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in FinanzberatungLesedauer: 4 Minuten

„Finanzkunde statt Erdkunde“ Finanzwissen ist in Deutschland wenig verbreitet

Honorar-Finanzanlagenberater Frank Frommholz
Honorar-Finanzanlagenberater Frank Frommholz
Von Kindesbeinen an haben wir gelernt, dass Sparkassen, Banken und Versicherungen wissend in allen Finanzfragen sind. Wer auch sonst? Kindergärten oder Schulen? Finanzen kein Schwerpunktthema. Ausbildung? Bestenfalls Basiswissen wird vermittelt. Universitäten? Nur in den Spezialdisziplinen. Fazit: Der Staat hat schlicht versagt: „In Deutschland geben mit 53 Prozent europaweit die meisten Menschen zu, keine Finanzbildung zu haben“ (Studie ING/Diba, Black Rock).

Zudem stellen die Finanzkonzerne nur abschlussfördernde, gefilterte Finanzinformationen bereit, um ihre Produkte zu verkaufen. Eine echte, unabhängige Finanzbildung entfällt somit. Bleibt das Elternhaus. Das leidet aber eben auch unter mangelnder Finanzbildung. Der Kreislauf schließt sich. Nur ein breiter gesellschaftlichen Konsens und viele Privatinitiativen können helfen.
Was ist eigentlich finanzielle Bildung?

„Die Befähigung von Individuen, sämtliche finanzielle Aspekte seiner Existenz sinnvoll und zu seinem Vorteil nutzen zu können“, definiert der Forschungsbereich Finanzielle Allgemeinbildung des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen. Der Unterschied zwischen brutto und netto, die extreme Diskrepanz bei Zinsangaben auf Monats- oder Jahresbasis oder gar die Geheimnisse der Zinseszinsrechnung sind in breiten Bevölkerungsschichten nicht wirklich bekannt. Dies hat gravierende Auswirkungen, da die Verbraucher einem „Beratungsgespräch“ nicht angemessen folgen können und aus Scham unsinnige Abschlüsse unterschreiben. Die hohe Zahl an Fehlberatungen zeugt davon.

Wann fängt man mit der Finanzkunde an?

„Schon Kindergartenkinder finden zum Beispiel im Supermarkt spannend, warum scheinbar gleiche Waren unterschiedlich verpackt sind und unterschiedlich viel kosten“, so Kirstin Wulf, Gründerin von „Bricklebrit – Eltern. Kinder. Geld“. Gehen wir Eltern damit wirklich sensibel genug um? Verdrängen wir die notwendigen Aufklärungsprozesse nicht auch aus mangelndem Eigenwissen?

„Bemängelt wird deutschlandweit zurecht, dass sich das finanzielle Know-how von Schülern, Auszubildenden und sogar Studenten in unterirdischen Sphären bewegt und dass eine grundsätzliche Schulung beziehugsweise Einführung in das Thema so gut wie nirgends und schon gar nicht ohne fehlgeleitete Kundenbindungsabsichten von Sparkassen, Versicherungen oder Strukturvertrieben stattfindet“, führt Carsten Skop, Honorar-Finanzanlagenberater aus Hannover aus.

Ralf Nomrosky, Finanzgutachter, stellt fest: „Es spielen auch Glaubenssätze und Verhaltensmuster aus der Kindheit bei vielen eine große Rolle (Geld stinkt, für Geld muss ich hart arbeiten, Geld ist ein flüchtiges Reh, über Geld spricht man nicht und so weiter), diese verhindern die richtigen Entscheidungen oder überhaupt Entscheidungen für sich zu treffen.“

„Die Entwicklung von Finanzmärkten und Aktienkursen schlecht einschätzen zu können, ist für viele Verbraucher ein Problem. Wenn ich dann entgegne, dass auch ich niemanden aus dem Banken- und Investmentsektor kenne, der die zukünftige Entwicklung von Finanzmärkten und Aktienkursen genau vorhersagen kann, sind die Gesprächspartner irritiert. Es herrscht der weitläufige Irrglaube vor, dass Menschen, die eine Ausbildung im Finanzsektor genossen haben, auch in der Lage wären, die Zukunft vorherzusagen oder „ein besseres Händchen“ bei der Auswahl von Börsentiteln hätten. Dass ein mit dieser Vorgehensweise erzielter Anlageerfolg jedoch ausschließlich vom Glück abhängt, wissen sehr viele Menschen nicht", fasst Finanzberater Rene Harders aus Hamburg seine Erfahrungen zusammen.

Was kann jeder einzelne tun?

„Wir haben damit begonnen, unseren Kunden die kostenfreie Beratung für ihre Kinder und Enkel anzubieten, um dem grassierenden Finanz-Analphabethismus vor allem unter jungen Menschen etwas entgegen zu setzen. Bei speziellen Extra-Terminen (mit/ohne Eltern) erklären wir allgemeine Zusammenhänge und versuchen so, Berührungs-Ängste und krasses Halbwissen mit der Zeit abzubauen. Insgesamt stoßen wir hierbei auf hohes Interesse“, so der unabhängige Finanzberater Roland Klotzsche.

Mittlerweile gibt es viele Einzelinitiativen, die den schlechten Ruf der Finanzbranche Stück für Stück und über einen längeren Zeitraum verändern möchten.

Finanzkunde statt Erdkunde?

Natürlich ist das bewusst überspitzt formuliert. Erdkunde ist wichtig - das Verständnis in unserer hochkomplexen Welt für geografische oder völkerverständigende Zusammenhänge hat Bedeutung. Aber schafft die Entlastung durch Navigationssysteme nicht auch Freiräume für neuartige Herausforderungen? Immerhin müssen junge Menschen wissen, wie sie mit Handy-Verträgen, Schufa-Fehleinträgen oder einer Verschuldung umgehen sollten.

Die Initiative www.Finanzkun.de hat es sich zur Aufgabe gemacht, in unterhaltsamer Form praktisches Finanzwissen zu vermitteln. Sie wird betrieben von einer Gruppe unabhängiger Finanzberater unter der Leitung des Honorar-Finanzanlagenberaters Frank Frommholz.