Wer meint, sich beim Thema Finanzen gut auszukennen, beschäftigt sich meist auch relativ viel mit dem Thema. Er hat oft überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung und blickt tendenziell eher gelassen auf seine Rentenphase.

Das ist Ergebnis einer Befragung, die der Finanzvertrieb Swiss Life in Auftrag gegeben hat. Durchgeführt hat sie das Marktforschungsunternehmen Yougov, das Anfang Mai etwas mehr als 2.000 Erwachsene in Deutschland interviewt hat.

Das Problem mit der Finanzbildung ist demnach jedoch: Gerade einmal jeder Dritte hierzulande würde sein Wissen bei Finanzen als gut oder sehr gut bezeichnen. Als Hinderungsgrund, sich mit dem Thema zu beschäftigen, heißt es dann: Es seien zu wenig finanzielle Mittel da, die zurück- oder angelegt werden könnten. Es gebe verwirrend viele und teils widersprüchliche Informationen zu Finanzen und Vorsorge. Oder auch schlicht: Das Thema sei zu komplex.

So beschäftigt sich laut der Umfrage jeder Dritte selten oder auch nie mit dem Thema. Und unter den Unter-25-Jährigen habe rund jeder Zweite noch gar nicht für den Ruhestand vorgesorgt – woraus man bei Swiss Life ableitet, dass Finanzthemen in Deutschland ein Imageproblem haben.

Finanzwissen: Mehrheit wünscht sich ein Pflicht-Schulfach

Immerhin: 44 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass insgesamt häufiger über Geld gesprochen werden sollte. Man wüsste auch gern mehr über das Thema, etwa über Aktien, Sparen allgemein oder die Altersvorsorge. Wobei sich für Aktien tendenziell besonders Männer interessieren, während viele Frauen eher gern mehr allgemein übers Sparen wüssten.

Mit 61 Prozent meinen fast zwei von drei Befragten: Es sollte ein verpflichtendes Schulfach Finanzen geben. Demgegenüber gab nur eine verschwindende Minderheit von 3 Prozent an, dass die Schule ihnen als Informationskanal für Finanzwissen gedient habe.

Finanzwissen hängt insgesamt stark mit dem Bildungshintergrund zusammen, ermittelten die Studienautoren darüber hinaus. So schätzte unter den Befragten mit Abitur/allgemeiner Hochschulreife immerhin knapp jeder Zweite (48 Prozent) sein Finanzwissen als gut oder sehr gut ein. 

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Insgesamt ist fehlende Finanzkompetenz nicht nur ärgerlich, sondern kann Verbraucher auch reales Geld kosten – nämlich jenes, das sie am Kapitalmarkt hätten erwirtschaftet können. Diesen Aspekt hat kürzlich eine Studie des Versicherers Allianz beleuchtet. Aus der Befragung in Deutschland und sechs weiteren Ländern schlussfolgerten die Studienautoren: Über zehn Jahre gesehen summiert sich der Verlust für finanzunkundige Verbraucher auf im Mittel 40.000 Euro.

Dass sich Menschen hierzulande nicht auf die gesetzliche Alterssicherung verlassen sollten, sondern gut daran tun, auch privat vorzusorgen, gilt mittlerweile schon als Binsenweisheit. Doch auch wenn das Thema bei mittlerweile immer mehr Verbrauchern gedanklich präsent ist – bis zur flächendeckenden Umsetzung ist es weiterhin noch ein langer Weg.