis in diesem Segment haben im vergangenen Jahr einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Denn es ist vielen Instituten trotz positiver Wirtschaftslage nicht gelungen, Verluste auszugleichen. Belastend wirken die aktuell niedrige Zinsmarge sowie der Anpassungsdruck im Zuge der Digitalisierung und neuer Regulierungen im Finanzsektor.

Zu diesem Ergebnis kommen die auf Finanzdienstleister spezialisierten Analysten der international tätigen Strategie- und Managementberatung ZEB mit Hauptsitz in Münster, zu deren Kunden europäische Groß- und Privatbanken, regionale Institute sowie Versicherungen gehören. Die Beratungsgesellschaft hat zum 18. Mal den wirtschaftlichen Zustand sowie Entwicklungen im Privatkundengeschäft der deutschen Banken analysiert.

So entwickelt sich das Ergebnis im Privatkundengeschäft seit 2010.Grafik: obs/zeb

Während die gesamten Erträge vor acht Jahren noch 54,7 Milliarden Euro betrugen, sind sie Ende 2017 auf 50,1 Milliarden Euro gesunken. Diese negative Entwicklung droht sich nach ZEB-Angaben bis zum Jahr 2022 fortzusetzen. Dann sei ein Abschmelzen des Ertragspotenzials mit Privatkunden in Deutschland auf nur noch 45,6 Milliarden Euro zu erwarten. Das würde im Falle gleichbleibender Kosten ein negatives Ergebnis bedeuten.

Wettbewerb mit Fintechs und Tech-Konzernen

Analysen auf Basis von Daten der Marktforschung „zeigen, dass mehr als die Hälfte der heutigen Branchenerträge in den nächsten fünf Jahren über zumindest teilweise digitale Kaufprozesse neu verteilt werden“, erklärt Marc Buermeyer, Co-Leiter der Practice Group Retailbanking bei ZEB. „Wer hier kein adäquates Angebot vorlegen kann, dem droht mittelfristig der Verlust existenzsichernder Wettbewerbsfähigkeit.“

Banken konkurrieren in der Zukunft aber nicht mehr vorrangig mit Anbietern der Fintech-Branche, so Buermeyer weiter. Im Wettbewerb stünden sie zunehmend auch mit den Betreibern großer Online-Plattformen, die bisher keinen speziellen Fokus auf Finanzdienstleistungen hatten. Doch das biete auch Potenziale für etablierte Banken. Als internationales Vorbild nennt der Experte für die Finanzbranche die Bank of America.