Finanzplaner-Forum-Initiatoren im Interview „Was die Teilnehmer hören wollen – und was sie hören sollten“

Guido Küsters (li.) und Otto Lucius haben die Veranstaltungsreihe Finanzplaner Forum ins Leben gerufen. Sie feiert 2019 ihr 5-jähriges Jubiläum. | © Oliver Lepold

Guido Küsters (li.) und Otto Lucius haben die Veranstaltungsreihe Finanzplaner Forum ins Leben gerufen. Sie feiert 2019 ihr 5-jähriges Jubiläum. Foto: Oliver Lepold

DAS INVESTMENT: Wie hat sich das Finanzplaner Forum thematisch weiterentwickelt?

Guido Küsters: Natürlich besuchen Banker unsere Veranstaltungen immer noch in großer Zahl, aber wir haben nun viel mehr freie Berater als vor fünf Jahren. Daher hat sich unser Themenfokus erweitert. Freie Berater brauchen mehr spezielle Informationen zu Ressourcen als fest angestellte Banker. Zum Beispiel, welche Software sie benötigen und sich leisten können und wie sie im Bereich CRM Unterstützung erhalten können – das sind Themen, die ein Banker selten braucht. Wir nehmen auch viele Anregungen von Teilnehmern auf und versuchen diese umzusetzen. Das Herausfordernde ist der Spagat, zwischen dem, was die Teilnehmer hören wollen, und dem, was sie vielleicht hören sollten.

Wie meinen Sie das?

Küsters: Ein Thema wie Financial Literacy ist per se zunächst wenig interessant für den Berater, weil er das anders als seine Kunden alles schon kennt. Als Netzwerk sehen wir uns aber auch in der Pflicht, unseren Berufsstand der zertifizierten Finanzplaner in der Öffentlichkeit darzustellen. Daher kümmern wir uns auch um Themen, die von gesellschaftlichem Belang sind und da gehört Financial Literacy ebenso wie Frauen in der Finanzdienstleistung dazu. Letzteres Thema haben wir gerade in Düsseldorf einmal aus Sicht der Beraterin und einmal aus Sicht der zu beratenden Person beleuchtet.

Otto Lucius: Wir wollen Denkanstöße mitgeben. In den USA gibt es das Buch „Wealth Management“ von Harold Evensky, ein Standardwerk, dessen erstes Kapitel „Educate your client“ lautet. Der Berater dort muss seinen Kunden erst einmal mehrere Stunden in Sachen Finanzbildung aufklären. Erst danach fragt er den Kunden, ob er beraten werden möchte. Das ist ein ganz anderer Zugang. Hierzulande wird dem Kunden etwas erklärt, was er sofort verstehen soll. Der Kunde weiß aber nicht, wovon wir reden. Hier einen Schritt zurückzutreten und zu fragen, wie sieht es mit der Finanzbildung wirklich aus, ist uns ein wichtiges Anliegen.

Die Zahl der Finanzplaner wächst nur langsam. Sehen Sie Reformbedarf für die lange, teure und anspruchsvolle Ausbildung?

Lucius: Das ist weniger eine Frage des Preises, sondern eher eine Frage der Kundenwünsche. Bisher fordern die Kunden anders als in den USA noch nicht eine umfassende Finanzberatung auf breiter Front. In der Tat ist das Ausbildungsniveau des CFP sehr hoch angesetzt. Die Qualität der Ausbildung ist jedoch unbestritten, hier sehen wir keinen Änderungsbedarf. Der modulare Aufbau macht den Zugang einfacher, so kann man die Ausbildung strecken und zunächst den EFA (European Financial Advisor) absolvieren. In Österreich gibt es 340 CFP-Professionals, aber mehr als 1.100 EFA-Zertifikatsträger, damit haben wir eine sehr gute Reichweite innerhalb der Banken und der Finanzdienstleistungsbranche.