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Deutschland genießt eine Top-Bonität: Anleihenanleger lassen sich höheres Kreditrisiko in Form von höheren Zinsen bezahlen.  | © Getty Images

Flossbach von Storch zu Anleihen Festverzinsliche sind alles außer langweilig

In Zeiten von Null- und Negativzinsen kann es sinnvoll sein, einige Dinge noch einmal grundsätzlich zu betrachten. Das gilt vor allem für Anleihen, eine Anlageklasse, die allzu oft missverstanden wird. Wenn das historische Zinstief bereits erreicht ist, bringen sie doch eh keine Erträge mehr, heißt es. Langweilig sollen sie sein, bestenfalls geeignet als Stabilisator für Aktienportfolios in schweren Börsenzeiten. Doch Anleihen können mehr – das ist zumindest unsere Überzeugung.

Im Grunde standardisierte Kredite

Im Grunde genommen sind Anleihen nichts anderes als standardisierte, leicht handelbare Kredite. Im Rahmen der „Kreditvergabe“ – also der Anleiheemission – wird ein Zinskupon ausgehandelt. Der Zinskupon legt fest, welche jährliche Zinszahlung der Anleger neben der Rückzahlung des „Kredits“ erhält. Für Anleger, die ihre Anleihen bis zu ihrer Endfälligkeit halten, gestaltet sich der Anlageprozess tatsächlich vergleichsweise simpel. Sie kassieren den jährlich anfallenden Kupon und den Kreditbetrag am Ende der Laufzeit. Ein einfaches, berechenbares Investment. Zumindest, solange der Schuldner seine Kredite zurückzahlen kann.

Anleihen sind keine Festgelder

Doch ganz so simpel ist es nicht. Denn Anleihen sind keine Festgelder, sondern täglich handelbare Wertpapiere. Für einen Großteil der Investoren kann es sinnvoll oder notwendig sein, ihre Anleihen weit vor Fälligkeit zu verkaufen. Das Beispiel deutscher Bundesanleihen zeigt, welche Bewegungen auf dem Zinsmarkt möglich sind. Dabei gilt die „Zehnjährige“ eigentlich als „sicherer Hafen“: Die einschlägigen Urteile der Ratingagenturen attestieren dem deutschen Staat Top-Bonität und Sicherheit. Die „Bunds“ haben daher den Ruf eines langweiligen Investments. Wäre da nicht die Mechanik von Anleihen, die über den Zinskupon hinausgehende Ertragspotenziale schaffen kann.

Der erstaunliche „Roll-Down-Effekt“

Mit jedem Tag der Haltedauer verkürzt sich die Restlaufzeit einer Anleihe. Nach einem Jahr Haltedauer ist aus einer zehnjährigen eine neunjährige, aus einer zweijährigen eine einjährige Anleihe geworden. Anleihen „wandern“ auf der Zinsstrukturkurve, die Renditen für verschiedene Laufzeiten visualisiert, mit fortschreitender Zeit immer weiter nach links. Für die Struktur der Zinskurve gilt dabei in der Regel: Je kürzer die Restlaufzeit, desto niedriger die jährliche Verzinsung beziehungsweise die Rendite.

Die Erklärung für dieses „Phänomen“: Weil die Berechenbarkeit des Ausfallrisikos bei längeren Laufzeiten sinkt, lassen sich Investoren das höhere Kreditrisiko in Form von höheren Zinsen bezahlen. Aktiven Anlegern können sich so attraktive Anlagegelegenheiten bieten.

Veränderungen der Zinskurve

Ein weiterer grundlegender Aspekt, der sich auf die Ertragsentwicklung einer Anleihe auswirken kann, ist eine mögliche Verschiebung der Zinskurve selbst. Unsicherheiten an den Märkten können dazu führen, dass sich die Renditen in den verschiedenen Laufzeiten verändern.

Das geschah etwa im Sommer des Jahres 2011. Damals erfasste die Euro-Schuldenkrise insbesondere die südlichen Länder der Euro-Zone. Dort gingen die Renditen hoch – während deutsche Bundesanleihen wegen ihres Rufs als „sicherer Hafen“ gefragt waren. Die Rendite einer – zu diesem Zeitpunkt – 9-jährigen Bundesanleihe reduzierte sich am Markt innerhalb eines halben Jahres von knapp 3,5 Prozent auf nur noch 1,5 Prozent. Risikoscheue Investoren waren in diesem Umfeld bereit, dem deutschen Staat ihr Geld auch zu einer deutlich niedrigeren Rendite anzuvertrauen.

Ordentliche Rendite mit langweiligen Papieren

Wer bereits Bundesanleihen besaß, konnte sich freuen. Die gestiegene Nachfrage sorgte nicht nur für fallende Renditen. Im Gleichschritt stiegen die Anleihekurse um mehr als zehn Prozent. Wer damals verkaufte, konnte mit den angeblich so langweiligen Bundesanleihen eine ordentliche Rendite erzielen. Verschiebungen auf der Zinskurve gibt es immer wieder. Dafür kann es viele Gründe geben. Neben einer veränderten Risikowahrnehmung der Anleger können auch geldpolitische Maßnahmen wie eine Leitzinsanpassung oder ein markttechnisch bedingtes Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage die Zinskurve verändern.

Mehr als nur der Zinskupon

Wer sich mit Anleiheinvestments auseinandersetzt, erkennt schnell die Komplexität dieser Anleiheklasse. Die hier beschriebenen Beispiele für die Bundesanleihe stellen bei weitem nicht alle Ertragsmöglichkeiten dar, die diese Anlageklasse bieten kann. Gerade in Zeiten ohne Zinsen ist es aber wichtig, solche Gelegenheiten zu nutzen. Das kann unseres Erachtens nur mit einer aktiven und flexiblen Anlagestrategie gelingen, die alle Möglichkeiten dieser Anlageklasse nutzen kann.

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins „Position“ erschienen, das Sie kostenlos abonnieren können. Hier geht es zum Abonnement.

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