Mehr als 30 digitale Finanzunternehmen fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen Appell auf, die geplante Frühstart-Rente für Kinder ab sechs Jahren und die Reform der Riester-Rente zeitnah im Jahr 2026 umzusetzen. Zu den Unterzeichnern gehören Vertreter prominenter Digitalbanken wie N26 und DKB, Trading-Plattformen wie Scalable Capital und Smartbroker sowie große Asset Manager wie Blackrock, Franklin Templeton, Amundi und Vanguard.

Rentenniveau deutlich unter europäischem Durchschnitt

Die Finanzexperten sehen Deutschland bei der Altersvorsorge im internationalen Vergleich zurückfallen: „Das Rentenniveau in Deutschland liegt aktuell bei nur etwa 48 Prozent und somit 14 Prozentpunkte unterhalb des europäischen Durchschnitts“, beklagen die Unterzeichner. Das deutsche Rentensystem setze weiterhin stark auf die umlagefinanzierte gesetzliche Rente, während die private Altersvorsorge vernachlässigt werde.

Als gescheitert betrachten die Unterzeichner die vor rund 20 Jahren eingeführte Riester-Rente. Trotz der langen Laufzeit wurden nur etwa 16 Millionen Verträge abgeschlossen, von denen viele ruhen oder gekündigt wurden. Das Wachstum stagniere seit Jahren, während immer weniger Verträge aktiv bespart werden.

Die Fintech-Vertreter verweisen auf internationale Beispiele der Förderung privater Altersvorsorge wie in Schweden (IPS), Großbritannien (SIPP) oder die Schweiz (Säule 3a). Die Beispiele zeigten, dass Kapitalmarktanlagen für die Altersvorsorge durchaus ertragreich seien. Zudem sei auch in Deutschland ein deutlicher Trend in Richtung Kapitalmarkt erkennbar – als Beleg führen die Vertreter die Fülle neu eröffneter Depots in jüngster Zeit an.

 

Fünf Forderungen an die Politik

Im Positionspapier formulieren die Experten fünf ihrer Ansicht nach zentrale Eckpunkte für eine erfolgreiche Reform: Die Riester-Rente soll um ein Altersvorsorgedepot ergänzt werden, das ohne zwingende Garantien wie Kapitalgarantie oder Verrentung auskommt. Die geplante Frühstart-Rente soll sich bei Volljährigkeit automatisch in ein normales Altersvorsorgedepot umwandeln. 

In der Auszahlungsphase fordern die Unternehmen starke  Flexibilität, einschließlich Auszahlungsplänen, Teilentnahmen und der Möglichkeit, die Auszahlung bereits vor dem Eintritt in die gesetzliche Rente zu beginnen. Bei der Frühstart-Rente sollen auch private Einzahlungen, zum Beispiel von Eltern oder Großeltern, möglich sein. Zudem sprechen sich die Unterzeichner für eine Ausweitung der Berechtigung auf alle in Deutschland Steuerpflichtigen aus.

In einem „technischen Anhang“ zu ihrem Positionspapier formulieren die Unternehmensvertreter auch konkrete Umsetzungsvorschläge – etwa die Anlagekategorie „Cash“ zuzulassen und auch Eltifs und großvolumige Unternehmensanleihen in geförderte Altersvorsorgedepots einbringen zu können. Ebenso sollte der Onboarding-Prozess für Anleger vollständig digital verlaufen. Der Gesetzgeber sollte Regelungen für die Vererbung von Altersvorsorgedepots treffen.  

Hier geht es zum Forderungskatalog der Fintech-Vertreter >>  

Neuer Schub für Altersvorsorge-Reform

Den ursprünglichen Gesetzentwurf für ein steuerbegünstigtes Altersvorsorgedepot hatte der damalige Finanzminister Lindner im vergangenen Herbst vorgestellt. Er war nach einem Koalitionsstreit nicht mehr umgesetzt worden. Die Fintech-Branche hofft nun darauf, dass die neue Regierung ihre im Koalitionsvertrag angekündigten Pläne einer Altersvorsorgereform zügig umsetzt.

Die Zeichen für Änderungen auf dem Gebiet stehen günstig: Ende Mai hatte die Bundesregierung ein „Sofortprogramm“ mit besonders dringlichen Maßnahmen vorgestellt. Dort ist auch die private Altersvorsorge berücksichtigt.