Vermögensverwaltung für alle!<br>Der Patrimoine von Edouard Carmignac (zweiter<br>von links) gehört zum Standard in Fondspolicen.

Vermögensverwaltung für alle!
Der Patrimoine von Edouard Carmignac (zweiter
von links) gehört zum Standard in Fondspolicen.

Finanztipp der Woche: Vermögensverwaltung mit Versicherungen

In jedem Deutschen steckt ein Zumwinkel. Bis zu 15 Milliarden Euro entgehen dem Staat pro Jahr an Steuern – und zwar nur durch Schummeleien von Bürgern, die maximal 4.000 Euro im Monat verdienen. Sie kaufen Zigaretten oder tanken im Ausland, mogeln ein wenig bei der Einkommensteuererklärung – dabei könnten sie einen Teil der fälligen Steuern auf ganz legale Weise sparen: indem sie bei der Altersvorsorge eine Versicherung statt eines Investmentfonds bevorzugen.

Der Deutsche will Steuern sparen

Denn Versicherungen haben wegen ihrer Bedeutung für die Altersvorsorge den Bonus, dass keine jährliche Abgeltungssteuer anfällt. Zusätzlich müssen Kunden bei Lebensversicherungen nach zwölf Jahren Vertragsdauer und mit 60 Jahren Rentenalter nur die Hälfte des Ertrags versteuern. Bei Rentenpolicen greift die Ertragsanteilbesteuerung: Ein 65-Jähriger braucht nur auf 18 Prozent der erhaltenen Rente Steuern zu zahlen.

Immer häufiger können Versicherte dabei auf Top-Produkte unabhängiger Vermögensverwalter zugreifen. Ein Investment, das sich lohnt. 50.000 Euro mehr: Wer vor knapp fünf Jahren 100.000 Euro in den Patrimoine von Edouard Carmignac steckte, kann sich jetzt über ein Plus von 49,9 Prozent freuen (siehe Chart). Der Mischfonds des famosen Franzosen setzt immer wieder Maßstäbe, was Rendite und Risikominimierung angeht – und zeigt, wie erfolgreich unabhängige Vermögensverwalter sein können.

Carmignac Patrimoine gehört zur Standardausrüstung

Eine Erfolgsgeschichte, die auch Versicherer beobachten. So gehört der Carmignac Patrimoine fast schon zum Standardrepertoire gut bestückter Fondspolicen – zumindest landet er unter den Top Ten der beliebtesten Fonds in Versicherungen, wie eine Analyse der Rating-Agentur Feri Euro-Rating Services zeigt: Von 60 Versicherern haben ihn 17 im Angebot. Mit Beiträgen ab 30 Euro ist der französische Anlagespezialist dabei auch für Kleinsparer zu haben.

Sind Versicherte auf der Suche nach einzelnen vermögensverwaltenden Fonds, die sie sich selbst zusammenstellen wollen, bieten sich Policen an, die mit Fondsplattformen zusammenarbeiten. Bei der Investmentpolice von Skandia etwa haben die Kunden Zugriff auf die Metzler Fund Xchange und damit auf nahezu alle Fonds mit Zulassung in Europa – zumindest theoretisch. Denn der Anbieter begrenzt das Fondsuniversum auf 200 Produkte – trotzdem sind viele vermögensverwaltende Produkte, etwa von DJE Kapital, VCH oder Sauren dabei.

Individualauswahl oder All-Inclusive-Service

Grenzenlos geht es bei der Plattform-Police Flexfolio von Baloise zu. Ab 10.000 Euro Einsatz sind mehr als 5.000 Fonds mit UCITS-III-Zulassung zu haben. Da die Fondssuche nicht für jeden das Richtige ist, haben andere Varianten mehr Charme. Hierbei beauftragen Versicherer bestimmte Vermögensverwalter, ihre Dienste speziell für die Policen anzubieten. „Der Vermögensverwalter trifft dabei die Anlageentscheidungen“, sagt Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge beim unabhängigen Vermögensberater MLP. „Der Kunde braucht sich nicht darum zu kümmern, in welchen Aktien-, Renten-, Misch- oder Rohstofffonds er investiert.“

Der britische Anbieter Friends Provident beispielsweise setzt auf vier verschiedene Ansätze von Vermögensverwaltern in seiner Fondspolice Friends Planinvest (siehe Tabelle). Die Kunden können entscheiden, wem sie die beste Kapitalanlagestrategie zutrauen. Dabei sind renommierte Adressen wie das Private Banking der Hamburger Sparkasse (Haspa), die des Bankhauses Warburg sowie DJE Kapital und die Rating-Agentur Morningstar. Die Depots investieren dachfondsartig in verschiedene Zielfonds.

Sechs Prozent pro Jahr

Beim FPI DJE Managed Depot Wachstum etwa entscheidet Jens Ehrhardt anhand fundamentaler, monetärer und markttechnischer Kriterien, welche Aktien-, Renten- und Mischfonds er ins Portfolio nimmt. Sein Ziel ist eine größtmögliche Wertentwicklung. Auch offene Immobilienfonds, Immobilien-Dachfonds und Fonds mit Anlageschwerpunkt in Indizes, Zertifikaten und Rohstoffe kann Ehrhardt beimischen. In der Wahl der Zielfonds hat er freie Hand. Bisher ist das Depot auf einem guten Weg, seit Auflegung im September 2008 liegt das Plus annualisiert bei 5,9 Prozent.

