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Designierte EZB-Chefin Christine Lagarde: Ohne Unterstützung der Fiskalpolitik in den einzelnen Euroraum-Ländern wird die EZB-Politik nicht weit kommen.  | © Getty Images

Flossbach von Storch zur Geldpolitik

„In absehbarer Zeit werden die Zinsen nicht steigen“

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch

Herr Vorndran, Sie sagen, dass die Notenbanken schon sehr bald an die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten stoßen. Warum?

Philipp Vorndran: Langsam, aber sicher wächst die Erkenntnis, dass die Zinsen in absehbarer Zeit nicht steigen werden. Wer uns kennt, der weiß, dass wir sogar noch einen Schritt weitergehen: Wir sind davon überzeugt, dass die Zinsen bis zur nächsten Währungsreform tief bleiben. Wie sollte es auch anders sein? Wir sehen, dass die Notenbanken weltweit an die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten gelangen – auch, weil die Politik nicht in ausreichendem Maße hilft. So fordert EZB-Präsident Mario Draghi zum x-ten Mal, dass die Fiskalpolitik ihre Hausaufgaben macht. Aber ein aufs andere Mal kann er dafür keine breite Unterstützung gewinnen.

Demnächst übernimmt Christine Lagarde das Amt von Mario Draghi…

Vorndran: Vielleicht wird Christine Lagarde auf mehr Gehör stoßen. An diesem Punkt sind wir aber aus gutem Grund skeptisch: Denn in zahlreichen nationalen Verfassungen sind heute in unterschiedlicher Ausprägung Bremsen für die Verschuldung eingebaut. Bei uns in Deutschland ist das die berühmte schwarze Null, aber ähnliche Strukturen gibt es in allen Ländern der Eurozone. Und diese Bremsmechanismen unterschätzen viele Marktteilnehmer unseres Erachtens. Sie hoffen, dass die Finanzminister quasi auf Knopfdruck Finanzmittel für ihre Haushalte sprudeln lassen könnten. Doch das ist Wunschdenken.

Die EZB hat neben negativen Einlagezinsen auch die Wiederaufnahme von umfassenden Anleihekäufen, das so genannte Quantitative Easing, angekündigt. Wie bewerten Sie diese Maßnahme?

Vorndran: Die Wiedereinführung des Quantitative Easing zum November dieses Jahres wurde stark kritisiert. Und an dieser Kritik ist etwas dran. Wir haben schon vor langer Zeit gefordert, dass die EZB anstelle des Quantitative Easing besser den Einlagenzins kräftig auf minus 0,6 oder 0,75 Prozent senkt. Und glaubwürdig erklärt, dass dieser negative Einlagenzins – „whatever it takes“ – wirklich fixiert ist. Beispielsweise für die nächsten vier bis fünf Jahre.

Welche Wirkung hätte dieses Vorgehen vermutlich gehabt?

Vorndran: Das wäre unseres Erachtens ein sehr wirksames Signal für Investoren gewesen, dass die Inflation tatsächlich ein Risiko ist, das derzeit am langen Ende der Zinskurve nicht angemessen entschädigt wird. Und das wiederum würde zu einem Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und mehr führen. Ein solches Szenario würde auch vielen Finanzinstituten und institutionellen Investoren Hilfestellung geben, da gerade letztere durch die Regulatorik zu einem hohen Anleiheanteil mit Staatsanleihen und langlaufende Bonds verpflichtet sind. Doch was passiert jetzt? Die von der EZB geplanten Maßnahmen zum Quantitative Easing stützen unserer Meinung nach weder die Inflationserwartung noch die Konjunktur.

Werfen wir einen Blick in die USA.

Vorndran: Anders sieht das in den USA aus: Dort hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) tatsächlich Spielraum für Zinssenkungen. Die Fed konnte angesichts eines deutlich besseren Gesamtzustands der Finanzindustrie früher als die Europäer aus der Niedrigzinspolitik aussteigen. Sie hat durch Zinserhöhungen wieder etwas Wasser unter den Kiel bekommen. Und das fehlt der EZB hinten und vorne. Deshalb kann die US-Fed im Gegensatz zur EZB die Zinsen senken, was sie zuletzt auch wieder in moderatem Umfang getan hat.

Helfen die US-Zinssenkungen der Weltkonjunktur?

Vorndran: Meines Erachtens steht die Weltwirtschaft bei weitem nicht so schwach da, wie das noch Anfang September von vielen Kommentatoren beschrieben und vom Markt vorübergehend bepreist worden ist. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich die Rezessionsfurcht demnächst wieder auflöst. Das soll aber nicht heißen, dass die Alternative „Boom“ heißt: Die Zahlen, die uns beispielsweise aus China erreichen, deuten eher darauf hin, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft abschwächt. Eine globale Rezession sehen wir derzeit aber nicht. Allerdings: Rezessive Entwicklungen könnten möglicherweise in Teilen der Eurozone eintreten – etwa in Deutschland mit seiner Automobilindustrie. Aber das ist etwas anderes als eine globale Rezession.

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