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Finanztipp der Woche: Haftpflichtversicherung für Kleinkinder

Ob ein dreijähriges Besuchskind, das sich in einem unbeobachteten Moment an der Tischdecke hält und das Familienporzellan umwirft oder ein Fünfjähriger, der das Wohnzimmer der Gastgeber in Rekordzeit überquert und dabei versehentlich mit einer chinesischen Vase aus der Ming-Dynastie kollidiert – ein Malheur ist schnell passiert. „Das zahlt die Versicherung“, denken die Eltern. Doch sie irren sich.

Denn Kinder bis zum Alter von sieben Jahren sind nicht schuldfähig, weil sie die Folgen ihrer Handlungen noch nicht absehen können. Das bedeutet, dass niemand für den Schaden aufkommen muss, den sie verursachen – auch die Haftpflichtversicherung nicht.

Aufsichtspflicht ist Ansichtssache

Lediglich wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben und damit selbst für den dadurch verursachten Schaden haften, zahlt die Versicherung. Hier öffnet sich jedoch laut dem Online-Finanzportal Financescout24 ein weites Feld. „Für die Aufsichtspflicht gibt es keine klaren Richtlinien, es kommt immer auf den individuellen Fall an, den die Versicherungen sehr genau unter die Lupe nehmen", fasst Errit Schlossberger, Geschäftsführer von Financescout24, die Ergebnisse einer vom Onlineportal kürzlich durchgeführten Umfrage unter den Versicherungsunternehmen zusammen.

Saß zum Beispiel die ganze Familie am Tisch, als das Malheur passierte, muss die Versicherung nicht zahlen. „Und da gibt es auch bei kleinen Beträgen keine Kulanzregelung“, sagt Marcus Danel von der Asstel Versicherungsgruppe. Bei der Einzelfall-Beurteilung stütze sich Asstel auf Gerichtsurteile zu ähnlich gelagerten Fällen.

Kamuran Bildircin, zuständig für Haftpflicht- und Schadenregulierung bei Degenia, orientiert sich an Richtlinien, die Anwälte aufgestellt haben. Dazu gehöre beispielsweise, dass man Zweijährige nicht länger als 20 Minuten allein lassen darf. Sören Häger, Produktmanager bei Swiss Life Partner GmbH, ist der Meinung, dass jedes Kind eine andere Art von Aufsicht brauche. „Einen Wildfang kann man keine fünf Minuten allein lassen", sagt er. Matthias Schlusche von Ergo Direkt Versicherungen sieht das ähnlich. „Ich schaue mir beispielsweise an, wie alt das Kind ist und wie genau die Aufsicht erfolgte“. Dies werde über Fragebögen ermittelt, oder man trete auch telefonisch oder schriftlich an die Eltern heran."

Im Straßenverkehr sind Kinder erst ab elf Jahren deliktfähig

Noch enger sind die Altersgrenzen im Straßenverkehr. „Denn hier können Kinder erst ab elf, nicht schon ab acht Jahren haftbar gemacht werden“, erklärt Schlossberger. Reißt sich zum Beispiel ein Kind von der Hand der Mutter los, läuft auf die Straße und verursacht so einen Verkehrsunfall, muss niemand für den Schaden geradestehen, da hier keine Verletzung der Aufsichtspflicht vorliegt. Fühlen sich die Eltern trotzdem moralisch verpflichtet, den Unfallgegner zu entschädigen, müssen sie das aus eigener Tasche tun.

Eine Absicherung gegen solche unangenehmen Situationen bieten Klauseln, mit denen Familien deliktunfähige Kinder in die Police mit einschließen können. Dann kommt die Versicherung für den Schaden auf - unabhängig davon, ob die Aufsichtspflicht verletzt wurde oder nicht. Allerdings ist die Deckungssumme meist auf Beträge zwischen 5.000 und 20.000 Euro begrenzt. 

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