Helene Williamson managt seit über zehn Jahren Emerging-Markets-Anleihefonds.

Helene Williamson managt seit über zehn Jahren Emerging-Markets-Anleihefonds.

First State Emerging Markets Bond Fund

Ende einer Ära bei Schwellenländeranleihen

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Mit der Rückführung der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), dem Tapering, endet auch für den Markt der Schwellenländeranleihen eine Ära.

Lange Zeit hatten die Anleihe-Ankäufe der Fed die Volatilität an den globalen Anleihemärkten gedrückt. Diese Zeit ist vorbei. „Die Märkte sind bereits wieder ziemlich volatil. Größtenteils, weil die US-Geldpolitik zur Datenabhängigkeit zurückgekehrt ist“, erklärt Helene Williamson, Managerin des First State Emerging Markets Bond Fund (WKN: A1JKE1).

Mit Datenabhängigkeit meint sie, dass die Fed keinen Fahrplan zur Geldpolitik vorgibt, sondern auf die Entwicklung der Konjunkturdaten eingehen will. Was bedeutet das für Schwellenländeranleihen?

„Das Umfeld wird in den nächsten Monaten um einiges volatiler. Performance-Treiber werden Duration, Länderselektion und aktives Management sein“, so Williamson.

„Wir erwarten viele Neuemissionen, die vereinzelt Chancen bieten. Es kommt aber auf technische Faktoren an.“ Beispielsweise hat sie jüngst eine 30-jährige Anleihe aus Bahrain ins Portfolio genommen. Marokko, das ein gleiches Rating wie Bahrain hat, dagegen nicht.

„Die Anleihe aus Bahrain hat einen 6-prozentigen Kupon, und die Zinskurve ist sehr steil. Bei Marokko indes ist sie sehr flach“, erklärt Williamson. Da der Markt für Schwellenländeranleihen derzeit sehr technisch ist, will die Managerin das Portfolio breit aufstellen. Derzeit besteht es aus 109 Positionen.

„In Mexiko zum Beispiel halten wir sieben verschiedene Anleihen. Meist, weil wir attraktiv gepreiste Neuemissionen kaufen.“ Entsprechend belegt das lateinamerikanische Land auch Platz 1 in der Länderallokation.

„Unserer Meinung nach ist Mexiko das einzige Land in Lateinamerika, in dem die Regierung strukturelle Reformen durchsetzt, aus denen ein höheres potenzielles Wachstum folgen dürfte“, so Williamson.

„Wir erwarten, dass wegen der Reformen langfristig die Risikoprämien fallen werden – und dadurch die Kurse steigen.“ Ebenfalls eine größere Position im Portfolio sind Anleihen aus Bahrain. „Sie machen 2 Prozent im Portfolio aus. Der Markt preist ein zu hohes politisches Risiko ein.

Die Wirtschaft Bahrains ist stark an Saudi-Arabien gebunden, und bei einer 6-prozentigen Rendite am langen Ende wird das eingegangene Risiko sehr gut bezahlt.“

Alles kann, nichts muss

Von Anleihen aus den Frontier Markets hält Williamson dagegen derzeit eher wenig. Der First-State-Fonds ist zwar in dieser Hinsicht nicht beschränkt. Die Managerinfindet aber, dass die Liquidität an den globalen Anleihemärkten nicht allzu gut ist – und das gelte in noch größerem Maß für die Frontier Markets.

Auch darf sie bis zu 10 Prozent Kasse halten, was sie aber nur in extremen Marktsituationen machen will. „Ein Beispiel dafür waren die Sommermonate 2013, als die Bewertungen von Rentenpapieren aus den Emerging Markets extrem unattraktiv waren“, erzählt Williamson.

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Quelle: Bloomberg

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