Eine ähnliche Strategie fährt der Versicherer Helvetia. Bei seiner Fondspolice Clevesto Favorites stehen in der Anlagestrategie G fünf aktiv gemanagte Varianten zur Verfügung. Drei davon betreut das Privatbankhaus Vontobel, die beiden anderen der Vermögensverwalter HSBC. Während es bei den Vontobel-Strategien Speed-Lane, Main-Lane und Safe-Lane vor allem um das Spiel mit Gewichtungen bei Aktien- und Rentenfonds geht, sollen Kunden bei den HSBC-Konzepten Blue-Lane und Seven-Lane von Trendthemen wie dem Klimawandel und den Wachstumsregionen Asien und Lateinamerika profitieren.

Angebote für wohlhabende Kunden – BMF-kompatibel

Einige Versicherer spezialisieren sich zudem auf wohlhabende Kunden. Weil das Bundesfinanzministerium (BMF) die bislang gängige Praxis gestoppt hat, deren gesamte Depots einfach in Versicherungsmäntel insbesondere aus Liechtenstein zu verpacken, gibt es nun zunehmend standardisierte Produkte für High Net Worth Individuals.

Ein Muss, denn Abgeltungssteuer fällt nach BMF-Schreiben vom 1. Oktober 2009 an, wenn die Versicherung speziell für den Vertrag zusammengestellte Kapitalanlagen gesondert verwaltet. Sie umfasst gleichzeitig Anlagen, die sich nicht nur auf öffentlich vertriebene Investmentfondsanteile oder Anlagen beschränken, die einen veröffentlichten Index abbilden. Und Versicherte können auch noch über den Verkauf oder die Wiederanlage der Anlagen und der Erträge bestimmen. Liegt der Todesfallschutz dann noch unter 50 Prozent bei Lebensversicherungen beziehungsweise haben Rentenversicherungen keinen garantierten Rentenfaktor, ist der Steuerstress perfekt.

Eigene Emotionen werden ausgeblendet, die anderer miteinbezogen

Um die neuen Vorgaben zu erfüllen, bestücken die Anbieter ihre Policen mit einer Reihe vorgefertigter Strategiedepots. Die LuxVorLife.Rente der Ergo-Tochter Vorsorge Leben ist ein Beispiel hierfür. Sie arbeitet mit ausgewählten Vermögensverwaltern, zum Beispiel mit der Banque Degroof aus Luxemburg, zusammen. 14 versicherungsinterne Fonds dieser Bank stehen zur Wahl. Sie unterscheiden sich vor allem nach ihrem Aktienanteil. So sieht das Aggressive Portfolio eine Aktienquote von bis zu 100 Prozent, das Defensive Portfolio von gemäßigteren 40 Prozent vor. Dabei kommt es auch auf den Fonds an, ob direkt in Aktien oder in Aktienfonds investiert wird.

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Grundlage des Ansatzes ist der Behavioral-Finance-Gedanke. Die Experten versuchen, den Einfluss von Emotionen bei der Auswahl einzelner Anlagen etwa durch ein ausgefeiltes Risikomanagement auszublenden und gleichzeitig von Gefühlsregungen anderer Anleger zu profitieren.

Die Crème de la Crème

Eine vorgegebene Fonds-Allokation in dem Best-of-Wealth-Management-Konzept des Versicherungsbrokers Farad ist die Strategie Dynamisch. Der Beitrag wird zu gleichen Teilen auf zehn Fonds aufgeteilt, darunter der Optiflex Fonds von Albrech & Cie, der FvS Strategiefonds Multiple Opportunities R von Flossbach & von Storch sowie der Ethna Aktiv. Alternativ können Anleger aus einer Palette von 40 jeweils mit Bestnoten etwa von Elite Report, Fuchsbriefen oder Lipper ausgezeichneten Vermögensverwaltern wählen.

Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist die Investitionssumme. Als Startkapital sollten Anleger 100.000 Euro mitbringen, dafür wäre zum Beispiel der Fonds HI Bankhaus Donner Optimix von Donner & Reuschel zu haben (siehe Chart). Andere Konzepte, wie das Active Mandate der Banque LBLux, verlangen eine Viertel Million Euro Einsatz.

Mehr als ein Dutzend Versicherer zur Auswahl

Dazu steht dem Kunden mehr als ein Dutzend Versicherer zur Verfügung. Welcher der richtige ist, bestimmt die Lebenssituation des Kunden. „Bei einem älteren Ehepaar, das während der Laufzeit auf Liquidität nicht verzichten will, ist es wichtig, dass bei Teilauszahlungen keine Stornogebühren anfallen“, sagt Farad-Senior-Manager Stefan Fank. „Durch diese Flexibilität werden steuersparwillige Kunden eine individuelle Vermögensverwaltung, wie sie früher möglich war, gar nicht vermissen.“

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