Unsicherheit und Volatilität sind zu den bestimmenden Merkmalen der globalen Wirtschaft und der Finanzmärkte geworden. Im Iran-Konflikt gibt es kaum Anzeichen einer Entspannung, was die Ölpreise auf einem hohen Niveau hält und die Welt in eine Stagflation zu stürzen droht – eine Entwicklung, die für Anleihen ebenso nachteilig wäre wie für Aktien.
Erschwerend kommt hinzu, dass Zentralbanken und Regierungen nur wenig Handlungsspielraum haben. Die politischen Entscheidungsträger können es sich nicht leisten, sich ausschließlich auf die Eindämmung der Inflation zu konzentrieren, wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Der Weg nach vorn ist schwierig und voller Risiken.
Nur eines ist sicher: Die Märkte werden volatil bleiben. Die Anlegerstimmung wird weiterhin sprunghaft zwischen Vorsicht und Optimismus wechseln, je nach den politischen Aussagen oder militärischen Schritten der Trump-Regierung.
Der sprunghafte Anstieg des ICE BofA ML Move Index nach dem Beginn des Iran-Kriegsausbruch – ein Indikator, der die implizite Volatilität von US-Staatsanleihen misst – war einer der schnellsten und stärksten seit der globalen Finanzkrise von 2008.
Und der Krieg ist nur ein Teil eines viel größeren, unausgewogenen Bildes, das durch eine weltweite Eskalation der politischen und geopolitischen Risiken gekennzeichnet ist. Auch an den Märkten macht sich bereits Unsicherheit breit, unter anderem hinsichtlich des Ausmaßes und der Geschwindigkeit der durch KI ausgelösten Rally bei technologiebezogenen Anlagewerten sowie der Verfassung des Private-Debt-Marktes.
In einem turbulenten Umfeld, das durch eine ungewöhnlich hohe Streuung der Renditen über verschiedene Anleihemärkte hinweg gekennzeichnet ist, haben festverzinsliche Portfolios, die sich an globalen Benchmarks orientieren, Schwierigkeiten, die Stabilität und die Erträge zu liefern, die die Investoren von ihnen erwarten.
Hier könnte eine nicht an einen Referenzindex gebundene Anleihestrategie Abhilfe schaffen – eine Strategie, die proaktiv ein breites Spektrum an Positionen auf den globalen Anleihemärkten eingehen kann, ohne an einen Referenzindex gebunden zu sein.
Grafik 1: Volatile Zeiten
Ein Markt zwischen Inflationsdruck und Wachstumsschwäche
Es ist zunehmend schwierig, zukünftige Trends bei Inflation, Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinnen einzuschätzen – ganz zu schweigen von deren Auswirkungen auf die Portfolios. Einige Fakten stechen jedoch heraus.
Zunächst einmal erlebt die Welt erneut einen rohstoffbedingten Schock auf der Angebotsseite. Doch während die Reaktion der Märkte bislang an die letzte derartige Episode erinnert – als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte –, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Mal ganz anders.
Damals war das nominale BIP-Wachstum robust, und die Realzinsen lagen im negativen Bereich. Die Zentralbanken konnten es sich daher leisten, sich ausschließlich auf die Eindämmung der Inflation zu konzentrieren, was sie durch aggressive Zinserhöhungen taten.
Der jüngste Schock hat sich in einem völlig anderen wirtschaftlichen Umfeld ereignet. Die meisten großen Volkswirtschaften wachsen in etwa auf dem Niveau ihres langfristigen Trends, doch besteht aufgrund der Schwäche am Arbeitsmarkt (insbesondere im Vereinigten Königreich und in den USA) und der schwindenden Ersparnisse der Verbraucher die Gefahr einer weiteren Abkühlung.
Bislang haben die Märkte die Besonderheiten der aktuellen Lage außer Acht gelassen und scheinen sich vor allem auf die Inflationsgefahr zu konzentrieren. Sie gehen nun von Zinserhöhungen statt von weiteren Zinssenkungen aus. Wir sind zwar ebenfalls der Meinung, dass die neue Zinspolitik auf „für längere Zeit höhere Zinsen“ ausgerichtet ist, aber unserer Einschätzung nach deutet das sich abschwächende wirtschaftliche Umfeld darauf hin, dass die Märkte eine straffere Geldpolitik bereits zu stark eingepreist haben, was für mehr Volatilität sorgen wird.
Hinzu kommt, dass sich die Rahmenbedingungen in den einzelnen Volkswirtschaften unterscheiden. Einige – wie beispielsweise die Ölexporteure – dürften von den aktuellen Entwicklungen profitieren. Bei den anderen, für die die aktuelle Lage problematisch ist, ist noch sehr unklar, in welchem Umfang die Regierungen Unterstützung leisten könnten, um die Auswirkungen abzufedern. In Europa hat Deutschland zum Beispiel mehr Spielraum für Konjunkturmaßnahmen als Italien, Spanien oder das Vereinigte Königreich. In den USA werden die Kosten des Krieges wahrscheinlich zu einer Umschichtung von Mitteln aus anderen Bereichen führen, während andere Länder dazu veranlasst werden könnten, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.
In einer von Unsicherheit geprägten Welt können solche Diskrepanzen Relative Value-Anlagechancen für aktiv gemanagte Anleiheportfolios bieten – Chancen, die Strategien, die sich an Standard-Benchmarks orientieren, möglicherweise verwehrt bleiben.
Grafik 2: Mal nach unten, mal nach oben
