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Stolls Fonds der Woche Flüssige Rendite aus dem Weinkeller

Redakteur Sven Stoll mit einem guten Schluck Wein
Redakteur Sven Stoll mit einem guten Schluck Wein: Wer nicht gleich ein ganzes Weingut kaufen will, kann mit Aktien auf die Produzenten setzen. | Foto: Jessica Hunold mit Canva

Während meiner Jugend in der ehemaligen DDR war ich als Kind des Ostens nicht das, was man heute als Weinkenner bezeichnen würde. Das Angebot im damaligen „Konsum“, so hießen die Lebensmittelgeschäfte in der DDR, war nicht besonders groß. Die meisten Weine wurden aus Rumänien, Bulgarien oder Ungarn importiert. Die allerbesten Tröpfchen waren darunter nicht zu finden. Die Qualität war mies, der Wein oft süß. Der typische DDR-Bürger musste sich mit Cotnari und Rosenthaler Kadarka zufriedengeben.

Wichtig war vor allem, sich übers Jahr einen kleinen Vorrat anzulegen. Denn oft waren die Regale leer. Wein als Geldanlage? Daran war damals genauso wenig zu denken wie an die Beteiligung an Unternehmen. Aktien galten als Teufelszeug des Kapitalismus.

Mit der Wende im Jahr 1989 änderte sich das. In den förmlich aus dem Boden gestampften Supermärkten, oft in riesigen Behelfszelten auf der grünen Wiese, platzten plötzlich meterlange Einkaufsregale aus allen Nähten. Auch das Weinangebot war riesig. Die Flaschen kamen jetzt nicht mehr nur aus den sozialistischen Bruderländern, sondern insbesondere aus Italien, Spanien, den USA, Südafrika und vor allem aus Frankreich. Ich kann mich noch an meine erste Flasche Cabernet Sauvignon erinnern, die ich im geselligen Kreis mit Freunden öffnete. „Was war der sauer“, war damals der Tenor. Versierte Weinliebhaber dürften meinen Gedanken verteufeln, denn damals hätte ich das edle Getränk am liebsten mit Zucker versetzt.

 

Enorme Wertsteigerungen möglich

Dieser spannende Moment des ersten Probierens endet für die Winzer gerade. Nach der Traubenlese zeigt sich nun, wo sich die 2022er Weine im Ranking der Weinkenner einsortieren. Hochwertige und seltene Weine bestimmter Jahrgänge lassen die Herzen von Liebhabern höherschlagen. Für eine Flasche zahlen Sammler und Investoren mitunter sechsstellige Summen.

Im Jahr 1945 produzierte das Weingut Domaine de la Romanée-Conti im französischen Burgund beispielsweise 600 Flaschen Rotwein. Eine Einzelflasche der teuersten Grand-Cru-Lange Romanée-Conti hat auf einer Sotheby's-Versteigerung einen echten Rekord geknackt. Der angesetzte Schätzwert für diesen Rotwein betrug lediglich 33.000 US-Dollar. Letztlich schlug der Hammer jedoch erst bei 558.000 US-Dollar zu.

Die Liste der teuersten Exemplare zeigt: Eine Flasche erzielt meist dann enorme Wertsteigerungen, wenn es sich beim Inhalt um Rotwein handelt. Der sollte dann bestenfalls noch aus Frankreich stammen und sein Jahrgang ziemlich alt und fast nicht mehr zu bekommen sein. Dann ist es regelrechter Luxus-Wein, für dessen Preise sich andere Menschen schonmal ein luxuriöses Eigenheim bauen lassen. Das edle Weine im Trend liegen, zeigen die weltweit auf Auktionen erzielten Umsätze. Der bisherige Umsatzrekord von 478 Millionen US-Dollar aus dem Jahr 2011 wurde im Jahr 2018 mit 480 Millionen US-Dollar geknackt, das war ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Seit rund 20 Jahren sind nun auch Investoren aus China und anderen Ländern in Fernost eine feste Größe auf dem Markt. Sie kaufen ganze Weingüter in Frankreich und bieten auf Auktionen mit, sodass die Preise enorm in die Höhe geschossen sind. Der Genuss tritt dabei sicherlich in den Hintergrund. Oft geht es einfach um den Besitz und das Sammeln von Topweinen als alternative Anlageform der Reichen und Superreichen.

Der Weinindex schlägt den Aktienindex

Aber wie entwickeln sich eigentlich die Renditen aus dem Weinkeller?

Das zeigt ein Blick auf den Liv-ex-Fine Wine 1000 Index. Er erfasst 1.000 Weine aus der ganzen Welt und ist das umfangreichste Maß für den Markt. Der Index besteht aus sieben Unterindizes, welche die meistgehandelten Weine aus Regionen auf der ganzen Welt repräsentieren. In diese Superliga schafft es nur eine Handvoll von Herkunftsregionen. Ganz vorn ist Frankreich mit den Weinanbaugebieten Bordeaux, Burgund und Rhône.

Liv-ex Fine Wine 1000 Index
Liv-ex Fine Wine 1000 Index: Im laufenden Jahr hat der Liv-ex Fine Wine Index, der die Wertentwicklung von 1.000 Spitzenweinen abbildet, bereits um 14,3 Prozent zugelegt (Stand: 4. November 2022) © Liv-ex

Die Preise für edlen Qualitätswein gehen seit Monaten durch die Kellerdecke. So legte das Weinbarometer auf Sicht eines Jahres um fast 20 Prozent zu. Damit haben sich Weininvestments zuletzt besser entwickelt als große Aktienindizes wie der MSCI World. Der Haken: Obwohl es den Index seit Jahren gibt, existieren derzeit weder ETFs oder Fonds darauf.

Anleger, die einen Schluck aus der Rendite-Pulle nehmen wollen, müssen sich deshalb zwangsläufig nach Alternativen umsehen. Variante eins wäre die Kostolany-Methode: Eine gute Flasche Wein kaufen, diese in den Keller legen, Schlaftabletten nehmen und auf das große Los hoffen. Oder aber Variante zwei: Sein Geld in die Aktien der großen Winzer und Weinhersteller stecken. Die Idee eignet sich eher für die Unerfahreneren in Sachen Wein. Denn wem bei all den Rebsorten und Anbaugebieten dieser Welt der Durchblick fehlt, sollte sein Geld lieber bei denen investieren, die ihn haben.

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