Flossbach von Storch Research Institute China auf dem Weg zur High-Tech-Supermacht

Agnieszka Gehringer und Norbert F. Tofall.  | © FvS

Agnieszka Gehringer und Norbert F. Tofall. Foto: FvS

Die chinesische Führung hat einen Plan. Bis zum Jahr 2025 soll China in allen weltweit wichtigen Industriezweigen eine technologisch unabhängige High-Tech-Supermacht geworden sein. Chinesische Staats- und Privatunternehmen entfalten deshalb weltweit mit Hochdruck Mergers-and-Acquisitions-Aktivitäten in ausländischen High-Tech-Sektoren.

Aber wie wird auf diesen Plan reagiert? China ökonomisch klein zu halten wird nicht gelingen und ist weder ein legitimes noch ein kluges Ziel. Ein ökonomisch wachsendes China ist für die gesamte Weltwirtschaft von Vorteil, falls China aus eigenem Interesse die „Rule of Law“ (gleiches Recht für alle) anerkennen sollte. Bis dies so weit ist, muss der Westen seine eigenen Interessen verteidigen.

Bereits im Jahr 2015 verabschiedete der chinesische Staatsrat den Masterplan „Made in China 2025“. Innerhalb eines Jahrzehnts soll China zu einer „autarken produzierenden Supermacht“ werden. China müsse im gesamten Hi-Tech-Spektrum technologisch unabhängig (autark) und führend sein und das heißt in der Automobilindustrie, bei energiesparenden Fahrzeugen und der Elektromobilität, der Robotertechnik, dem Maschinenbau, der Luftfahrt, beim Hi-Tech-Schiffsbau und in der Bahnverkehrstechnik, in der Medizintechnik, im Gesundheitswesen, in der Biotechnologie, der Chemie und der Pharmazie.

Da die innovativen und führenden Technologien in diesen Bereichen weit überwiegend im Aus-land entwickelt wurden, versucht China durch den staatlich gelenkten Kauf ausländischer Unternehmen die Technologieführerschaft in diesen Bereichen zu erlangen. Chinesische Staats- und Privatunternehmen entfalten deshalb weltweit mit Hochdruck Mergers-and-Acquisitions-Aktivitäten (M&A).

Beispiele für die direkte Beteiligung von Peking bei der Akquisition ausländischer Technologieführer sind die Übernahme von 79 Prozent an KHD Humboldt Wedag (Zement, Deutschland) und von 95 Prozent an Aritex (Automobil & Luftfahrt, Spanien). Darüber hinaus erwarb Shanghai Electric (Energieerzeugung und elektrische Ausrüstungen) 100 Prozent der Broetje Automation (Luftfahrt, Deutschland) und fast 20 Prozent an Manz (Robotik und Mechatronik, Deutschland). ChemChina (Chemie) erwarb 100 Prozent von KraussMaffei (Maschinen und Automation, Deutschland) und Siasun (Robotik und Automation) 100 Prozent von Teutloff (Ingenieurausbildung und Training, Deutschland). Aber auch Übernahmen durch chinesische Privatunternehmen werden wohl in der Regel von chinesischen Regierungsbehörden gelenkt und gefördert.

Abbildung 1 zeigt einen starken Anstieg von chinesischen M&A in ausländischen High-Tech-Sektoren. Bereits in den Jahren vor der offiziellen Verabschiedung des Masterplans „Made in China 2025“ sind diese Aktivitäten signifikant, gewinnen aber ab 2015 eine erhöhte Dynamik. Im Jahr 2016 wurde der bisherige absolute Höchststand erreicht, gefolgt von einem Ein-bruch im Jahr 2017, der jedoch mit einem Rückgang sämtlicher High-Tech-M&A in diesem Jahr einhergeht, so dass sich der relative Anteil der chinesischen High-Tech-M&A im Ausland im Jahr 2017 trotzdem erhöht hat. Der erneute starke absolute Anstieg ist im ersten Halbjahr von 2018 zu beobachten.