In der Welt der Finanzen ist Wettbewerbsfähigkeit alles. Wo fließt das meiste Kapital? Wo siedeln sich innovative Fintech-Unternehmen an? Und welche Städte ziehen die klügsten Köpfe der Branche an? Der Global Financial Centres Index (GFCI) gibt Antworten auf diese Fragen. In der jüngsten Ausgabe, dem GFCI 36, gibt es einige überraschenden Entwicklungen.
Während an der Spitze die üblichen Verdächtigen thronen, tut sich im Mittelfeld einiges. Besonders interessant für deutsche Anleger und Finanzprofis: Frankfurt klettert in die Top 10 und festigt damit seine Position als führendes Finanzzentrum der Eurozone. Doch der Reihe nach – werfen wir einen genaueren Blick auf die Gewinner und Verlierer im neuesten Ranking.
Die Spitze bleibt stabil, Asien im Aufwind
Wenig überraschend verteidigt New York seine Spitzenposition im GFCI. Mit einem beeindruckenden Rating von 763 Punkten thront die US-Metropole weiterhin über allen anderen Finanzzentren. Dicht dahinter, aber mit deutlichem Abstand, folgt London auf Platz zwei. Die britische Hauptstadt zeigt mit 750 Punkten, dass sie trotz Brexit-Turbulenzen ihre Strahlkraft nicht eingebüßt hat – im Gegenteil, sie konnte sogar drei Punkte im Vergleich zum Vorindex zulegen.
Doch die wirklich spannende Entwicklung spielt sich auf den Plätzen dahinter ab. Hongkong (749 Punkte) schiebt sich an Singapur (747 Punkte) vorbei auf den dritten Rang. Diese Rochade im asiatischen Raum könnte ein Indikator für verschobene Kräfteverhältnisse in der Region sein. Hongkongs Zugewinn von acht Punkten lässt vermuten, dass die schrittweise Öffnung Chinas nach der Pandemie positive Auswirkungen auf den Finanzplatz hat. Singapur hingegen büßt zwar einen Platz ein, bleibt aber mit einem Plus von fünf Punkten ein ernstzunehmender Konkurrent.
Technologie und Finanzen: San Francisco behauptet sich
Auf dem fünften Platz hält sich San Francisco mit 742 Punkten. Die Stadt an der US-Westküste unterstreicht damit ihre Bedeutung als Schnittstelle zwischen Technologie und Finanzwelt. Der kleine Punktezuwachs von zwei zeigt, dass San Francisco seine Position trotz der jüngsten Turbulenzen in der Tech-Branche festigen konnte.
Erfreuliche Nachrichten gibt es für den deutschen Finanzplatz: Frankfurt am Main verbessert sich um drei Plätze und landet mit 730 Punkten auf Rang zehn. Damit ist die Mainmetropole das bestplatzierte Finanzzentrum im Euroraum. Die Stabilität des deutschen Finanzmarktes und die zentrale Lage in Europa dürften zu dieser positiven Entwicklung beigetragen haben.
Top-Ten-Ranking des GFCI 36
| Rang | Finanzzentrum | GFCI 36 Rating | Punkteveränderung zum GFCI 35 |
|---|---|---|---|
| 1 | New York | 763 | -1 |
| 2 | London | 750 | +3 |
| 3 | Hong Kong | 749 | +8 |
| 4 | Singapur | 747 | +5 |
| 5 | San Francisco | 742 | +2 |
| 6 | Chicago | 740 | +4 |
| 7 | Los Angeles | 739 | +2 |
| 8 | Shanghai | 738 | -1 |
| 9 | Shenzhen | 732 | -2 |
| 10 | Frankfurt | 730 | -2 |
Deutsche Vielfalt im Ranking
Neben Frankfurt sind auch andere deutsche Städte im GFCI vertreten. München landet auf Platz 45, muss aber neun Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbußen. Berlin rutscht sogar um elf Plätze auf Rang 43 ab. Hamburg hält sich stabil auf Platz 50. Diese Platzierungen zeigen, dass Deutschland zwar mit Frankfurt einen starken Finanzplatz hat, die anderen Städte jedoch noch Potenzial nach oben haben.
Zu den größten Aufsteigern im GFCI 36 gehören Bermuda (plus 27 Plätze), Doha (plus 24 Plätze) und Riad (plus 21 Plätze). Diese Entwicklungen könnten auf verstärkte Investitionen in die Finanzinfrastruktur und günstige regulatorische Rahmenbedingungen zurückzuführen sein. Auf der anderen Seite verzeichnen einige Zentren deutliche Rückgänge, wobei elf Standorte zehn oder mehr Plätze verloren haben.

