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Christine Lagarde und Mario Draghi: Die neue EZB-Chefin kann Erfolge in der Politik vorweisen, doch ihre Kenntnisse in der Geldpolitik sind begrenzt.  | © Getty Images

Flossbach von Storch

Was nach Draghi kommt

Die Amtszeit von Mario Draghi als Präsident der EZB nähert sich dem Ende. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Von vielen Deutschen wird die Ära Draghi wohl als nicht sehr erfolgreich verbucht werden. Die „Bild“-Zeitung zeichnete unlängst sogar die Karikatur des „Grafen Draghila“, der die Renditen aus Sparbüchern und Bundesanleihen saugt.

Mehr „Super Mario“ als „Graf Draghila“

Wenn wir eine Bilanz der vergangenen acht Jahre ziehen, scheint jener EZB-Chef wie ein „Graf Draghila“ zu wirken. Wir sehen ihn aber vielmehr als „Super Mario“. Ein EZB-Chef ist vor allem nach seinem Pflichtenheft zu beurteilen. Mario Draghis wichtigste Aufgaben waren, in schwierigen Zeiten die Geldwertstabilität zu bewahren und den Zusammenhalt des Euro zu gewährleisten. Mit einer durchschnittlichen Inflation von 1,1 Prozent pro Jahr muss der erste Punkt wohl positiv beurteilt werden. Auch der Zusammenhalt des Euro ist ihm geglückt. Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es ihm mit großem Intellekt und seiner Erfahrung gelungen, zwischen dem Unwillen der Politik, Reformen anzugehen und der Sicht der Marktteilnehmer zu vermitteln.

Neues EZB-Team mit Christine Lagarde und Isabel Schnabel

Christine Lagarde, seine Nachfolgerin im Amt, kann Erfolge in der Politik vorweisen. Die Frau hat Charme. Doch ihre Kenntnisse in der Geldpolitik sind begrenzt. Daher ist es ein kluger Zug, die deutsche Wirtschaftsweise Isabel Schnabel zu nominieren, um ihr unter die Arme zu greifen. Als anerkannte Finanzwissenschaftlerin kann sie die geldpolitische Stimme der EZB werden. Das Team kann funktionieren, wenn die politische Intelligenz Lagardes mit dem wissenschaftlichen Intellekt Schnabels harmoniert.

EZB erreichte „Zinskonvergenz 2.0“

Klar ist aber auch: Die beiden stehen mitnichten dafür, dass sich an der ultralockeren Geldpolitik etwas ändert. Angesichts unserer Einschätzung aus dem 1. Quartal 2016, dass die Notenbank den „Point of no Return“ bereits überschritten hat, eine echte Zinswende nach oben also gar nicht mehr möglich ist, sind diese Personalien eher Nuancen als echte Richtungsänderungen. Zum Ende seiner Präsidentschaft hat Mario Draghi etwas erreicht, was wir bei seinem Amtsantritt nicht erwartet haben. Die „Konvergenz 2.0“. Er hat es geschafft, dass sich heute mit zehnjährigen italienischen und selbst mit griechischen Staatsanleihen kaum noch nennenswerte Mehrrenditen gegenüber Bundesanleihen erzielen lassen. Die Renditen der Euro-Länder-Bonds nähern sich immer mehr an – und tendieren immer mehr in Richtung Null.

Das Wachstum schwächt sich ab

An der Nullzinspolitik wird sich wohl wenig ändern, auch wegen der Konjunktur. Unlängst hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose nach unten revidiert. Erwartet wird, dass das reale Wachstum der Weltwirtschaft 2019 drei Prozent erreicht und damit den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Das ist aber kein Rezessionsniveau. Und wir tun uns schwer, eine globale Rezession mittelfristig als realistisches Szenario für unsere Anlagestrategie anzunehmen.

Langer, aber moderater Konjunkturaufschwung

Dabei möchten wir bleiben. Wir werden immer wieder gefragt: „Aber Herr Vorndran, die US-Wirtschaft ist seit 123 Monaten in einem Konjunkturaufschwung – muss die Rezession denn dann nicht irgendwann mal kommen?“ Irgendwann muss sie das natürlich, das ist klar. Die Frage ist nur: wann? Wir sind weiterhin guter Dinge, dass es in den USA noch einige Jahre weiter nach oben gehen kann, wenn auch nur so träge und so schwach wie bisher auch. Der längste Konjunkturaufschwung in den USA in der Nachkriegszeit brachte die geringsten jährlichen Wachstumsraten aller Aufschwünge. Wer die Wachstumsraten für alle Jahre addiert, kommt in der aktuellen Phase auf gerade Mal 26 Prozent. Das sind im Schnitt 2,3 Prozent per annum. Damit rangiert der jüngste Boom noch nicht einmal unter den Top-Drei US-Aufschwüngen.

USA aktuell im Vorteil

Wo steht geschrieben, dass es in der größten Volkswirtschaft der Welt nicht noch fünf Jahre so weitergehen kann? Die USA hat aktuell einen Vorteil. Die Wertschöpfung hängt nur zu 20 Prozent vom internationalen Warenhandel ab. Handelskonflikte wirken sich damit deutlich weniger aus als bei uns. In Deutschland müssen wir hingegen intensiver über eine Rezession nachdenken. Denn hier beträgt der Anteil des Welthandels am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 70 Prozent. Thomas Mayer und Agnieszka Gehringer vom Flossbach von Storch Research Institute haben einen neuen Konjunkturindikator entwickelt, der zu dem wenig überraschendem Ergebnis kommt, dass sich Deutschland bereits seit April in einer Rezession befindet. Aber nur weil wir Deutschen ein Problem haben, sollten wir nicht den Fehler machen, es zu einem globalen Problem zu machen. Das globale Wachstum ist moderat, aber stetig. Wir erleben ein ökonomisches „muddling through“, also die Kunst, sich durchzuwursteln.

China bleibt der Motor der Weltwirtschaft

Die Emerging Markets bleiben für die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten fünf Jahre natürlich weiterhin sehr relevant. Neulich kam Bert Flossbach zu mir. Alle Welt rede über kurzfristige Konjunkturindikatoren oder über reales Wachstum, erklärte er. Doch gezahlt, das war seine Überzeugung, würde am Ende in US-Dollar. Unternehmen können von höheren Preisen schließlich auch profitieren. Er habe daher grob überschlagen, wie sich die größten Volkswirtschaften der Welt in den nächsten fünf Jahre entwickeln. Das Ergebnis: Nominal gesehen wird das Bruttoinlandsprodukt in den USA, China und in der Eurozone zulegen. Dabei wird der Beitrag der USA und der Eurozone zusammen voraussichtlich hinter dem Wachstumsbeitrag Chinas liegen.

China bleibt also der Motor der Weltwirtschaft. Alle Wachstumszahlen sind positiv, nominal gesehen. Dass wir mittelfristig ein deutliches Schrumpfen der Gewinne bei Unternehmen sehen könnten, das glauben wir ausdrücklich nicht.

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