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Christian Köker, HSBC Trinkaus

Christian Köker, HSBC Trinkaus

Finanzierungskosten bei Hebelpapieren: Vergleichen zahlt sich aus

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Viele Konsumenten und Bauherren vergleichen penibel die Zinssätze, wenn sie einen Kredit aufnehmen, um so wenig Zinsen wie möglich zu zahlen. Aber auch für neue Autos und andere Konsumgüter nehmen die Deutschen gerne Finanzierungsangebote von Banken in Anspruch. Das Ziel dabei ist klar: Es wird versucht, so viel Auto wie möglich für so wenig Geld wie nötig zu bekommen. Dabei sollen gleichzeitig möglichst wenig Zinsen anfallen.

Analog dazu lohnt sich auch bei Hebelprodukten ein Vergleich der in den maßgeblichen Emissionsbedingungen festgelegten Finanzierungskosten. Die Finanzierungskosten setzen sich aus den tatsächlich am Markt anfallenden Zinskosten und der Finanzierungsmarge zusammen. Dieses Vorgehen entspricht der üblichen Praxis bei der Kreditvergabe: Die Bank verleiht das Geld zu einem höheren Zinssatz, als sie es selbst beziehen kann. Die Differenz entspricht der Marge des Anbieters.

Tägliche Anpassung des Basispreises

Die Finanzierungskosten bei Open End-Hebelprodukten werden täglich über die Anpassung des Basispreises des jeweiligen Wertpapiers angepasst. Dadurch erhöht sich bei Call- bzw. Long-Produkten der Basispreis täglich. Unter der Annahme, der zugrunde liegende Basiswert bewege sich nicht, nimmt so gleichzeitig der innere Wert bei Call-Produkten sukzessive ab, was sich für Anleger stets negativ auswirkt.

Hinzu kommt, dass mit der Anpassung des Basispreises üblicherweise eine Anpassung der Knock-out-Barriere einhergeht. Diese steigt ebenfalls von Tag zu Tag an, wodurch sich das Risiko eines Knock-out-Ereignisses und damit eines möglichen Totalverlusts des eingesetzten Kapitals erhöht. Während sich bei Call-Scheinen also der innere Wert verringert, weil sich der Basispreis erhöht, wirkt der Effekt bei Put- beziehungsweise Short-Produkten umgekehrt: Prinzipiell leihen Käufer von Put- beziehungsweise Short-Produkten dem Emittenten Kapital, womit Anleger grundsätzlich Finanzierungserträge erzielen. Im Umfeld sehr niedriger Kapitalmarktzinsen können diese jedoch geringer sein als die von der Emittentin erhobene Finanzierungsmarge. Daher entstehen auch Put-Anlegern im aktuellen Niedrigzinsumfeld Finanzierungskosten. Das bedeutet, dass auch bei Short- und Put-Papieren Basispreis und Knock-out-Barriere nach unten angepasst werden – in Zeiten höherer Zinsen würden sich auch diese Kursschwellen nach oben anpassen. Der Umfang aller Anpassungen wird ausschließlich vom zugrunde liegenden Marktzins und der von der Emittentin veranschlagten Marge bestimmt.

Ein Vergleich der Finanzierungsmargen lohnt sich

Eine Umfrage des Anlegermagazins „Börse Online“ unter zehn Emittenten im Mai 2012 hat bei endlos laufenden Knock-out Produkten eine Kostendifferenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter von über zwei Prozent ergeben. Der günstigste Anbieter kommt auf 1,84 Prozent, der teuerste hingegen auf stolze 4,40 Prozent. Es lohnt sich also, die in Hebelprodukten enthaltenen Finanzierungskosten und Margen in den jeweiligen maßgeblichen Emissionsbedingungen verschiedener Emittenten zu vergleichen. Durch die Anwendung verschiedener Zinssätze entstehen für Anleger nur geringe Differenzen bei den anfallenden Kosten. Viel deutlichere Unterschiede jedoch ergeben sich durch unterschiedlich veranschlagte Margen der einzelnen Emittenten.

Erhebliche Auswirkungen bei langem Engagement

Es ist aus Anlegersicht also zu kurz gedacht, bei der Auswahl eines Hebelproduktes vor allem auf den Spread, also auf die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs eines Wertpapiers, zu achten. Unterschiedliche Margen und Finanzierungskosten bei Knock-out-Produkten können schon nach wenigen Tagen und Wochen zu erheblichen Unterschieden in der Performance ursprünglich identisch ausgestatteter Produkte führen. Dieses – erst auf den zweiten Blick erkennbare – Merkmal eines Hebelproduktes kann daher zum Zünglein an der Waage werden. Insofern gilt bei Anlegern wie bei Bauherren, dass sich Vergleichen richtig auszahlen kann.

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