Flossbach von Storch zur Konjunktur Die globale Rezession – (k)ein Thema

Fed-Chef Jerome Powell: Kein Zweifel daran, dass die Fed im Fall einer wirtschaftlichen Krise gegensteuern würde.  | © Getty Images

Fed-Chef Jerome Powell: Kein Zweifel daran, dass die Fed im Fall einer wirtschaftlichen Krise gegensteuern würde. Foto: Getty Images

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Philipp Vorndran, Flossbach von Storch

Was mich immer wieder erstaunt, ist das kurze Gedächtnis vieler Marktteilnehmer. Im vergangenen Jahr trieb sie die Sorge vor der weltweiten Rezession um. Und heute? Nachdem sich die Märkte seit Jahresbeginn sehr erfreulich entwickeln, scheint die Angst vor der Rezession wie weggeweht. Sie kennen uns: Bei Flossbach von Storch bürsten wir die aktuellen Themen gerne gegen den Strich. Deshalb stellen wir uns gerade jetzt einmal die Frage, ob und woher eine globale Rezession kommen könnte.

Unter uns Europäern herrscht gerne die Haltung vor, dass wirtschaftliche Risiken vor allem in anderen Teilen der Welt entstehen. Wenn die Rezession kommt, dann muss sie von woanders kommen. Die üblichen Verdächtigen sind dabei schnell ausgemacht: die USA und China. Werfen wir also zuerst einen Blick auf diese beiden Kandidaten, bevor wir auf Europa schauen.

Doping für die Wirtschaft

Aus China wird die Rezession wohl nicht kommen. Denn die chinesische Volkswirtschaft verfügt global nicht nur über das mit Abstand größte Arsenal für die Bekämpfung eines wirtschaftlichen Abschwungs, sondern ist auch bereit, dieses Arsenal für diesen Zweck einzusetzen.

Das belegt eindrucksvoll die Neukreditvergabe im gesamten chinesischen Kreditmarkt – inklusive der Schattenbanken. Die neu vergebenen Bankkredite – das Feld, auf dem die chinesische Regierung am deutlichsten die Wirtschaft stimulieren kann – erreichten im Januar ein neues Rekordhoch (vgl. Grafik 1).

Dieses Gegensteuern hat natürlich einen Preis: Die Gesamtverschuldung Chinas in Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ist mittlerweile auf ein Niveau gestiegen, das dem der Eurozone und der USA entspricht. Damit zeigt sich, dass das Arsenal der Chinesen zwar verfügbar, allerdings nicht unendlich groß ist. Vielleicht müssen wir in drei oder vier Jahren einen anderen Blick auf dieses Arsenal werfen – aber zurzeit funktioniert es einwandfrei. Eine rezessive Entwicklung ist hier unseres Erachtens nicht erkennbar (vgl. Grafik 2).

Und wie sieht es in den USA aus, dem anderen Verdächtigen? Gibt es hier Anzeichen für eine Rezession? Unseres Erachtens spricht folgendes dagegen: Der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist es in den vergangenen drei Jahren gelungen, durch moderate Zinserhöhungen wieder etwas Wasser unter den Kiel zu bekommen. Und zusätzlich unterstützte Fed-Chairman Jerome Powell jüngst mit seiner Aussage die Märkte, mit weiteren Zinsschritten auch warten zu können.

Unseres Erachtens besteht kein Zweifel daran, dass sowohl die Fed als auch die ganze US-Nation – so zerstritten sie auch aktuell scheint – im Fall einer wirtschaftlichen Krise gegensteuern würden.